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Kultur
22.06.2021
22.06.2021 10:08 Uhr

"Goldener Boden" (Wiler Orte 7)

Bild: aze.
Im Rahmen der Wil24-Sommerserie 2021 stellen wir besondere Orte in Wil vor; heute ein siebter Beitrag mit Hintergründen zum "Goldenen Boden".

Der Hofplatz ist so etwas das Herzstück Wils, auf ihm hat sich Fröhliches, Feierliches und Dramatisches zugetragen.

Das Verhalten des Fürstabtes Leodegar Bürgisser hatte 1712 Widerstand ausgelöst. In der Folge sollte das Territorium der Fürstabtei besetzt werden. Zürcher und Berner Truppen eroberten Wil und marschierten mit ihren Kanonen auf dem Hofplatz auf. Sechs Jahre lang stand die Äbtestadt danach unter Fremdherrschaft.

Als später die alte Ordnung ins Wanken kam und die Tage des St. Galler Klosterstaates gezählt waren, kämpften französischen und die österreichischen Truppen um 1800 auch in der Region Wil gegeneinander. Verwundete Soldaten wurden auf dem Hofplatz versorgt und Kriegsgefangene mussten sich dort in Reih und Glied aufstellen.

Vielfältiges Stadtleben

Wenn im alten Wil jeweils anfangs Jahr die Stadtregierung gewählt wurde, schritt eine Delegation aus der fürstäbtischen Obrigkeit aus dem Hof über den Goldenen Boden ins damalige Wiler Rathaus, das zwischen Baronenhaus und Hartz stand.

Heute ist der Goldene Boden vor allem Schauplatz für Geselligkeit: Er ist Bühne für das Classic Open Air, für das Guggemonsterkonzert und am Gümplimittwoch strömen die Wiler Tüüfel aus dem Hoftor; auf dem Hofplatz feuert das Publikum die Läufer des Militärwettmarsches an; auf ihm versammeln sich Kinder und Eltern zum Laternenumzug am Silvester; im Hochsommer trifft man sich dort an der Hofchilbi. Und auf ihm wurde Karin Keller-Sutter zuerst als Ständeratspräsidentin und später als Bundesrätin feierlich empfangen.

Marktplatz mit Tradition

Der Hofplatz war schon früh ein wichtiger Handelsort, seit 1301 besass Wil die entsprechende obrigkeitliche Bewilligung. Abt Ulrich Rösch, eine Schlüsselfigur in der Wiler Stadtentwicklung, verschaffte 1472 ein zusätzliches Marktrecht. Rund um die Handelsfläche in der Oberstadt siedelten sich verschiedene Handwerksbetriebe sowie Gaststätten an. Die damit verbundenen Steuereinnahmen trugen zur Prosperität von Wil bei.

In früheren Jahrhunderten gab es im Jahreslauf  eine ganze Reihe von regelmässigen Markttagen; die heutige Mai- und Othmarsmärkte  erinnern an diese ehemalige Tradition. 

Adrian Zeller, Journalist