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Wirtschaft
02.07.2021
05.07.2021 12:28 Uhr

Aktienmärkte: Warten auf Halbjahresergebnisse

Chandiramani: Auch das Damoklesschwert von vorgezogenen Zinserhöhungen der Notenbanken hat Einfluss.
Zum Halbjahreswechsel änderten sich die Aktienkurse nur geringfügig nahe unter den Rekordmarken. Die Investoren halten sich zurück bis zur Publikation der Halbjahreszahlen. Die Erwartungen sind aber hoch.

Beim gegenwärtigen Seitwärtsmarkt halten sich die Wirtschaftserholung sowie abnehmende Corona-Fallzahlen, aber auch Befürchtungen um eine neue Delta-Mutation die Waage. Portugal und Grossbritannien haben bereits wieder die Massnahmen verschärft. Erholt sich die Wirtschaft zu schnell, könnte die Geldpolitik restriktiver werden, was den Anlegern nicht gefällt. Rund 130 Staaten haben sich vergangene Woche auf eine Steuerreform für Unternehmungen geeinigt, darunter auch die Schweiz. Dazu gehört eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent. Dies soll eine Verschiebung von Konzerngewinnen in Steuerparadiese verhindern. Die Schweiz macht dies widerwillig mit und hat Vorbehalte angebracht. Mindestens 100 Unternehmungen wären davon betroffen.

Gewitterstürme haben wiederum an Gebäuden, Mobiliar und Fahrzeugen grosse Schäden angerichtet. Die Versicherungen schätzen Belastungen für die Schweiz, Deutschland und Österreich von zweieinhalb Mrd. CHF. Alleine in der Schweiz kosten die Hagelzüge in dieser Woche etwa 250 Mio. CHF. Die Preisexplosion am Immobilienmarkt hat sich fortgesetzt. Mieten sind dieses Jahr um rund 0.7 Prozent gestiegen, die Preise für Eigentumswohnungen um gut 4.7 Prozent, und der Einfamilienhäuser um 3.8 Prozent gestiegen. Lediglich 40 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung besitzen Immobilien. Experten sprechen aber noch nicht von einer spekulativen Blase.  

Unternehmensnachrichten

Wie bekannt - Lonza hat den Verkauf seines Chemiegeschäfts an die beiden Finanzinvestoren Bain Captial und Cinven abgeschlossen. Für den Verkauf erhält der Pharmazulieferer 4.2 Mrd. CH. Roche verschlankt die Forschungsabteilungen. Hauptsächlich die Standorte Basel und San Francisco, sind betroffen. Ob 300-500 Arbeitsplätze wegfallen wird momentan von der Geschäftsleitung geprüft.

Die Credit Suisse beabsichtigt, das Private-Banking umbauen. Die Schweizer Grossbank möchte die bisher auf drei Divisionen verteilte Vermögensverwaltung in eine einzige Sparte fusionieren. Die Investoren des pleite gegangenen Greensill-Fonds erhalten eine Teilentschädigung. Telekommunikations-Experten sind überzeugt, dass die Mobiltelefon-Gesellschaft Salt im Herbst an die Schweizer Börse kommt. Dabei dürfte Salt Aktien für rund 700 Mio. CHF anbieten, weitgehend mittels Kapitalerhöhung. Damit wäre Salt der dritte Telecom-Anbieter neben Sunrise und Swisscom. Die Corona-Pandemie hat beim Wintergeschäft der Titlis Bergbahnen Spuren hinterlassen. So gingen die Gästezahlen deutlich zurück und unter dem Strich resultierte ein Reinverlust von 7.3 Mio. CHF.

Rückblick 1. Halbjahr 2021 

Zu den Halbjahresgewinnern an der Schweizer SIX gehören die Luxusgüter-Hersteller wie Richmont und Swatch (+40 bzw. +32 Prozent). Der Finanzdienstleister Partners Group legte um 33 Prozent zu. Die Aktien von ABB, Sika und Geberit stiegen um 22-25 Prozent, Lonza, Givaudan und Holcim knapp 15 Prozent; Nestle, Roche und Swisscom immerhin noch 10 Prozent. Bescheidener waren Novartis, Surveillance und Swiss Re mit plus1-5 Prozent. Der Gesamtindex SMI erreichte eine Performance von fast 11 Prozent. Die Credit Suisse ging dagegen mit 14 Prozent Verlust aus dem Markt, während der Konkurrent UBS sich kursmässig um 13 Prozent verbesserte.

Der Bundesrat will 36 Kampfjets des US-Herstellers Lockheed Martin bestellen. Mit diesem Entscheid verärgert er die EU, welche ihrerseits an Massnahmen gegen die Schweiz denkt. Diskriminierung hat bereits begonnen beim Covid-Zertifikat und den Bildungsprogrammen der Hochschulen Erasmus und Horizon. Weitere Sanktionen wären schlecht für den Aktienmarkt. Auch die Entwicklung der Corona-Krankheit könnte das Tempo der wirtschaftlichen Erholung und die Börsen beeinflussen. Erste Halbjahresergebnisse folgen in wenigen Tagen. Noch immer ist in den USA die Arbeitslosenquote höher als vor der Pandemie. Offenbar ist das kurz- bis mittelfristig kein Grund für die Notenbank, die Zinsschraube anzuziehen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24