Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
06.03.2021
27.04.2021 20:43 Uhr

Währungsschwankungen und höhere Zinsen belasten Börse

«Der SMI kommt mit etwas über 10'600 Punkten kaum vom Fleck», stellt Christopher Chandiramani fest. Bild: Linth24
Währungsschwankungen und steigende Renditen der Staatsanleihen sorgten diese Woche für zunehmende Nervosität trotz besserer Aussichten. Erholungen zur Wochenmitte waren nur vorübergehend.

Der Euro kostet wieder CHF 1.11, der höchste Wert seit Frühjahr 2019. Auch der USD ist mit 0.93 wieder deutlich stärker. Das bedeutet immer noch eine Frankenstärke, aber die Überbewertung wurde abgebaut. Erwartungen eines baldigen Endes der Corona-Pandemie ist eine der Erklärungen, sowie auch eine abnehmende Rolle der Schweiz als «sicherer Anlagehafen».
Dank einem Boom in der Industrie dürfte auch die Rezession in Europa mild verlaufen. In den USA herrscht ebenfalls Zuversicht. Die chinesische Wirtschaft will dieses Jahr wieder um 5 Prozent wachsen.

Uneinig waren sich die eidgenössischen Räte in Bern zu Beginn der Frühjahrssession. Das betraf die Corona-Test- und Impfstrategie des Bundes, die Lockerungen und die öffentlichen Auftritte der Task-Force Experten. Ladengeschäfte sind zwar seit Montag wieder offen, Restaurants bleiben aber zu (ausser als «Kantinen», unter strengen Auflagen für Handwerker und Chauffeure). Ebenso mussten offene Skiterrassen wieder schliessen.
Hoffnungen bestehen jedoch noch auf weitergehende Lockerungen an oder kurz vor Ostern, falls nicht die Positivtests wieder stark ansteigen.

Unternehmensmeldungen: Dividendensaison eröffnet

Der Basler Pharmamulti Novartis eröffnete die Dividendensaison. Es folgen: Swiss Prime Site, Givaudan, später auch Roche und Swisscom. Die Titlis-Bahnen zahlen keine Dividende wegen Corona, einem grösserem Ertragseinbruch und Kurzarbeit.

Die Swiss Life Gruppe weist für 2020 im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls schwächere Ergebnisse aus, aber nicht in erster Linie wegen Corona, sondern wegen Sondereffekten (Steuern) und höheren Rückstellungen in den USA. Der Gewinn der Swiss Life sank um 13 Prozent auf 1.05 Mrd. CHF, weniger als erwartet. Trotz rückläufigen Zahlen sollen die Aktionäre eine Ausschüttung von CHF 21 (+1) je erhalten.

Der Milchverarbeiter Emmi hat hingegen positiv überrascht, steigert trotz Corona Betriebsgewinn und erhöht die Dividende. Der Umsatz (seit Januar bekannt) stieg um 6.1 Prozent auf 3.7 Mrd. CHF. Organisch (inneres Wachstum) betrug das Plus 1.9 Prozent. Den EBIT steigerte Emmi um 5.5 Prozent auf 256.6 Mio. CHF mit einer Marge von knapp 7 Prozent. Auch die Aktionäre sollen vom guten Ergebnis profitieren. Sie erhalten gemäss Vorschlag des Verwaltungsrates 13 CHF je Aktie als Dividende, einen Franken mehr als im Vorjahr.

Lindt & Sprüngli erleidet 2020 pandemiebedingt einen Gewinneinbruch, infolge massiv weniger Schokoladekonsum. Unter dem Strich sackte der Gewinn um rund 37 Prozent ab auf noch 320.1 Mio. CHF. Aber die Aktionäre sollen trotzdem eine Ausschüttung von 110 CHF je PS oder 1'100 CHF je Namenaktie erhalten. Zudem hat die Gesellschaft Aktienrückkäufe angekündigt.

Die Schweizerische Nationalbank SNB erzielt 2020 einen definitiven Gewinn von knapp 21 Mrd. CHF. Die Verteilung an Bund und Kantone beträgt CHF 6 Mrd.

Aussichten: Geringes Crash-Risiko

Die «Handelszeitung» titelt diese Woche auf Vorderseite «Warten auf den Crash», später im Text «Fieber am Aktienmarkt», andere Sprichwörter sagen auch «Sell in May and go away» oder früher.
Tatsache ist, dass die Aktienbörsen seit 12 Jahren nach der Finanzkrise boomen. Eine expansive Geldpolitik hat den Trend immer wieder verstärkt, ebenso die wiederkehrenden Corona-Nothilfen in allen Industriestaaten.

Massive und anhaltende Zinserhöhungen sind im Moment jedoch undenkbar, diese würde zu Massenpleiten in einigen Ländern führen. Im Moment muss man relativieren – Korrektur ja, ist möglich – Crash eher nein.
Vermutlich bleiben wir bis zum Sommer in einer Seitwärtslage, aber konkrete Signale eines Endes der Corona-Pandemie wären eher wieder positive Impulse für die Börse, Wachstumsanzeichen, Wiederbeschäftigung am Arbeitsmarkt, Abnahme von Corona-bedingten Insolvenzen usw.
Ein schwächerer Börsenfrühling erklärt sich auch mit den Dividendenabgängen grosskapitalisierter Werte.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24