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Kanton SG
18.05.2021

Bauern, Beizer und Büetzer für Schwiizer Menü

Beizer (Linus Thalmann, Kirchberg), Bauer (Hanspeter Brändle, Libingen) und Büetzer beim Mittagessen im Hotel & Restaurant Toggenburgerhof, Kirchberg. Bild: Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost VMMO
Auf Einladung von Gastro St. Gallen und den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost, trafen sich ein Bauer, ein Beizer und ein Büezer zum Gespräch über die beiden Agrarinitiativen vom 13. Juni 2021.

Letzten Dienstag, 11. Mai 2021, rege Diskussionen am Mittagstisch des Restaurants Toggenburgerhof in Kirchberg SG; Gastgeber Linus Thalmann und Landwirt Hanspeter Brändle unterhalten sich über die beiden Agrarinitiativen vom 13. Juni 2021. Zu den beiden gesellt sich an diesem Mittag ein Büezer, der sich mit den beiden Volksbegehren noch nicht auseinandergesetzt hat.

Bei der Gestaltung seiner Menükarte legt der Gastronom Thalmann Wert auf Qualität, Saisonaliät und Regionalität. Ihm ist es wichtig, dass Fleisch und Käse für die beliebten Cordon Bleus aus der Region stammen und nachhaltig produziert werden. Bei einer Annahme der beiden Initiativen müsste der Wirt entweder die Preise seiner Mittagmenüs deutlich erhöhen oder künftig Lebensmittel aus dem Ausland verarbeiten. Auf Importware zurückzugreifen ist für Thalmann ein unangenehmer Gedanke, einerseits kann er schlichtweg weniger gut prüfen unter welchen Tierschutzbestimmungen das ausländische Fleisch produziert wird und andererseits würde die regionale Wertschöpfung geschwächt. Verlässliche Zahlen gehen davon aus, dass bei einer Annahme Zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, Thalmann befürchtet, dass gerade eher strukturschwachen Regionen, wie das Toggenburg besonders betroffen wären.

Für den Milchproduzenten Hanspeter Brändle, dessen Familienbetrieb in der Bergzone 2 liegt, stellen sich rund um die Initiativen weitere Fragen. Was geschieht etwa, wenn er wie es die Trinkwasserinitiative fordert, bei seinem Nachbarn kein Heu mehr zukaufen darf? Er erklärt den Anwesenden, dass eine intakte Umwelt und gesunde Böden die Grundlage für sein Schaffen sind und es ihm nie in den Sinn käme, die Basis seines Auskommens zu vergiften. Man spürt, dass Bauer Brändle Teil der Lösung sein möchte; er verweist auf die Fortschritte, die die Landwirtschaft in den letzten Jahren in den Bereichen Nachhaltigkeit, Gewässerschutz, Antibiotikaeinsatz und Biodiversität gemacht hat und betont, dass es im Interesse seines Berufstandes ist, auch in Zukunft weitere Fortschritte zu erzielen. Der Meisterlandwirt zitiert eine Studie der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope die zu Schluss kommt, dass die Annahme der Trinkwasserinitiative negative Folgen für die Biodiversität und unseren Selbstversorgungsgrad hätte.

Der Büezer ist hellhörig geworden, dass sein Mittagsmenü und der Wocheneinkauf für seine Familie durch die Agrarinitiativen deutlich teurer würden, war ihm gar nicht bewusst. Für ihn und seinen Arbeitgeber ist es existenziell, dass der lokale Wirtschaftskreislauf funktioniert; viele Aufträge kommen aus der Landwirtschaft oder von nachgelagerten Betrieben. Was passiert mit seiner Arbeitsstelle, wenn dieses bewährte Systemkünftig nicht mehr funktioniert? Nun muss er aber auch schon wieder los, der nächste Auftrag wartet; er verabschiedet sich beim Bauern und beim Beizer mit dem Versprechen, dass er sich noch detailliert über die Auswirkungen der beiden Agrarinitiativen befassen werde.

Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost