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Stadt Wil SG
24.04.2021
26.04.2021 09:15 Uhr

"Ist der Profi-Spitzensport nicht schon kaputt genug?"

Bild: wil24.ch
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Mäni Rüegg

Olympische Winterspiele in Peking, Fussball-WM in gekühlten Glasblasen in Qatar («Nomen est omen» und ich bekomme den Pfnüsel), Weltmeisterschaften, Autorennen, Olympische Spiele in Diktaturen. Und nun wollten die europäischen Fussball-Grossclubs eine eigene Superliga und sprechen von Geldern in Milliardenbeträgen. Als ob der Spitzenspor(t)t nicht schon kaputt genug wäre. Mag sein, dass dies im Bereich des Fussballs, der sich ökonomische ohnehin schon weit über der Schmerzgrenze bewegt, über kurze Zeit funktioniert hätte. Da bleiben alle anderen Sportarten, mit der Ausnahme von einigen wenigen elitären, auf der Strecke. Wer die Superliga am TV verfolgen will, kann dies nur noch über Kanäle, welche man bezahlen muss. Die Rechte für Übertragungen von fast allen Sportanlässen sind verkauft an private Unternehmen, resp. an die Fifa, Uefa oder das Olympische Komitee, welche diese zu horrenden Summen an die TV-Stationen weiter anbieten. Wer da nicht mit hohen Millionenbudgets mitbieten kann, bleibt auf der Strecke. Es wird nicht mehr lange dauern, erhalten wir von einer zentralen Sportübertragungs-Verkaufsstelle eine Einkaufsliste, ähnlich einem Modekatalog, worauf wir ankreuzen können, welche Übertragungen wir nutzen möchten und zu welchem Preis wir das noch können, resp. dürfen. Die Rechnungen der Inkassobüros werden gesalzen ausfallen und passen irgendwann nicht mehr ins Budget des Sport-Normalverbrauchers. Die auf dem Markt der ganz grossen Player kleinen Schweizer Sender müssen sich dann begnügen mit den Übertragungen des Morgartenschiessens, aller Regionalfeste der Schwinger, die Schweizermeisterschaften der Hornusser und in weiterer Zukunft noch das Sackgumpen der Oberstufe Hinterwäldli, des Klassen-OL’s der Mittelstufe Älplisboden sowie die Gummistiefel-Weitwurf-Schweizermeisterschaft in Oberwil-Lieli.

Es tut so richtig weh, wenn man mitverfolgen muss, dass sich die geldgierigen Vereine, Verbände - und vor allen die dahinter versteckten Funktionäre und Investoren - Spitzensportler, also Menschen denke ich, nutzen um mit ihnen Handel zu betreiben und Milliarden zu verdienen. Wie erklär ich da den kleinen Girls und Jungs, dass Sport gut, gesund und eine Lebensschule sei und sie motiviere einen sportlichen Weg einzuschlagen? Da ist es zu befürchten, dass die Scouts und Talentspäher schon auf den Schulhausplätzen und in den Hallen der Dorfvereine auftauchen, um Talente zu entdecken, einzukaufen und quasi zu fördern, um sie dann im Molloch der geldgierigen Sportmaschinerie zu «verrösten».

Warum sich nicht im Volleyballclub oder Turnverein vor Ort, im Fussballclub auf dem Land, im 3. Liga-Hockeyverein in der Region oder auf dem Sand-Tennisplatz in der Gemeinde sich bewegen? Immerhin hat man dann die Chance, dass man in einer Liveübertragung von SRF mit dabei ist, denn alles was höher ist, kann man nur noch über das bezahlte TV konsumieren. Fussball-, Eishockey- und Tennis-Übertragungen auf der Profibasis werden doppelt so lange dauern, weil man ja x-mal unterbrechen muss, um Werbung zu platzieren.
Der verkaufte Spitzensport ist auf dem besten Weg noch kaputter gemacht zu werden als er ohnehin schon ist. Ich weiss, der Zug ist schon lange abgefahren und es nützt nichts mehr, wenn ich mit der handbetriebenen Draisine hinterher keuche. Immerhin bewege ich mich dabei und werde damit sogar mal in einer SRF-Sportsendung auftauchen. 

Mäni Rüegg, Kolumnist wil24.ch