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Kultur
05.10.2021
06.10.2021 11:07 Uhr

Zuckenriet: ein Dorf mit wechselvoller Geschichte

Markante Gebäude auf einer Postkarte, welche die Dorfgeschichte prägten (v. l. ): Schloss, Alte Post, Restaurant Eintracht mit Tante Emma-Laden und ehemalige Weberei / Stickerei. Bild: Ernst Inauen
Das einstige Bauerndorf Zuckenriet entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem attraktiven und lebenswerten Wohnort. 1803 wurden Niederhelfenschwil, Lenggenwil und Zuckenriet zu einer Gemeinde vereinigt. Die 1876 gegründeten Dorf- und Wasserkorporation sichert dem Dorf eine gewisse Selbständigkeit. Das Wahrzeichen von Zuckenriet ist das Schloss.

Von Ernst Inauen

Zuckenriet findet in einer Schenkungsurkunde des Klosters St.Gallen von 782 erstmals Erwähnung. Ein gewisser Roadpertus schenkte die Hälfte seines Besitzes, nämlich sein in Zuckinreod gelegenes Land dem Kloster zu Eigentum, mit der Verpflichtung zu jährlichen Zinsen in Form von Bier, Brot und drei im Volksmund so genannte Schloss wurde um 1474 auf den Grundmauern einer ursprünglichen Burg aus früheren Jahrhunderten erstellt. Diese fiel einem Brand zum Opfer, wie wissenschaftliche Untersuchungen von Brandschichten ergaben. Die 1216 erstmals urkundlich als Adelssitz erwähnte Burg war im Besitz von äbtischen Ministeralien aus dem niedrigen Adel, welche die niedere Gerichtsbarkeit auszuüben hatten. So sind gemäss Überlieferungen die Namen Rosenberg, Landenberg, Muntprat von Spiegelberg und Giel als Verwalter bekannt. Die damalige Burg und das spätere Schloss waren nicht nur ein Wohnhaus, sondern auch ein Zehnthaus, in dem im untersten Stockwerk feuchtigkeits-unempfindliche und im grossen Dachgeschoss trocken zu lagernde Waren aufbewahrt wurden. Im ersten und zweiten Obergeschoss befanden sich die Wohnungen der jeweiligen Besitzer.

Adlige und bäuerliche Besitzer

Ab 1730 war das Schloss im Besitz der Fürstabtei St.Gallen und von 1802 bis 1807 gehörte es nach der Auflösung der Klöster als Nationalgut dem Kanton. Anschliessend ging es in den Besitz verschiedener Bauernfamilien über. Bis in die 1980er-Jahre bewohnten die drei Familien Arn, Klaus und Klaus den grossen Gebäudekomplex. 1981 kaufte der Unternehmer Claude Wullschleger das Schloss und nahm die notwendigsten Renovationen vor. In der Folge erwarben nachher noch zwei weitere Käufer das sanierungsbedürftige Schloss Zuckenriet, scheuten jedoch die hohen Renovationskosten und veräusserten es wieder. 2011 erfüllte sich die heutige Besitzerfamilie einen Traum und erwarb das Schloss. Der schon seit Jugendzeiten von Burgen und Schlössern begeisterte Immobilienunternehmer war schon früh Mitglied des Schweizerischen Burgenvereins und befasste sich mit dem Studium von historischen Bauten. Eine Leidenschaft für geschichtsträchtige Gemäuer entwickelte auch seine traditionsbewusste Gattin, deren Vorfahren einem ehemaligen elsässischen Adelsgeschlecht angehörten. Das 2006 aus beruflichen Gründen in die Ostschweiz gezogene Paar entdeckte schon bald das imposante, sagenumwobene Gebäude und die fantastische Aussicht über das Fürstenland und die Alpsteinkette. Es wurden in Zusammenarbeit der Besitzerfamilie mit dem Toggenburger Sanierungs-Fachmann Martin Häberli konkrete Ideen für eine Gesamtsanierung entwickelt mit dem Ziel, das Schloss aussen und innen in einem mittelalterlichen Zustand zu gestalten.

Ansicht des in den 80er-Jahren partiell renovierten Schlosses, das 2011 an die heutige Besitzerfamilie verkauft wurde. Bild: Ernst Inauen
Dorfansicht Zuckenriet um 2000. Bild: Ernst Inauen
Eine spannende Geschichte hat die alte Kapelle, sie wurde im Pestjahr 1611 erbaut. Im Jahr 1959 wurde sie wieder abgebrochen und durch die neue Georgskapelle ersetzt. Bild: Ernst Inauen
Ernst Inauen