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Wirtschaft
24.04.2021
28.04.2021 10:33 Uhr

Aktienbörsen: Schaukelmärkte

Christopher Chandiramani: «Der milliardenschwere Zusammenbruch der Hedgefonds Greensill und Archegos lastet massiv auf der Credit Suisse.» Bild: Linth24
Der Beginn der neuen Woche startete harzig, nach einigen Verlusten erreichten die Aktienmärkte wieder Rekordwerte. Zu Wochenschluss führten aber Unsicherheiten wieder zu Kurseinbussen.

In der Schweiz waren die Hauptursachen zumeist Dividendenabgänge namhafter grosskapitalisierter Unternehmungen wie Nestlé, Swiss Re, Geberit und Sulzer. In dieser Zeitperiode haben die Ausschüttungen auch Einfluss auf den SMI-Aktienindex, dessen 11'200 Punktemarke aber stets knapp gehalten werden konnte.

In den USA bereiteten die Steuerpläne von Präsident Joe Biden keine Freude. Er fordert Mindestsätze für Unternehmungen und über neue Steuern will er reiche Leute zur Kasse bitten, zur Finanzierung des Ausbildungssystems.

In Asien und teilweise auch Europa haben die Gesundheitsbehörden wieder Angst vor Corona-Virusmutationen. Nach der britischen, südafrikanischen und brasilianischen Variante soll nun eine indische Variante schlimmer sein und neue Lockdowns rechtfertigen. Erdöl und Gold korrigierten zeitweise, der Bitcoin fiel scharf auf rund 48'000 USD (Vorwoche über 60'000).

Zwischenergebnisse: Nestlé und Sika Top, CS Flop

Der milliardenschwere Zusammenbruch der Hedgefonds Greensill und Archegos lastet massiv auf der Credit Suisse.
Die zweitgrösste Schweizer Bank rutschte im ersten Quartal 2021 trotz sonst guten Geschäften in die roten Zahlen und muss neues Kapital beschaffen. Eine Kapitalerhöhung soll über eine Milliarde einbringen. Dividende und Boni werden gekürzt. Die Finanzmarktaufsicht FINMA hat eine Untersuchung eingeleitet. Der Reinverlust betrug 252 Mio. CHF, weitere 600 Mio. könnten noch hinzukommen.
In der gleichen Periode des Vorjahres hatte die CS noch einen Gewinn von 1.3 Mrd. CHF erwirtschaftet.

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé erreichte mit 7.7 Prozent das höchste Quartalwachstum seit fast 10 Jahren. Damit sind die mittelfristigen Wachstumsziele in Griffnähe. Die verkauften Mengen stiegen von Januar bis März um 6.4 Prozent. Insgesamt setzte der Hersteller von Cailler-Schokolade, Nespresso-Kaffee und Purina-Tierfutter in der Periode von Januar bis März 21.1 Mrd. CHF um. Der Aktienkurs von Nestlé stieg um zeitweise über 3 Prozent am Tag der Bekanntgabe.

Der Bauchemiekonzern Sika verzeichnete ebenfalls einen starken Jahresauftakt mit mehr Umsatz und Gewinn. In Zahlen stieg der Umsatz von Januar bis März 2021 um 10.2 Prozent auf fast 2 Mrd. CHF. Das lag über den allgemeinen Erwartungen. Sika ist in allen Regionen gewachsen, eroberte Marktanteile. Gewinnzahlen gibt es erst zum Halbjahr.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben beim Zughersteller Stadler Rail 60 Interregio-Doppelstockzüge (IR-Dosto) bestellt. Der Betrag beläuft sich auf rund 1.3 Mrd. CHF. Die ersten Fahrzeuge sollen ab dem Fahrplan 2024 eingesetzt werden können.

Wie bereits bekannt, ist der Spezialchemiekonzern Ems-Chemie im ersten Quartal 2021 deutlich gewachsen. Von Januar bis März 2021 kletterte der Umsatz um 14.1 Prozent auf 566 Mio. CHF. Analysten der UBS haben die Titel auf die Empfehlungsliste gesetzt, Kursgewinn der Woche: rund 4 Prozent.

Auch die Glarner Kantonalbank (GLKB) hat im ersten Quartal 2021 den Betriebsertrag und Gewinn gesteigert. Der Betriebsertrag verbesserte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 19 Prozent auf 20.9 Mio. CHF. Einen Ausblick auf das Gesamtjahr 2021 gibt diese Kantonalbank erst später.

Neuemissionen in der Pipeline

Der Luftfahrtzulieferer Montana Aerospace plant einen Börsengang und eine Kotierung an der Schweizer Börse SIX (Volume 400 Mio. Euro).
Der schwedische Pharmazulieferer PolyPeptide kommt noch diesen April an die Schweizer Börse. Es ist der erste klassische Börsengang an der SIX seit zwei Jahren.

Aussichten

Am Freitag war Bundesrat Parmelin nach Brüssel gereist, um die Präsidentin der EU-Kommission Von der Leyen zu treffen. Es ging darum, das umstrittene Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU zu retten.
Dieser Vertrag hat zurzeit schlechte Karten bezüglich einer Ratifizierung. Offene Punkte sind das Unionsbürgerrecht, die EU-Gerichtsbarkeit über die Schweiz, das Verbot von Staatshilfen (Staatsgarantie bei den Kantonalbanken) sowie Lohn- und Arbeitnehmerschutz. In diesen Punkten gab es bis jetzt keine Lösungen.

Die Schweizer Wirtschaft würde gerne eine Fortsetzung des bilateralen Wegs in neuer Form sehen. Die Auswirkungen einer Ablehnung auf die Aktienmärkte sind jedoch nicht abschliessend beurteilbar. Vor dreissig Jahren war aber das vergleichbare EWR-Nein auch keine Katastrophe.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24