Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Bildung
29.06.2021
30.06.2021 13:23 Uhr

Wiler Kantischülerin Valentina Kopp gewinnt Preis für beste Maturaarbeit

Die preisgekrönte Kanti-Schülerin Valentina Kopp (rechts) mit Lehrerin Martina Büttiker. Bild: Kantonsschule Wil
Die Stiftung für Demokratie, Bern, ehrte die Valentina Kopp, Schülerin an der Kanti Wil, mit dem Ersten Preis für Maturitätsarbeiten 2021 zum Thema "Demokratie und Gesellschaft". Dies im Rahmen eines nationalen Wettbewerbs zu Schweizer Geschichte, Politik und Staatskunde.

«Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft.
Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.»
Mit diesem Zitat aus dem Roman «1984» von George Orwell begann Valentina Kopp ihre Ansprache anlässlich der Preisverleihung der Stiftung für Demokratie am 19. Juni 2021 in Solothurn.

Sie hat sich in ihrer Maturaarbeit mit dem Titel «Der gläserne Mensch - Die Entwicklung der staatlichen Überwachung im Zeitalter der Digitalisierung» mit diesem von Orwell so treffend beschriebenen Prinzip eines totalitären Überwachungsstaates auseinandergesetzt und dafür den Ersten Preis mit einem Preisgeld von Fr. 3000.- verliehen bekommen.

Valentina befasste sich in ihrer Arbeit intensiv mit der staatlichen Überwachung im Zeitalter der Digitalisierung und konzentrierte sich auf die ehemalige DDR und auf China. Beide Staatssysteme nutzten und nutzen modernste Überwachungsmethoden und zögerten auch nicht, Freiheitsrechte und Würde ihrer eigenen Bürgerinnen und Bürger massiv zu beschränken.

Heute bietet die Digitalisierung einem totalitären Überwachungsstaat ungeahnte Möglichkeiten. Modernste Technologien erlauben in China eine fast grenzenlose Überwachung seiner Bürger, anders als in der DDR, wo die vorwiegend analogen Überwachungsressourcen mit der Anzahl potenzieller Regimekritiker schlichtweg nicht mehr mithalten konnten.

Das heute in China bereits eingesetzte digitale Überwachungssystem wird für komplexere, weiterführende Zwecke verwendet. Ziel ist es, den perfekten Überwachungsstaat zu schaffen.

Als Beispiel soll hier kurz das Sozialkreditsystem, eine Art Bonitätssystem erwähnt werden. Valentina schreibt dazu in ihrer Arbeit (S. 32f):
«Im Grundlagenpapier von 2014 heisst es, dass das System ‘Lug und Trug’ ausmerzen, ‘die Ehrlichkeit und Qualität der Nation steigern’ und eine ‘harmonische sozialistische Gesellschaft’ schaffen soll. In rund 36 Städten gibt es Pilotprojekte, in denen verschiedene Formen des Systems getestet werden. Jedem Bürger wird ein Punktekonto zugewiesen. Dieses Punktekonto kann verbessert oder verschlechtert werden. Durch schlechte Taten, wie zum Beispiel bei Rot eine Ampel zu überqueren, werden Punkte abgezogen. Verrichtet man eine positive Tat, wie zum Beispiel beim Umzug seines Nachbarn zu helfen, werden Pluspunkte verrechnet. Erreicht man die untere Grenze der Punkteskala, wird man auf die schwarze Liste gesetzt und zu einem Vertrauensbrecher herabgestuft. Wird eine gewisse Anzahl positiver Punkte erreicht, wird man auf der ‘Roten Liste’ aufgelistet und wird mit Vorteilen belohnt.»

Im Kantonsratssaal Solothurn

Die diesjährige Preisverleihung der Stiftung für Demokratie war eine sehr festliche Veranstaltung im Kantonsratssaal Solothurn.

Die Stiftung für Demokratie wurde 1991 in Bern gegründet von Nationalrat Dr. Peter Sager, dem ehemaligen Leiter des Schweizerischen Ost-Instituts. Die Stiftung setzt sich für die Schaffung, Erhaltung und Weiterentwicklung der offenen Gesellschaft im In- und Ausland ein, insbesondere durch die Förderung sachbezogener Information zu aktuellen und historischen Themen von staatsbürgerlicher Bedeutung als Voraussetzung demokratischer Willensbildung.

Neben Frau Landamman und Regierungsrätin Susanne Schaffner, der Stiftungsratspräsidentin Elisabeth Haas und der Jurypräsidentin Dr. Elisabeth Salvi war auch Alt-Bundesrat Samuel Schmid, der das Patronat innehat, anwesend. Die in Teilen auf Französisch und Deutsch gehaltenen Reden betonten die herausragende Qualität der aus allen drei Landesteilen stammenden Maturaarbeiten. Auch die grosse Bedeutung des staatsbürgerlichen Engagements dieser jungen Generation wurde hervorgehoben.

Am Schluss ihrer Ansprache ging Valentina Kopp auf die Bedingungen einer funktionierenden Demokratie ein und betonte, dass es im Wechselspiel von Demokratie und Gesellschaft einen dritten Mitspieler brauche: Die Freiheit - Freiheit der Meinung, Freiheit der Rede und Freiheit der Presse. «Dieser Dreiklang von Freiheit, Demokratie und Gesellschaft muss sich auch in der Schweiz immer wieder neuen Herausforderung stellen.»

 

 

Kanti Wil