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Stadt Wil SG
10.06.2021
12.06.2021 09:19 Uhr

"Toi Toi" und Spanische Wände

Bild: wil24.ch
Worüber wird in Wil diskutiert? Welche lokalen, nationalen und internationalen Themen werfen hier hohe Wellen? Nehmen Sie doch auch Platz am virtuellen wil24-Stammtisch mit Mäni Rüegg.

Mäni Rüegg

Die Wiler Stadträte haben hoffentlich noch viel Wichtigeres zu bearbeiten, als das leidige Buskonzept am Niesel- und Hofberg anzupassen. Noch scheint es nach wie vor einem Schildbürgerstreich nahe zu kommen, wenn man das umgesetzte Konzept von möglichen Schreibtischtätern hautnah erlebt. Und es bleibt ein Stammtischgespräch, jetzt wo man sich ja wieder an diesen unterhalten kann.

Bild: Mäni Rüegg

Ich sitze im Bus vom Bahnhof zum Nieselberg, wo ja seit kurzem eine neue Linienführung für mehr Kundenfreundlichkeit und Fahrplansicherheit sorgen soll. Bereits bei der neuen Haltestation Rosenberg kommen sich die sich kreuzenden Busse in die Quere, weil die Strasse zum schmal ist. Immerhin haben die Buschauffierenden (um es gendergerecht zu formulieren) so kommuniziert, dass der zum Bahnhof fahrende Bus Vortritt hat, damit allenfalls doch noch ein Bahnanschluss gewährleitet werden kann. Bei meiner Ausstiegstation Neulanden, oh Schreck, fährt der Bus nicht etwa weiter, sondern muss zehn Minuten fast im Niemandsland warten, um scheinbar die Takte einhalten zu können.

Die Buschauffeurin nimmt sich die 20 Minuten zur Hand, um in den zehn Minuten also die Zeitung zu lesen. Na ja, mehr interessantes Kurzfutter als für zehn Minuten findet sie wohl kaum darin. Ein älterer Turnkollege und seine Frau steigen ebenfalls aus, obwohl sie eigentlich zwei Stationen weiter vor ihrem Haus aussteigen könnten. «Ich warte doch nicht zehn Minuten bis ich weiterfahren kann, wenn ich in drei Minuten zu Hause bin», so der zum Glück noch fitte 85-Jährige.

Das Problem ist, sollten Buschauffierende auf die Toilette ist das mitten im Quartier kaum möglich. Auf dem Bahnhof, wo es Toiletten gäbe, fehlt die Zeit. Hier herrscht Stress, denn von hier müssen die Busse sofort wieder weg, um den Takt einzuhalten, oder eben am Nieselberg zu warten. Nicht mal hinter die Hecken können die von der vollen Blase geplagten, denn an der Bubenloostrasse wurden die gesunden intakten Hecken von der Stadt entfernt. Weiss der Gugger warum. Die Anwohner sind nun auf ihren Sitzplätzen ausgestellt wie die Affen im Zoo. Immerhin können sie die wartenden Busse beobachten, welche wartend den Takt einhalten müssen. Ich plädiere für einen Vorstoss eines Parlamentariers, dass man Toi-Toi’s anstelle der Bushäuschen platziert und dazu ein Take-Away-Wurststand für die Buschauffierende. A propos Takt. 20 Minuten würden reichen, dann wären die Busse wohl eher ausgelastet und Bahnanschlüsse könnten eher eingehalten werden und zudem hätten die Buschauffierenden auf dem Bahnhof allenfalls Zeit, den Blasendruck zu besänftigen.

Bild: Mäni Rüegg

Ex-EU-Chef Jean Claude Juncker sagte einmal zum Thema Warten: „Wir beschliessen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein grosses Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ Wil grüsst die EU und umgekehrt. Allerdings, wenn am Nieselberg nicht zeitnah plausible Lösungen oder dann eben Toi Tois und eine Snackbar geplant werden wird das Geschrei wieder grösser. Nicht nur von den Buschauffierenden, sondern auch den Anwohnern.

Mäni Rüegg, Kolumnist wil24.ch