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Kultur
21.03.2021

Beziehungsweise – Beziehungen sind mehr als ein Status

Die Teilnehmenden des ersten Labor Clubs. Bild: Share@Lab
Share@Lab ist ein Verein in Wil, der sich für Geschlechtergerechtigkeit und Rollenflexibilität einsetzt. Am 11. März 2021 fand der Anlass „Beziehungsweise – Beziehungen sind mehr als ein Status“ statt. Wegen der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus wurde auch diese Veranstaltung online durchgeführt.

Diesmal war nicht wie sonst eine referierende Person geladen. Vielmehr sollte den Teilnehmenden die Möglichkeit zum intensiven Austausch geboten werden. Die Initiantinnen Simone Hengartner Thurnheer, Monika Egli und Antoinette Böhi nennen das neue Format Labor Club.

Die angemeldeten Frauen und Männer bekamen bereits vor dem Anlass zwei Comics von Liv Strömquist aus dem Buch „Der Ursprung der Liebe“ zugestellt. Nach einer kurzen Begrüssung und Einführung diskutierten die Teilnehmenden in kleineren Gruppen über die Themen „Besitz und Eifersucht“ und in einer zweiten Runde über „Beziehungsformen“. Die Möglichkeit zum Austausch war lebendig und inspirierend und die Zeit verging im Nu. Nach den Gesprächsrunden wurden die Inhalte für die anderen kurz zusammengefasst und danach mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Beziehungen ergänzt.

Was ist Liebe

Beziehungen basieren heute viel weniger auf ökonomischen Gründen, als auf einem Gefühl, das wir Liebe nennen. Der Satz „Ich liebe dich nicht mehr.“ wirkt wie eine Art Zauberspruch mit weitreichenden Konsequenzen, obwohl man ansonsten vielleicht noch ein eingespieltes Team wäre. Vorherrschende gesellschaftliche Normen, dass man Liebesgefühlen folgen soll und nicht rationalen Gründen, veranlassen uns dazu, weitreichende Entscheidungen auf diesem unberechenbaren Gefühl heraus zu fällen. Psychologisch betrachtet ist bekannt, dass man eine Herzensentscheidung bei einem späteren Scheitern weniger bereut, als eine rational getroffene Entscheidung.

Eckhart Tolle sagt: «Wenn es zu deiner Liebe das Gegenteil Hass gibt, dann ist es keine Liebe, sondern ein starkes Egobedürfnis nach einem tieferen und vollkommeneren Selbstgefühl. Ein Bedürfnis, das durch die andere Person zeitweilig erfüllt wird.» Das kann zu Kontrolle, Manipulation, Eifersucht und anderen emotionalen Ausbrüchen führen oder noch häufiger zu Liebesentzug als Bestrafung. Besonders Frauen bindet dies oftmals noch enger an den Menschen mit dieser narzisstischen Tendenz .

In unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft nimmt zudem das Individuum einen viel höheren Stellenwert ein als früher. Persönlichkeitsentwicklung sollte jedoch nicht verwechselt werden mit der Expansion des Egos. Individualismus soll nicht bedeuten, dass man keine Verantwortung dafür übernimmt, welche Gefühle das eigene Verhalten beim Gegenüber auslöst. Frauen sind auch in unserer Gesellschaft noch immer in hohem Masse finanziell abhängig von Männern, insbesondere wenn Kinder zu betreuen sind. Das verstärkt die Tendenz, dass Frauen sich länger auf traditionelle Beziehungsformen einlassen als es ihren persönlichen Bedürfnissen entspricht, obwohl sie sich oftmals freiere Beziehungsformen wünschen.

Labor Club soll beibehalten werden

Zum Abschluss des gelungenen Abends wurde nochmals kurz im Plenum diskutiert, bevor die jüngste und danach die älteste Teilnehmerin je ein sehr passendes Schlusswort hielten.

Die positiven Rückmeldungen nach dem Anlass haben die Veranstalterinnen darin bestärkt, den Labor Club beizubehalten und bald wieder anzubieten.

Voraussichtlich soll im Juni 2021 die nächste Veranstaltung stattfinden. Es soll ein Männerpodium über die Facetten des Mannes und des Mannseins werden. Informationen über den Inhalt und die Durchführung sind zu gegebener Zeit auf shareatlab.com zu finden.

Ein Comics von Liv Strömquist über den diskutiert wurde. Bild: Share@Lab
Monika Egli