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Leserbrief
Stadt Wil SG
30.04.2021
02.05.2021 07:31 Uhr

"Bergholz: Vorzeige-Arena oder Ärgernis?"

Beat Steiger nimmt in einem Offenen Brief an Stadträtin Ursula Egli Stellung zur Sanierung des Kunstrasens im Sportpark Bergholz.

Sehr geehrte Frau Stadträtin
Die Lokalmedien berichten davon, dass der Bergholz-Kunstrasen ab 25.5. 2021 ersetzt wird für einen «Nettobetrag von 270'208.55 Franken» statt der budgetierten 600 000 Fr. Meine Nachfrage bei der ausführenden Firma Walo Bertschinger AG hat ergeben, dass gar nicht der ganze Rasen ersetzt wird, sondern es nur eine Teilsanierung gebe und das bisherige Granulat wiederverwendet werde.
Fragen: Wie kommt es zu dieser ungenauen Information? Wer hat die Medien unpräzise informiert und damit die Bevölkerung hinters Licht geführt? Wenn nur teilsaniert wird, wann ist die nächste (Teil)-sanierung nötig? Darf ich Sie bitten, die Bevölkerung baldmöglichst mitzuteilen, was unter dem Projekt «Teilsanierung des Kunstrasens» ab 25. Mai getan wird.
Die Kunstrasen sind ja seit Jahren in Diskussion. Sind sie gesundheitsschädigend? Ein Faktenblatt des Bundesamts für Gesundheit vom Mai 2017 hält fest, dass gemäss Studien aus Europa und den USA zwischen 2004 und 2015 weder für Spieler noch für das Publikum ein «spezielles Risiko für die Gesundheit» bestehe. Nach Aussagen der Walo Bertschinger AG würden heute zudem weniger problematische Granulate verwendet. Nun hält die Stadt Zürich gemäss Medienmitteilung vom 20. Oktober 2020 aufgrund einer ZHAW-Studie aber Folgendes fest: "Die verfüllten Kunstrasen schneiden sowohl in der Gesamtökobilanz als auch in der Umweltbelastung pro Nutzungsstunde schlecht ab. Verfüllte Kunstrasen sind in der Stadt Zürich ein «Auslaufmodell». Zudem hat die Stadt Zürich Studien in Auftrag gegeben, um die Bedeutung der Kunstrasenfelder hinsichtlich Mikroplastik und die Wirkung der verschiedenen Rasentypen aufs Stadtklima abzuklären.
Kann es den Wiler*innen egal sein, was die Zürcher machen und können wir mehr oder weniger beduselt den Kampfruf des Fanclub des FC Wils mitschreien: «Alles ausser Wil ist Scheisse!» ? 2010 hat Bundesrätin Calmy Rey im Stadtsaal Wil im Rahmen von WIFONA ihr Referat zur nachhaltigen Friedens- und Entwicklungspolitik betitelt: «Wil geht es gut, wenn es der Welt gut geht und der Welt geht es gut, wenn es Wil gut geht.» Damit hat sie auf die globale Vernetzung hingewiesen, die wir heute hautnah erleben, in der Pandemie, in der Klimakrise und in der zunehmend ungerechten Verteilung des Reichtums auf dieser Erde. Wir sind aber nicht nur mit andern Menschen hier und heute verbunden, sondern auch mit unseren nachkommenden Generationen.
Frau Stadträtin Egli, sind Sie bereit für eine enkeltaugliche Politik? Werden Sie bei der nächsten Sanierung des Fussballrasens eine Naturrasenvariante prüfen, die allerdings teurer wird wegen der Sondermüllentsorgung des Kunstrasens und wegen des Anlegens eines Naturrasens. Oder sollen unsere Enkel auf der prächtigen Bergholzanlage sich weiterhin über den Kunstrasen in der Arena ärgern müssen. Seien Sie nicht kurzsichtig! Schauen Sie über Ihren Tellerrand hinaus!

Mit freundlichen Grüssen
Beat Steiger, Lindenstrasse 8, Wil

Beat Steiger, Lindenstrasse 8, 9500 Wil