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Sport Regional
29.09.2021
29.09.2021 18:35 Uhr

Anita Weyermann kam per Velo zum Panathlon-Club Wil

Anita Weyermann und ihr einstiger Nachwuchs-Trainer und heutiger Panathlon Club Wil- Präsident Walter Baumann beim Meeting im Hof zu Wil. Bild: Mäni Rüegg
Mit Anita Weyermann hatte der Panathlon-Club Region Wil eine einstige Topathletin zu Gast, welche mit ihrer Unbekümmertheit in jungen Jahren zur Leichtathletik-Weltspitze im Mittelstrecken-Laufbereich gehörte und bis heute auf dem Boden der Realität geblieben ist. Ihr einstiger Nachwuchs-Trainer und heutige Panathlon Club Wil-Präsident Walter Baumann entlockte seinem einstigen Schützling Anekdoten, welche nur Insider kannten.

Auf dem Heimweg von einem im Auftrag für Swiss Olympic in St. Gallen machte Anita Weyermann (43) beim Panathlon Club Region Wil Halt. Was heisst Halt? Weyermann war von ihrem Wohnort in Kehrsatz bei Bern mit Bahn und Bike unterwegs. «Weil ich noch Zeit hatte, fuhr ich mit dem Velo von St. Gallen nach Wil.» Auf dem Rückweg von Wil nach Hause, radelte sie dann die letzten 30 Kilometer von Bern bis Kehrsatz wieder mit dem Bike, so ganz nach ihrem Motto «Gring ache u seckle, oder eben trample». Heute ist Anita Weyermann nach einem Wirtschaftsstudium auch noch Mutter von vier Kindern, darunter gleich Drillinge, trainiert Kinder und Jugendliche, gibt Kurse, macht Coachings und ist Redakteurin bei Radio BeO. «Das alles funktioniert nur, weil mein Mann und ich die Aufgaben mit Beruf und Familie gemeinsam unter einen Hut bringen können», so die Bernerin.

Mein grösster Gegner

Die Frage, was sie heute allenfalls anders machen würde als damals in jungen Jahren meinte sie: «Mein grösster Gegner war meine Geduld, denn ich hatte keine. Ich wollte gewinnen und fürchtete kaum Gegnerinnen. Mein Ziel war es, dass ich am Schluss des Rennens die Vorderste war, egal wann und wo. Mit dieser Ungeduld legte ich mir manchmal auch selber Steine in den Weg.»
Übrigens hat Anita Weyermann ihre sportliche Laufbahn in der GG Bern als Skifahrerin gestartet und stand bereits in Fis-Rennen auf den Brettern. «Da ich scheinbar auch schnell "seckle" konnte, wurde ich für die Mittelstrecken-Staffel der GG Bern an die Nachwuchs-Schweizermeisterschaften aufgeboten. Wir wurden Meister und da hat es mir den Ärmel reingenommen als Mittelstreckenläuferin.» Das war sicher ein guter Entscheid, denn das Palmares von Weyermann mit Titeln und Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene (WM-Bronzer 1997) und CH-Sportlerin des Jahres 1999 zeigt auf, dass es wohl gut war, die Latten mit den Nagelschuhen zu tauschen.

Das Modi aus Gümligen

Der Einblick ins sportliche «Nähkästchen» von Weyermann sorgte für Schmunzler und Lacher und zeigte auch auf, dass die Bernerin durchaus auch ein Fest im Kreis der Sportler/innen aber auch des Fanclubs genoss. «Als junges Modi, war ich unbekümmert und musste mich unvorbereitet auch an Aufritte auf dem roten Sportteppich und an spezielle Werbeauftritte gewöhnen. Während andere mit ihrer Entourage und gestylt auftauchten, kam die Anita aus Gümligen in Jeans, Shirt und der Sporttasche.» Die wirklichen Geschichten und Hintergründe über vermeintliche Nacktfotos, das Tragen von falschen Sponsoren-Uhren oder der Schwimmerin im legendären 1500er-WM Final 1997 mit dem Bronzegewinn entlockten den Zuhörern im Hof mehr als ein Schmunzeln. Anita kann sich über viele Episoden noch heute herzhaft freuen oder schmunzelnd ärgern, damit aber bestens unterhalten.

Anita Weyermann gewinnt in Athen mit 19 WM-Bronze über 1500 Meter. Bild: Mäni Rüegg

Es war meine Welt

Zur Frage, ob sie als Sportlerin, die in so jungen Jahren viel Erfolg hatte, nicht etwas verpasst habe, meinte sie: «Nein, gar nicht. Das war meine Welt, ich wollte das, wurde nicht gedrängt und ich fühlte mich gut. Der Kreis der Sportlerinnen und der Fanclub waren meine zweite Familie und das alles habe ich in bester Erinnerung.» Auch wenn es im Training und beim Wettkampf manchmal weh tat? «Es ist so, die längeren Laufdisziplinen sind hart, verflucht hart und das auch im Training. Es war aber meine Welt, ich wollte besser werden, vorne mit dabei sein und dafür tat ich alles, manchmal auch Schmerzen aushalten.»
Für die Teilnehmenden des PC Region Wil ein eindrücklicher, unterhaltender und auch tiefgründiger Abend mit einer noch heute sehr sympathischen Sportlerin, fast 50'000 Googel-Einträgen, vierfachen Mutter und Unternehmerin, welche auf dem Boden blieb und auch bleiben wird. Sie ist nach wie vor Inhaberin der Schweizer Rekorde über 1500m, 1 Meile, 3000m und 5000m!

Interessierte Zuhörer des Panathlon-Clubs Region Wil. Bild: Mäni Rüegg
Mäni Rüegg