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Kanton SG
09.05.2021
09.05.2021 19:37 Uhr

Lokale Produzenten gegen Agrarinitiativen

Produzenten aus der Region wehren sich gegen die Agrarinitiativen, die am 13. Juni zur Abstimmung gelangen. Bild: uzwil24.ch
Der Widerstand gegen die beiden Agrarinitiativen verstärkt sich. Landwirte aus der Region waren am 8. Mai mit Infoständen in Lenggenwil, Niederhelfenschwil und Zuckenriet präsent. "Die Ziele der Initiativen wie sauberes Wasser und gesunde Ernährung teilen wir auch, aber die beiden Initativen schiessen übers Ziel hinaus. Sie gefährden die Produktion von Lebensmitteln und entziehen den Produzenten die Existenzbasis", sind zwei der Argumente.

Die IG Landwirtschaft, die Bäuerinnenvereinigung NLZ und der Verein Braunviehzucht Niederhelfenschwil hatten am 8. Mai zur Diskussion der beiden Agrarinitiativen eingeladen. An den drei gleichzeitig stattfindenden Infoständen boten die Organisatoren eine Plattform zur Information. Bäuerinnen und Landwirte aus den drei Dörfern gaben Auskunft über mögliche Folgen der beiden Agrarinitiativen.

Es wurde argumentiert, dass die Landwirtschaft vieles unternehme, um die Umweltbelastung zu senken und ihre Pflanzungen zu schützen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei in der konventionellen Produktion in den letzten zehn Jahren um rund 40 Prozent gesunken, und der Gebrauch von Herbiziden gar um 45 Prozent.

Stand am Samstag, 8. Mai 2021, im Zentrum von Zuckenriet. Bild: uzwil24.ch

Auch IG Zukunft Pflanzenschutz gegen die Initativen

(sda) Teurere regionale Produkte, mehr importierte Lebensmittel und kein Nutzen für die Umwelt: Mit diesen Argumenten bekämpft die IG Zukunft Pflanzenschutz die Trinkwasser- und die Pestizidverbotsinitiative. 

In der Interessengemeinschaft (IG) haben sich der Verband Schweizer Gemüseproduzenten, der Schweizer Obstverband, Jardin Suisse und Swiss Convenience Food Association (SCFA) zusammengeschlossen. Unterstützt wird ihre Nein- Kampagne von Economiesuisse, dem Konsumentenforum (kf), der Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor und dem Weinbau-Verband Vitiswiss.

Die IG legte am Donnerstag vor den Medien ihre Argumente dar. Mit den von den Initiativen geforderten Einschränkungen und Verboten für Pestizide könnten Pflanzenkulturen nicht mehr vor Schädlingen und Krankheiten geschützt werden. Das Angebot an einheimischen Produkten würde knapper, und die Preise würden steigen.

Mehr Einkaufstourismus befürchtet

Die Folge wäre, dass mehr im Ausland eingekauft würde. Wegen der schlechteren Qualität von regionalen Produkten würden mehr Gemüse und Früchte weggeworfen. Produzenten, Lebensmittelverarbeiter, Gewerbe und Gastronomie und auch die Konsumentinnen und Konsumenten hätten das Nachsehen.

Mit einem Ja sieht die IG Existenzen vieler Produzenten und Tausende von Arbeitsplätzen bedroht und die Forschung würde eingeschränkt. Ein Pestizidverbot würde laut IG auch zu Problemen bei der Hygiene in Ställen und Produktionsanlagen führen. Denn auch die für die Reinigung verwendete Biozide würden untersagt.

Ein Ja zur Trinkwasser- und zur Pestizidverbotsinitiative würde regionale Produkte verknappen und verteuern, argumentiert die IG Zukunft Pflanzenschutz. Sie tritt gegen die Initiativen an. Bild: Keystone / Christian Beutler

Zwei Initiativen, zwei Wege

Die Trinkwasserinitiative des Vereins "Sauberes Wasser für alle" fordert eine Versorgung der Menschen im Land mit gesunden Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser. Subventionen sollen nur noch Bauern erhalten, die auf Pestizide, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten.

Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten. Für die Umsetzung der Verfassungsbestimmung würden acht Jahre Zeit eingeräumt.

Hinter der Initiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" steht ein Komitee von Bürgerinnen und Bürgern. Sie fordern ein Verbot synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege.

Verboten werden soll auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pestiziden hergestellt wurden oder die solche enthalten. Die Durchführungsvorschriften müssten innerhalb von zehn Jahren in Kraft treten. (sda)

wil24.ch / jg