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Kultur
20.06.2021
30.06.2021 12:47 Uhr

"Maria Dreibrunnen" (Wiler Orte 6)

Im Rahmen der Wil24-Sommerserie 2021 stellen wir besondere Orte in Wil vor; heute ein sechster Beitrag mit Hintergründen zur Kirche in Dreibrunnen.

Verschiedene Legenden ranken sich um die Ursprünge der Kirche in Maria Dreibrunnen. Urkundlich erwähnt wurde das Gotteshaus erstmals um 1275. Anlass für seine Gründung dürfte eventuell ein Auftragsmord gewesen sein, der gesühnt werden sollte: Diethelm II. aus dem Hause Toggenburg liess am 12. Dezember 1226 seinen Bruder Friedrich I. beseitigen.

Unter Bundeschutz

Im Lauf seiner Existenz wurde das Gotteshaus mehrfach umgebaut. Im Jahr 1938 hat die Kirchgemeinde Wil die Anlage käuflich erworben. Zuvor waren die Besitzverhältnisse wechselnd. Seit einer Aussen- und Innenrenovation von 1964 steht das Gebäude unter Bundesschutz.   

Seit kurzem erstrahlt das restaurierte Deckenfresko in der Kirche Maria Dreibrunnen in neuer Pracht. Geschaffen hat es der Wiler Maler Jakob Joseph Müller, der damit ein Gelübde für eine heil überstandene Schifffahrt über das sturmgepeitschte Meer einlöste.

Der Name Dreibrunnen geht auf drei Quellen zurück, die in jener Region entspringen. Ursprünglich war das Gebiet sehr wald- und wasserreich. Zwischen 1937 und 1940 wurde es drainiert.

Babys aus dem Weiher

Um Wasser im Allgemeinen ranken sich verschieden Sagen. Dr. Kurt Derungs bringt sie in seinem Buch «Mythologische Landschaft Schweiz» ausdrücklich auch mit Dreibrunnen in Verbindung. Der Ethnologe berichtet von im Mittelland verbreiteten Mythen über die Herkunft der Babys. Angeblich lebten sie vor ihrer Geburt in Schluchten, in Sodbrunnen und in anderen Gewässern.

Im Wasser hausten gemäss heidnischem Volksglauben launische Geister, die sich bisweilen in Frauengestalt als Nymphen zeigten und die Ungeborenen bewachten. Ein sehr bekanntes Nymphen-Beispiel ist die Loreley. 

Germanische Muttergöttin

Im Weiteren sind bei den Feensagen auch kultische Einflüsse der germanischen Göttin Holda, Holla oder Holle zu erkennen, die auch im Märchen von Frau Holle ihren Niederschlag gefunden hat. Ihr Name variiert je nach Region.

Im Laufe der Zeit wandelten sich die Mythen der weiblichen Wesen als Hüterinnen der ungeborenen Kinder zur Gottesmutter Maria als spirituelle Beschützerinnen der Frauen mit Schwierigkeiten während der Schwangerschaft und der Geburt. An der äusseren Stirnseite des Kirchenbaus von  Maria Dreibrunnen prangt das Bild einer gekrönten Madonna mit Jesuskind, datiert von 1742.

Adrian Zeller, Journalist