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Kultur
30.06.2021

"Tonhalle" (Wiler Orte 8)

Bild: aze.
Im Rahmen der Wil24-Sommerserie 2021 stellen wir besondere Orte in Wil vor; heute ein achter Beitrag mit Hintergründen zur «Tonhalle»

Die Tonhalle ist eines der Aushängeschilder des Wiler Kulturlebens mit vielfältigem Programmangebot. Sie ist die Heimstätte des traditionsreichen Musiktheaters, und auch Plattform für die Debatten des Stadtparlaments. Der repräsentative Bau diente schon als Kulisse für einen  Film über eine Liebschaft des Komponisten Richard Wagner.

Die Ursprünge der Tonhalle gehen auf ein 1874 erlassenes Bundesgesetz über obligatorischen Turnunterricht für Jünglinge zur Vorbereitung auf den Militärdienst zurück. Auch der Kanton St. Gallen erklärte damals den Turnunterricht als obligatorisches Schulfach. Ein entsprechendes Lokal fehlte in Wil.

Gerätelager

Einigermassen widerwillig beschloss die Bürgerversammlung 1875 einen entsprechenden Bau, der gleichzeitig auch als Aufbewahrungsort für forst- und landwirtschaftliche Geräte sowie als Lager für Bretter, Stangen und Stickel dienen sollte. Und da damals in Wil immer wieder geklagt wurde, es fehle an geeigneten Lokalen für Fastnachtsveranstaltungen sowie für Konzerte und Theateraufführungen wurde im Weiteren auch eine diesbezügliche Nutzung eingeplant.

Balkone als Fluchtraum

1904 wurde die Liegenschaft um Balkone sowie um einen seitlichen Anbau ergänzt. Die Balkone waren vor allem als Fluchtort für Publikum und Darsteller bei einem Brandfall gedacht.

1942 legten die Handwerker ein weiteres Mal Hand an den Bau. Er wurde durch einen grösseren Bühnenraum ergänzt. Ab 1976 wurde das Gebäude erneut baulich verändert und zugleich restauriert. Unter anderem wurde damals auch die technische Infrastruktur auf einen zeitgemässen Stand gebracht.

Referenz an die Antike

Der grosse Saal der Tonhalle wird von intensiven Farben geprägt. Das Motiv dafür liegt in der Bauzeit um 1875. Damals prägten Anleihen an frühere Baustile, unter anderem der Antike, die Architektur. Es ist dabei von Historismus die Rede.

Um 1860 wurden in Pompeji archäologische Ausgrabungen getätigt. Die süditalienische Stadt war im Jahr 79 vor Christus durch einen Vulkanausbruch verschüttet worden. Bei diesen Untersuchungen stiess man auf eine farbintensive Bemalung der Innenräume. In der Wiler Tonhalle finden sie ihren Widerhall.   

Adrian Zeller, Journalist