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Kultur
10.07.2021
13.07.2021 09:35 Uhr

Kunsthalle Wil: Ausstellung HAZE von Pawel Ferus

Bild: zVg
Die Kunsthalle macht keine Sommerpause, weil der Saisonstart aufgrund der Pandemie verzögert erfolgte. Bis am 15. August gibt es die Ausstellung "HAZE" zu entdecken. "HAZE" ist Smog, der durch unkontrollierte Brände, Brandrodungen und Naturkatastrophen entsteht. Sie finden in der Kunsthalle eine Rauminstallation, die aus drei Werkgruppen zu einer Gesamtinstallation zusammengeführt wurde.

Die Arbeiten sind mehrheitlich in diesem Jahr entstanden und für diese Ausstellung entwickelt worden. Durch die bewusste Raumverdunkelung, dem Scheinwerferlicht und dem kontrastreichen Licht-, Schattenspiel hat Pawel Ferus eine dramatisch apokalyptische Szenerie erschaffen, die das Narrativ beflügelt. Seine Installationen besitzen einen Charakter, der gleichzeitig unbeschwert und tiefgründig, kritisch und voller witziger Anspielungen ist. In seinen Arbeiten finden sich Bezüge zu Musik, Film, Comic- und Alltagskultur. Der Bezug zur Comic-Kultur wird in seiner vereinfachten, stilisierten und überzeichneten Formensprache besonders deutlich. In den figurativ abstrahierten Skulpturen zeigt sich sein raffinierter Umgang mit Stein. Er kombiniert traditionelle Materialien wie Marmor und Bronze mit Konsumgütern und lässt so komplementäre Referenzbilder aufeinanderprallen.

WAITING FOR THE SUN

Das Warten auf die Sonnenstrahlen kann unter einer Smoghaube „Haze“ unerträglich lange dauern. Grossstädte wie Shanghai oder Tokio sind teilweise wochenlang in eine graudreckige Smoghaube gehüllt. Die Skulpturengruppe WAITING FOR THE SUN umfasst vier Skulpturen und Seifenblasen. Die Schädel und Knochen verweisen auf den Tod und referenzieren mit traditionellen Vanitas Motiven. Auch die Seifenblasen dienen schon seit der Antike als Sinnbild für Vanitas, die Nichtigkeit und Eitelkeit alles irdischen, und die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Besonders häufig taucht die Seifenblase in der niederländischen Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts als Vanitassymbol auf. So plötzlich wie die Seifenblase platzt, kann auch das Leben vorbei sein.

HAZE IS THE SPACE (I WISH I WAS BENDER) und GOIN` BLIND

Sind zwei wurmähnliche Wesen. Das stille Wirken des Materie abbauenden Wurms hat dazu geführt, dass er zu einer Metapher für heimtückische Zerstörungswut wurde. Seine Symbolik nimmt aber auch starken Bezug zur Symbolik der Schädel und der Überreste aus WAITING FOR THE SUN. Denn auch der Wurm verweist auf den Tod, die Verwesung und den Zerfall. Die Alchemie assozierte dem Stadium des Putrefactio (Fäulnis), das den Zusammenbruch einer „überreifen“ zerrütteten Grundhaltung evozierte, um so den individuellen psychischen Boden für eine organische Erneuerung vorzubereiten.

HAZE IS THE SPACE (I WISH I WAS BENDER)

Ist eine Installation aus einer wurmähnlichen Skulptur mit stilisierten Glubschaugen und einer raumgreifenden, fragilen Metallkonstruktion über welche „der Wurm“ zu gleiten scheint. (I WISH I WAS BENDER) nimmt Bezug auf eine Figur aus der Science-Fiction-Zeichentrickserie Futurama. Bender „Bieger“ Rodriguez ist ein humanoider Roboter. Sein Name leitet sich vom englischen Verb „to bend“ ab und spielt damit auf seine ursprüngliche Arbeit an - Stahlträger für Selbstmordzellen zu biegen.

GOIN` BLIND

Die zweite wurmähnliche Skulptur aus Cristallino Marmor, besticht durch sein gefrässiges Maul. Der Wurm, ein Destruent, der überall in Nahrungskette vorkommt. Ein Maul das auch an die agressifen Designs von Kraftfahrzeugen erinnert.

SUV-MOTORSHOW

Seit seiner Erfindung fasziniert das Auto. Es gibt kein technisches Vehikel, dass so stark Einfluss auf die Kunst genommen hat wie das Auto. Der Blick der Künstler ändert sich immer wieder, so wie sich auch der Stellenwert des Kraftfahrzeuges in der Gesellschaft ändert. Im Futurismus, Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde das Auto gefeiert!  Zitat: „Ein röhrender Rennwagen ist schöner als die Nike von Samotrake“. Die Kunst der Futuristen wurde von der modernen Technik und dem Rausch des Tempos bestimmt. Nach dem 2. Weltkrieg kam dann der industrielle Aufschwung und Ende der 50iger Jahre die satten Wirtschaftswunderjahre mit der Massenproduktion. So wurde das Auto dann auch in der Pop-Art zelebriert. Doch in den späten 70igern wuchs die Skepsis. Die Schattenseiten kamen zu Tage. Viele Verkehrstote, Stau, Umweltbelastung, Lärm, und eine wachsende Infrastruktur, die ganze Ökosysteme wegradiert. Die Skepsis wurde auch in der Kunst thematisiert. In der SUV Motorshow thematisiert Pawel Ferus den Autokult. Das Auto, das wie ein Fetisch verehrt wird. Das Auto, respektive gewisse Autotypen, werden mit Kraft, Dominanz, Geschwindigkeit, Sexappeal assoziiert. Auf das Auto werden essenzielle Aspekte von Identität und Persönlichkeit projiziert. Der SUV ist das Fahrzeug des Eskapismus und es strahlt jene Potenz aus, mit der sich Fahrer für jede Lage gut gerüstet fühlen. Die in Bronze gegossen, abstrahierten SUV scheinen durch die Materialität wie für die Ewigkeit gemacht, ein Relikt aus vergangener Zeit. Mit den Werktiteln nimmt Pawel Bezug auf die idealisierten Autonamen der Autoindustrie. Seine Werke tragen Namen wie, SUV Pretender (Angeber), SUV Scavenger (Aasgeier), SUV Displacer (Verdränger), SUV Outbreaker (Ausbrecher), SUV Vanisher (Verschwinder) und SUV Escaper (Flüchter/Fluchthelfer).

Weitere Informationen:

kunsthallewil.ch/ausstellung/pawel-ferus

Stadt Wil