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Stadt Wil SG
19.10.2021
20.10.2021 16:39 Uhr

"Verwirrung im Poschtiwagen "

Bild: wil24.ch
Worüber wird in Wil diskutiert? Welche lokalen, nationalen und internationalen Themen werfen hier hohe Wellen? Nehmen Sie doch auch Platz am virtuellen wil24-Stammtisch mit Mäni Rüegg.

Mäni Rüegg

Auch am Stammtisch der Männer sind nicht nur Politik, Militär und eindeutig zweideutige Witze das Thema, im Gegenteil. Da wird auch berichtet über das Posten, also den wöchentlichen Einkauf oder den häuslichen Putz, das heisst Staubsaugen und Güselsack leeren. Aber auch über so banale Sachen wie weshalb an der unteren Bahnhofstrasse die Wolkenkratzervisiere immer noch rumstehen und nach wie vor nichts passiert.
Lassen wir mal die Visiere und die Lage beim ostschweizweit wohl schrecklichsten städtischen Schandfleck. Deshalb, weil noch Zeit bleibt darüber zu schreiben und zu philosophieren, denn es wird wohl noch dauern und wir lassen die Visier "lo bambele".

Umstrukturierungen
In jüngster Zeit sind die Umstrukturierungen und Anpassungen bei den Grossverteilern der Region auch bei den Männern, vor allem bei den einkaufenden Senioren, ein ernsthaft humorvolles Thema. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das lässt sich am besten beim Einkaufen beweisen. Da hat man sich mit dem Postizettel zwischen den Zähnen an eine gewisse Ordnung beim Grossverteiler gewöhnt und fand alle - zumindest fast alle - Artikel blind. Man hat sich nach einer gewissen Anpassungsphase an das Selbstscanning gewöhnt und hat womöglich den Postizettel mobile gespeichert. Sieht zwar etwas komisch aus, wenn ich mit dem Handy zwischen den Zähnen hinter dem Korbwägeli herrenne.

Lattich statt Servietten
Nun aber werden Konzepte geändert, ganze Abteilungen nicht mehr geführt und andere etwas unlogisch platziert. Dies nicht, weil die Geschäftsleitung vor Ort den Plan von ganz oben falsch interpretiert hat, sondern weil ihre Einkaufsfläche ganz einfach nicht mehr zum neuen Konzept von da oben passt. Ich habe noch nie so viele Menschen zähneknirschend hinter dem Wägeli gesehen, welche gefühlte 100-mal das Rollband in beiden Richtungen nutzten, weil ihr gesuchter Artikel neu platziert ist. Da nutzen das ganze antrainierte Erinnerungsvermögen und Kurzeitgedächtnis nichts mehr. Ich habe schon den Verdacht, dass das der Beginn einer Demenz ist. Nur wie schreib ich der Krankenasse die Erklärung, weil ich deshalb den Arzt aufsuche?
Liebe Mobiliar: Weil ich Lattich statt Servietten, Kniesocken statt Blattspinat und zehn Büchsen Ravioli statt Äpfel nach Hause bringe, schien mir der Arztbesuch angebracht, denn mein Postizettel passt nicht mehr zum Konzept der Grossverteiler oder die Grossverteiler nicht mehr zu meinem logischen Verständnis.

Körbligrössen der Melonen
Statt neue Unterhosen für mich liegen drei Packungen Legoburgen im Wagen und der Käse hat sich plötzlich in Putzschwämme verwandelt. Anstatt meiner heiss geliebten Melonen liegen zwei BH’s im Wagen. Es kommt noch schöner! Keine Windeln für die Grosskinder, sondern vier Grosspackungen gemahlener Bohnenkaffee für die Kapselmaschine. Ich hoffe einfach, dass die Körbligrösse der Melonen zum BH passen und die Sonderpackung Schuhbändel, anstelle der Sardinen für eine Familienpizza, im Kühlschrank nicht verderben, bis ich sie brauche. Ich mische sie dann zusammen mit den kleinen roten Massagebällen anstelle der Tomaten auf der Pizza und taufe sie «Pizza Umstruktur». Hoffentlich lecker und gut verdaulich, denn anstelle der WC-Papierrollen kaufte ich dicke weisse Aktions-Adventskerzen, da ja das Weihnachtsangebot in den Läden bereits zu strahlen beginnt. Beim Suchen nach den Spaghetti verhedderte ich mich in den Christbaum-Leuchtenschlangen und statt zwei Kilo Tomaten lag in der Tasche ein Sonderangebot mit roten Baumkugeln. Macht sich aber belegt mit Mozzarella recht gut und knackt erst noch beim herzhaften Zubeissen.

So oder so ein erlebnisreicher Einkauf und dann ein Riesenspass beim Zubereiten von ganz neuen Kreationen und das, Dank den neuen Konzepten und Strukturen bei den Grossverteilern. Ich glaub ich nutze meinen winzig kleinen Blätz Land, um alles selber anzubauen. Bin noch auf der Suche nach Samen für WC-Rollen, Dünger für Appenzeller-Biberli und Setzlingen für Wander-Socken.

Mäni Rüegg, Kolumnist wil24.ch