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Stadt Wil SG
30.08.2021
30.08.2021 15:29 Uhr

Poser-Provokationen - ein Wiler Katz- und Mausspiel

Der ausgepuffte Sound schürt Emotionen. Bild: zVg.
Worüber wird in Wil diskutiert? Welche lokalen, nationalen und internationalen Themen werfen hier hohe Wellen? Nehmen Sie doch auch Platz am virtuellen wil24-Stammtisch mit Mäni Rüegg.
Bild: wil24.ch

Die Poser-Provokationen

Wenn man in Wil nicht gerade an einer verkehrsreichen Strasse wohnt, nimmt man das arrogante und sinnlose Gehabe der Auto-Poser-Fraktion nicht immer gleich war. Aus der Ferne hört man jeweils das Aufheulen der Motoren und das juckende Pochen des Elektropops aus den fahrenden Music-Boxen zu allen Tages- und vor allem Nachtzeiten. Man wundert sich über die intellektuell nicht gerade hochstehenden Hintergründe und Ziele dieser Freizeit-Auftritte.
Gerade in der jüngsten Zeit, als uns die Sonne doch noch mit einigen lauen Sommerabenden beschenkte, zog man den Aufenthalt in der Gartenwirtschaft vor. Man genoss ein Bier beim geselligen Stelldichein am Stammtisch oder ein leckeres Nachtessen in den Gartenwirtschaften der Wiler Gastronomie. Die ruhige Sommeridylle nahm aber schnell ein jähes Ende. Schon zu den frühen Abendstunden jagten sie, ich meine die lebenden Bleifüsse, von Kreisel zu Kreisel und dann mit Getöse über die Toggenburgerstrasse Richtung Rickenbach und scheinbar wieder zurück. Die Temperatur, die Idylle im Garten und die freundliche Bedienung haben gepasst für einen Abend zum Geniessen. Mir taten die Gastgeber in den Restaurants leid, wenn sie sich fast entschuldigen mussten, weil diese Idylle von Hirnlosen in ihren Protzkarossen gestört wurde. Ganz nach dem Motto: «Ich werde verfolgt von der Intelligenz, ich Superposer war aber lauter und schneller», lassen sie die Motoren aufheulen und präsentieren ihre Statussymbole. Das Hirn scheinbar eingeklemmt im Schuh des rechten Fusses und den Anstand ersäuft im Sprit der getunten Karossen. Die Brust dermassen gestählt bis die angespannten Hemdenknöpfe reissen und von innen an die Windschutzscheibe knallen.
Etwas Gutes hat es aber doch. Man hat am Stammtisch ein Gesprächsthema, wundert sich über die Lautstärke der Motoren oder die Menschen, welche dieses Getue brauchen, um scheinbar glücklich zu sein. Man hielt Ausschau nach der Polizei, welche Einhalt hätte gebieten können. Doch wenn der flinken Mäuse (Poser) mehr sind nützen die wenigen Katzen (Polizei) nichts um diese zu jagen. Genau dieses Katz- und Mausspiel scheint wohl einer der treibenden Gründe zu sein, um sich so die Zeit zu vertreiben. Dabei nerven sie nicht nur die Anwohner oder Gäste in Gartenwirtschaften, sondern auch der gesunde Menschenverstand grundsätzlich.

Mäni Rüegg, Kolumnist wil24.ch