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Wirtschaft
20.03.2021
27.04.2021 20:43 Uhr

Hartnäckige Inflationsängste an der Aktienbörse

Trotz Beruhigungsversuchen der US-Notenbank blieb die Verunsicherung bezüglich langfristiger Zinsentwicklung, so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
Inflationsängste halten an, auch die Verunsicherung bezüglich langfristiger Zinsentwicklung. Abschlüsse der Unternehmen bleiben gemischt, Frankenschwäche hält an. Aktienindices erreichen zeitweilig Rekorde.

Nach der Verkündung der US-Notenbank FED, die Leitzinsen von 0.0-0.25 Prozent zu belassen, gab es an den Aktienbörsen nochmals etwas Schub. Die Aktienindices von Dow Jones, Nasdaq und S&P, DAX sowie auch SMI erreichten vorübergehend neue Bestmarken.
Die FED geht davon aus, dass der Leitzins bis Ende 2023 nicht angehoben wird und rechnet für 2021 mit einem kräftigen Aufschwung (6.2 Prozent Wachstum in den USA), auch bedingt durch die staatlichen Hilfsprogramme.

Steigende Covid-Fallzahlen und Virusmutationen verunsichern Europa. Frankreich geht wiederum in einen Teil-Lockdown. Auch unser Bundesrat zögert bei den Lockerungen. Restaurants bleiben vorläufig geschlossen. Einzig an Ostern dürfen sich wieder 10 Familienmitglieder treffen (bisher 5).

Unternehmensabschlüsse 2020 und Zahlen

Die Aktien der V-Zug rückten in der Berichtswoche über 15 Prozent vor, der Abschluss 2020 lag über den Erwartungen. Die Aktien sind börsenkotiert nach einer Abspaltung von der Metallwaren-Holding. Der Umsatz dieses Küchengeräte-Herstellers stieg trotz Corona um 4.7 Prozent auf 569.4 Mio. CHF. Der EBIT belief sich auf 49.2 Mio. (Vorjahr 29.6 Mio.). Unter dem Strich verblieb ein Konzernergebnis von 43.2 Mio. nach 27,3 Mio. 2019.

Umgekehrt litt die BVZ-Gruppe (Matterhornbahnen) massiv unter der Corona-Krise und schrieb erstmals Verluste. Die Gästezahlen der Gornergrat Bahn, der Matterhorn Gotthard Bahn und deren Tochter Glacier Express gingen stark zurück. In der Folge sank der Gesamtertrag um 29 Prozent auf 128 Mio. CHF. Es resultierte ein massiv geringerer EBITDA von 16.3 Mio. nach 49.4 Mio. im Vorjahr. Dies heisst auch ein Verlust von 7 Mio. und erstmals ein Dividendenverzicht (Vorjahr 7.5, 2019 14 CHF.).

Hingegen sorgte beim Laborausrüster Tecan die Krise einen für Umsatz- und Gewinnsprung. Der Umsatz 2020 stieg um 15 Prozent auf 731 Mio. CHF. Der Gewinn stieg um 41.7 Prozent auf 103.7 Mio. CHF und die Gewinnmarge erreichte 14.2 Prozent. Es erstaunt aber, dass die Dividende nur auf 2.30 CHF erhöht wird (Vorjahr 2.20).

Der Flaschen- und Glasverpackungshersteller Vetropack hat 2020 wegen Corona ebenfalls weniger verkauft (Gastronomie). Nach einem schwierigen ersten Halbjahr konnte das Unternehmen jedoch von Juli-Dezember wieder zulegen. Insgesamt fiel der EBIT von 76.1 Mio. CHF (Vorjahr 89,4 Mio.). Immobilienverkäufe eingerechnet, erreichte der Reingewinn 81.2 Mio., was einer Steigerung um 12 Prozent entspricht. Die Aktionäre erhalten eine gleich hohe Dividende wie 2020 von 1.30 Franken pro Aktie.

Die Greensill-Affäre führte bei der Credit Suisse zu personellen Konsequenzen, Änderungen im Asset Management.

Der Kursrückgang bei Roche kommt hauptsächlich infolge Dividendenabgang.

Aussichten: Anlageumfeld bleibt anspruchsvoll

Das Anlageumfeld bleibt anspruchsvoll. Verschiedene Industriezweige, v.a. Gastronomie und Tourismus warten weiterhin auf Lockerungen. Wiederum steigende Fallzahlen hindern jedoch Regierungen und Gesundheitsbehörden, unsere Wirtschaft wieder schnell zu öffnen.

Die grösste Herausforderung für die kommenden Monate bleibt die Bewältigung der grössten Rezession seit der Erdölkrise von 1973. Die Weltwirtschaft war jedoch bereits vorher geschwächt durch den Handelsstreit zwischen den Grossmächten und eine Krise in der Autoindustrie (v.a. Deutschland). Im Moment drohen immer noch Massenarbeitslosigkeit, Firmenschliessungen und Tausende von zerstörten Existenzen.

Die Ökonomen bleiben jedoch optimistisch: Rückkehr zur Normalität bis Ende Jahr, erfolgreiche Impfstrategie und mindestens 3 Prozent Wirtschaftswachstum im europäischen Raum, weiterhin tiefe Zinsen und zunehmende Wirkung der staatlichen Nothilfe. Voraussetzung ist aber auch eine Fortsetzung des schwächeren Schweizerfrankens, neuer Impuls für die Exportindustrie.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24