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Kanton SG
25.02.2021

Ambitioniertere und partizipativere Teststrategie notwendig

Der Kanton St.Gallen präsentierte heute eine wenig ambitionierte Teststrategie. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell zeigt sich davon enttäuscht: Statt mit präventivem und repetitivem Testen eine Rückkehr zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Leben zu ermöglichen, übt man sich in einer defensiven Haltung. Die Hoffnung der Unternehmen ruht nun auf den Spuck-Schnelltests, deren Validierung bald erfolgen sollte.

Eine weitgehende Rückkehr zur Normalität wird erst mit einer genügend hohen Durchimpfungsrate erfolgen. Diese wird frühestens per Ende Juni 2021 erreicht, Verzögerungen sind wahrscheinlich. Die IHK St.Gallen-Appenzell ist deshalb überzeugt: Umso wichtiger ist eine ambitionierte und umfassende Teststrategie. Eine solche ist kein Allheilmittel, muss aber entscheidender Baustein einer vorwärtsgerichteten Ermöglichungsstrategie sein.

«Auf einem Auge blind»

So haben die beiden ETH-Professoren Patrick Jenny und Wolf-Dietrich Hardt unlängst aufgezeigt: Repetitives und präventives Testen kann wesentlich zu einer Reduktion der Neuinfektionen beitragen – und so eine Rückkehr zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Leben ermöglichen. Eine auf Symptomen basierende Teststrategie, wie sie der Kanton St.Gallen fährt, sei hingegen «auf einem Auge blind», da sie asymptomatische und präsymptomatische Personen nicht erfasst.

Zu wenig ambitionierte Teststrategie des Kantons

Regierungspräsident Bruno Damann fand im Rahmen der heutigen Medienorientierung zunächst vielversprechende Worte, die in eine ähnliche Richtung deuteten. Tests und Impfungen würden ein Sicherheitsnetz bilden und das Infektionsrisiko minimieren. «Lassen Sie sich grosszügig testen», so der Appell des Vorstehers des Gesundheitsdepartements.

Nur: Diese Aussage entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Im Kanton St.Gallen ist der Zugang zu Testmöglichkeiten für testwillige Unternehmen und Personen ausserhalb der BAG-Beprobungskriterien viel zu hürdenreich. Diese müssen sich bei Kanton und Bund durch einen Dschungel von Dokumenten und Anlaufstellen kämpfen, nur um am Ende zu erfahren, dass ein präventives und repetitives Testen in der Breite von den Behörden weder gewünscht noch (mit)finanziert wird. Beim Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen stellt man sich auf den Standpunkt, dass ein breit angelegtes Testen nur bei nahezu vollständiger Mitwirkung der Bevölkerung zielführend sei. «Dies ist schwer nachvollziehbar, gilt es doch, Infektionsketten möglichst frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen», so IHK-Direktor Markus Bänziger. «Statt sich in einer solch defensiven Argumentation zu üben, wünschen wir uns von den Behörden eine ambitioniertere und partizipativere Haltung».

Betriebstestungen: Unternehmen als Teil der Lösung

Für die IHK St.Gallen-Appenzell ist denn auch klar: Die Unternehmen sind stärker als Teil der Lösung zu verstehen. Sie können als Akteur einer ambitionierten Teststrategie massgeblich zur Bewältigung der Pandemie beitragen: Sie haben ein intrinsisches Interesse an der frühzeitigen Identifikation von Infektionen, regelmässigen Zugang zu einem Grossteil der Bevölkerung und können so als «Frühwarnsystem» unterstützend agieren. Konkret fordert die IHK, dass der Kanton St.Gallen freiwillige Betriebstestungen mit PCR-Spucktests als weiteren Pfeiler in die Strategie aufnimmt – analog zum Kanton Graubünden. «Die Bereitschaft bei den Unternehmen, hier Verantwortung zu übernehmen, ist spürbar vorhanden. Voraussetzungen sind eine einfache Logistik, die Kostenübernahme durch den Kanton und eine klare Kommunikation», so Markus Bänziger.

Hoffnung ruht auf breitem Einsatz von Spuck-Schnelltests

Leider bleiben solche freiwilligen Betriebstestungen vorderhand Wunschdenken. Der Kanton möchte stattdessen die Validierung der Spuck-Schnelltests durch den Bund abwarten. Auch die IHK St.Gallen-Appenzell erkennt den grossen Nutzen dieser Tests und hofft auf eine baldige Zulassung. «Es gilt aber, bereits jetzt die logistischen und kommunikativen Vorbereitungen für den breiten Einsatz der Spuck-Schnelltests zu schaffen, um dann rasch einen niederschwelligen Zugang zu garantieren», so Markus Bänziger. «Die Unternehmen benötigen hierzu von den Behörden klare Signale, Informationen und Anlaufstellen.»

Ein erster Schritt in diese Richtung war ein runder Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitsdepartements und der St.Galler Unternehmenslandschaft, zu dem die IHK St.Gallen-Appenzell heute einlud. Vom konstruktiven Austausch erhofft sich die IHK bei der Teststrategie nun – trotz teilweise erheblicher inhaltlicher Differenzen – konkrete vorwärtsgerichtete Schritte von der Kantonsregierung.

 

IHK St.Gallen-Appenzell