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Kanton SG
24.08.2021
24.08.2021 22:37 Uhr

"Vorsicht! Leider testen auch schwarze Schafe..."

Claudia Meier-Uffer, Präsidentin des AVSGA (Apothekerverband der Kantone St. Gallen und beider Appenzell) nimmt Stellung. Bild: zVg.
Die 3G-Regel ist im Anmarsch. Wer Corona nicht schon überstanden hat oder sich nicht impfen lassen will/darf, muss sich regelmässig testen lassen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Bei den Testzentren, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, gibt es aber einen Wildwuchs, den Claudia Meier-Uffer, die Präsidentin des AVSGA (Apothekerverband der Kantone St. Gallen und beider Appenzell) mit deutlichen Worten kritisiert.

Wie ist die Lage? Darüber sprachen wir mit Claudia Meier-Uffer.

Seit wann wird im Kanton St.Gallen getestet?
Claudia Meier-Uffer: "Seit Mitte November 2020 wird in 19 Apotheken der Antigen-Schnelltest und davon in 6 Apotheken der PCR-Test (zur Bestätigung eines positiven Tests oder für Reisen) angeboten. Dafür mussten die Apotheken diverse Anforderungen erfüllen, z.B. ein besonderes Schutzkonzept erstellen, Personal schulen, geeignete Räumlichkeiten einrichten etc. Ab dem 1. Juli waren alle Apotheken in der Lage, Covid-Zertifikate auszustellen."

Was läuft nun schief?
"Als Präsidentin bin ich verantwortlich für das Ausstellen dieser Zertifikate bei unseren Mitgliedern. Darum stört mich der Wildwuchs in unserem ganzen Kanton. Es gibt schwarze Schafe, also Testzentren, die auf unseriöse Weise Zertifikate - über einen anderen Kanton - erstellen oder nicht korrekt testen. Ein Controlling findet von keiner Seite statt."

Was hat das für Konsequenzen?
"Mir persönlich sind vier Fälle bekannt, die in solchen Testzentren negativ getestet wurden und ein solches Zertifikat erhielten, obwohl sie positiv waren. Selbstverständlich konnten diese Personen auch mit einem solchen Zertifikat in Clubs, an eine Veranstaltung oder einen Fussballmatch gelangen und damit mehrere Personen anstecken. Vielleicht ist es nicht ganz unbegründet, dass der Kanton St.Gallen bei den Fallzahlen einen der Spitzenplätze belegt. 

Wie unterscheidet sich das Testen?
"Dass viele der genannten Testzentren höchstens nasal testen, stört uns. Denn die Fehlerquote ist doppelt so hoch wie bei einem nasopharyngealen Abstrich (Nase und Rachen) durch Fachpersonen. Ebenfalls fragwürdig ist es, dass solche nasal durchgeführten Tests 48 Stunden lang Gültigkeit haben, was aus medizinischer Sicht viel zu lange ist. Dass auf diese Weise kaum positive Testergebnisse aufgedeckt werden, ist logisch."

Wer leidet darunter?
"Betrogen sind die Testnutzer, weil sie sich in falscher Sicherheit wiegen. Betrogen sind die Steuerzahler, weil sie Geld ausgeben für einen Test, der niemanden etwas nützt. Betrogen sind die Testzentren, die seriös und korrekt testen, weil sie in denselben Topf geworfen werden. Eine weitere Konsequenz daraus: Der Apothekerverband hat sich in der Stadt St. Gallen mit seinem Testzentrum aus dem Waaghaus zurückgezogen."

Wer müsste das Controlling übernehmen?
"Die Verantwortung liegt eindeutig beim Kanton St.Gallen."

Bilanz nach 8 Wochen Testing auf der Strasse

Über 5’000 Tests wurden durch die sechs beteiligten Apotheken aus dem Kanton St.Gallen durchgeführt. Insgesamt leisteten die 50 Mitarbeitenden dafür 1’100 Arbeitsstunden. Zum Einsatz kam nur medizinisch geschultes Fachpersonal.
Dabei wurden ausschliesslich BAG-zugelassene validierte nasopharyngeale Tests ausgeführt, von denen ca. 1% positiv ausfielen und vor Ort mit PCR bestätigt wurden.
An vielen Standorten haben die Apotheken jetzt nochmals erheblich personell aufgestockt, insbesondere am Wochenende. Aufgrund des Wildwuchses an Testzentren in der Stadt St.Gallen verzichten die dortigen Apotheken allerdings auf ein Test-Angebot.

Das Vertrauen in die Kompetenz der Testanbieter ist wichtig. Bild: zVg.
jg