Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kultur
24.02.2021
24.02.2021 10:03 Uhr

Kunst im Netz statt in der Galerie

Marianne Rapp Ohmann: Ihr Herz schlägt für die Kunst und den neuen Onlinekanal. Bild: Roman Salzmann
Erfolgserlebnis im Krisenmodus: Marianne Rapp Ohmann war vom globalen Ansturm im Internet auf ihre letzte Luxusgüterauktion mitten in der Corona-Pandemie überwältigt. Nun will sie die angeschlagene Kunstbranche an Erfahrungen und Erfolg teilhaben lassen: Mit ihrem globalen Netzwerk und der vorhandenen Infrastruktur lanciert sie die Onlinegalerie VivaArte.online.

Das Ergebnis und die Internet-Beteiligung der internationalen Luxusgüterauktion des Auktionshauses Rapp im November 2020 haben Inhaberin und Geschäftsführerin Marianne Rapp Ohmann überwältigt. «Nach der Auktion haben wir die versteigerten teuren Objekte und Schätze in die ganze Welt verschickt – nach Abu Dhabi, Jerusalem, Sydney, Kuwait, Tokio und in viele weitere Länder und Metropolen.» Sie möchte deshalb auch in der durch die Corona-Pandemie gebeutelten Kunstbranche aus der Not eine Tugend machen: Infrastruktur, Erfahrungen und weltweite Kontakte sollen konsequent genutzt werden.

Corona als Beschleuniger

Die Lösung heisst VivaArte.online, und der Schritt lag nahe: Rapp Ohmann betreibt neben dem Auktionshaus seit gut 25 Jahren eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Sie nimmt die Corona-Krise als Onlinebeschleuniger wahr und entwickelte die Idee, ihre Kunstgalerie «digital sichtbarer zu machen». Denn auch diese musste wegen Corona geschlossen werden. Ausstellungen konnten nicht stattfinden oder wurden verschoben. Doch sie mag den Kopf nicht in den Sand stecken: «Kunst kann gerade jetzt weitere Kreise begeistern. Das Interesse und das Kapital, um in Kunst zu investieren, sind vorhanden. Mit diesem Format wollen wir bewusst ein breites Publikum ansprechen und Kunden  erreichen, die noch nie in einer Kunstgalerie waren.» Basierend auf ihrem internationalen Onlinehandel im Auktionsgeschäft hat sie in den vergangenen drei Monaten ein digitales Konzept entwickelt, um den internationalen Onlinehandel mit Originalkunst aufzubauen. Rapp Ohmann: «In der Galerie des Auktions- und Kunsthauses Rapp finden normalerweise regelmässig Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstlern aus der ganzen Welt statt. Nun ergänzen wir die Galerie, indem wir die Vermittlung und den Verkauf von Kunst zusätzlich im Internet anbieten.» VivaArte.online startet mit einer Auswahl von ungefähr 20 international etablierten Kunstschaffenden. Sie nutzt damit einen neuen Trend, denn die Online-Verkäufe in der Kunstszene haben sich weltweit verdreifacht und machen bereits mehr als ein Drittel der Gesamtumsätze aus.

Erlebniswelten schaffen

VivaArte.online ist laut Rapp Ohmann bewusst kein elitäres Format, sondern einfach zugänglich: «Es ist eine Plattform, die  Kunstschaffende und Käufer auf der ganzen Welt zusammenbringt. Künstler und eine Auswahl der Werke werden vorgestellt.» Unter anderem sind auf VivaArte.online Porträts und Videos über die Künstler zu finden. Regelmässig sollen neue Künstlerinnen und Künstler präsentiert werden: «Wir wollen Erlebniswelten schaffen, die aufzeigen, wie die Kunstwerke wirken.» Interessierte könnten sich im Internet informieren und vor dem Kauf eines Kunstwerks zusätzlich auf die Fachleute von VivaArte.online per Mail, Telefon oder Skype für vertiefende Beratung zurückgreifen. «Wir bieten sogar einen kostenlosen Visualisierungsservice: Interessierte können Fotos von den eigenen Räumlichkeiten einsenden, wo wir dann die Kunstwerke digital integrieren.» Für die Kunstschaffenden übernimmt Marianne Rapp Ohmann die ganze Administration. Verpackung, Versand und Versicherung werden ebenfalls organisiert, und zwar weltweit: «So kommen Kunstinteressierte und Sammelnde mit Kunstschaffenden in Berührung, die sie sonst vielleicht nur in Galerien in Paris, New York, Wien oder fernen Ländern kennengelernt hätten.»

Kunstaffinität in der Familie

Und wie kann Rapp Ohmann gewährleisten, dass hochwertige Kunst vermittelt wird? «Wir suchen Künstlerinnen und Künstler mit viel Gespür aus und profitieren dabei von unserer langjährigen internationalen Expertise. Unsere Fachleute wissen, was interessant ist und was in welchen Ländern vorzugsweise gerne gesehen wird.» Das Team der Onlineplattform arbeitet global und denkt familiär – wie es sich die Kundschaft des Auktions- und Kunsthauses Rapp gewohnt ist: Mit im Boot ist nämlich Karin Ohmann Huber. Die Schwägerin von Marianne Rapp Ohmann lebt und arbeitet zurzeit in Barcelona und hat in den vergangenen Jahren als Karriereberaterin in Zürich, Singapur, Jakarta und Dublin gewirkt. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Architektur und Kunst. Neben einem feinen Gespür für Trends verfügt sie auch über ein erstklassiges Netzwerk in der Szene. VivaArte.online möchte deshalb mitunter das grosse Potenzial von spanischen Kunstschaffenden fördern.

Chance für Kunstschaffende

Nebst ständig auf der Plattform präsenten Künstlerinnen und Künstlern bietet Marianne Rapp Ohmann auch einen «Pop-up-Shop» an – ähnlich der nur vorübergehend für kurze Zeit geöffneten  Ladengeschäfte, den Pop-up-Stores: Während einem begrenzten Zeitraum von drei bis vier Wochen können Kunstschaffende eine Werkserie vorstellen. Werke in diesem Bereich kosten allesamt unter 1‘000 Euro, womit ganz bewusst neue Zielgruppen erschlossen werden sollen. Künstler können sich bewerben, um damit einen neuen Absatzkanal für ihre Werke zu erhalten. Rapp Ohmann betont, dass sie damit ganz bewusst «auch Künstlern eine Plattform bietet, die noch nicht so etabliert sind. Sie haben in derart schwierigen Zeiten umso mehr zu kämpfen, Partner für den Verkauf zu finden.» Karin Ohmann Huber weiss es aus den Erfahrungen in ihrem weitverzweigten Netzwerk: «Internet-Kunstgalerien wie VivaArte.online sind generell eine Chance für Kunstschaffende, ausserhalb von grossen und aufwendigen Ausstellungen in Galerien Kunst zu verkaufen. Man muss sich auf diese neue Form der Geschäftstransaktionen einstellen.»

Roman Salzmann