Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Stadt Wil SG
03.11.2021
03.11.2021 07:49 Uhr

Zoodirektorin trifft Polizeikommandanten

Im Bild (v.l.): Bruno Zanga (Dr. iur. Polizeikommandant Kapo SG), Daniel Schönenberger (Leiter der Volkshochschule Wil), Karin Federer (Direktorin Walter Zoo) und Roland Poschung (Botschafter der Stadt Wil). Bild: MuA
In Hof zu Wil durfte Roland P. Poschung, "Botschafter der Stadt Wil", zwei interessante Gäste begrüssen. Dr .med. vet. Karin Federer, Direktorin Walter Zoo, Gossau und Dr. iur. Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei St.Gallen gaben Einblick in ihre unterschiedlichen Aufgaben.

Daniel Schönenberger, Leiter der Volkshochschule Wil, begrüsste die zahlreichen Gäste und freute sich, dass nachdem langen Lockdown das Interesse an diesem Anlass gross ist. Er wies er darauf hin, dass der Hof weiterhin restauriert wird. Er soll wie der Stiftsbezirk St. Gallen UNESCO Weltkulturerbe werden. Die Geschichte des Gebäudes geht über 800 Jahre zurück.

Daniel Schönenberger, Leiter Volkshochschule Wil Bild: Vroni Krucker

Verbindung besteht

Trotz der sehr unterschiedlichen Bereiche verbindet Karin Federer und Bruno Zanga eines: der Walter Zoo. Seit vielen Jahren ist das Ehepaar Zanga Pate von Tieren im Zoo und öfters dort anzutreffen. Karin Federer ist mit Tieren gross geworden und hat entsprechende Erinnerungen, zum Beispiel an den Affen Tschibi, der in ihrem Zimmer eine Riesen-Sauerei angerichtet und ihren Kuscheltieren den Garaus gemacht hat. »Sie war sozusagen meine kleine verrückte Schwester», meinte sie lachend. Ein Tagesplan könne mit so vielen lebendigen Wesen meistens nicht eingehalten werden, betonte sie. Da komme immer etwas dazwischen.

Der Anlass macht den Gästen sichtbar Spass. Bild: Vroni Krucker

Vielfältige Möglichkeiten

Die Polizei war Bruno Zanga nicht in die Wiege gelegt. Der gelernte Maschinenschlosser entschied sich erst später für die Polizeilaufbahn. Seine erste Chefin war die heutige Bundesrätin Karin Keller Sutter.  Er führt das Korps der Kantonspolizei seit genau zehn Jahren. Als Kommandant muss er auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen, von denen er sich getragen fühlt. Die Grösse des Korps bietet eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten, stellt aber auch grosse Anforderungen. Konflikte sind vorprogrammiert, zum Beispiel: Migration, Jugend-Krawalle, Fussballspiele, Extremismus, unangemeldete Veranstaltungen (Zusammenkunft von 5000 Rechtsextremen in Unterwasser) und vieles mehr. Bei den Fussballspielen würde das – nicht sehr beliebte – personifizierte Ticket Erleichterung bringen.

Der Kommandant trägt grosse Verantwortung für sein Korps. Bild: Vroni Krucker

Menschlichkeit gefragt

Von den Polizistinnen und Polizisten wird Einfühlungs-, oft auch Durchsetzungsvermögen gefordert sowie der Schutz von gefährdeten Personen. Ein Problem sind die in diversen Städten auftretenden Autoposer, hier sei die Politik gefordert. Wichtig bei Auseinandersetzungen: «Ruhe bewahren» mit dem Ziel eines möglichst friedlichen Verlaufs ohne Verletzte. Beispiele aus dem Alltag liessen die Aufgabenvielfalt erahnen. Oft sieht der «normale» Bürger nur die Spitze des Eisberges und kann somit vieles nicht verstehen oder gar beurteilen.

Der Walter Zoo – ein Familienunternehmen

Der Walter Zoo hat sich enorm entwickelt. Vielen älteren Menschen sind die Besuche von Vater Walter Pischl mit diversen Tieren in der Schule noch in bester Erinnerung: einmal die Angst überwinden und scheu eine Schlange anfassen, seinem Lieblingstier nahe sein, die Farbnuancen bewundern usw. Der Zoo sehr familienfreundlich. Über 270'000 Besuchende geniessen jährlich das tolle Ambiente, wo man sich mit Kindern stundenlang aufhalten und vieles lernen kann. Man kann über 1000 Tiere aus 123 Arten begegnen. Sie werden von 74 Festangestellten, 48 Aushilfen und 45 Freiwilligen betreut. Die Tiere sind aus Sicherheitsgründen eingesperrt. Trotzdem kann man ihnen sehr nahekommen und ihre Eigenheiten bestaunen.

Herausforderungen

Der Job ist für alle eine grosse Herausforderung. Bei so vielen unterschiedlichen Interessen ist Toleranz das A und O. Zwischenfälle mit Tieren sind selten, vielleicht büxt mal ein Zebra aus, das aber schnell wieder heim will. Die Tiere fühlen sich sehr wohl, was auch der immer wieder erfreuliche Nachwuchs zeigt, z.B. die viel besuchten Tigerbabys. Mittlerweile ist eine zweite Tierärztin dabei, stehen doch für Karin Federer viele administrative Arbeiten an. Sie erzählte sehr spannend von ihrem Leben im Zoo, von lustigen, ab und zu auch traurigen Begebenheiten und einem abwechslungsreichen Alltag, wo auch dem künstlerischen Aspekt genügend Raum gegeben wird.

40-Millionen Projekt

Der Generationenwechsel öffnet neue Möglichkeiten. Die Erhaltung der jetzigen Form des Zoos mit der Nähe zu den Tieren ist den Verantwortlichen ein wichtiges Anliegen. Die grosse Besucherschar bringt auch Herausforderungen mit sich, wie notwendige tiergerechte Um- und Neubauten. Die errechneten Kosten von über 40 Millionen Franken wird schon die eine oder andere schlaflose Nacht fordern. Auf dem erworbenen Land ist eine Erweiterung des Zoos geplant. Auch in Bezug auf den Verkehr stehen Aufgaben an. Menschen kommen mit den Velos, zu Fuss, mit dem öV, aber eben auch viele mit dem eigenen Auto. Hier wäre eine Tiefgarage ideal, sie würde die Umgebung am wenigsten tangieren. Zudem ist ein neues Gebäude mit Photovoltaik und Holzschnitzelheizung ein Thema.

Karin Federer wirbt für den Zoo. Bild: Vroni Krucker

Fragen über Fragen

Je vielseitiger die Aussagen der Gäste, umso mehr Fragen aus dem Publikum. Auskunft über E-Fahrzeuge bei der Polizei, die Rekrutierung von Frauen oder Migranten, die Ausbildung, die Helmkameras, die Möglichkeit von Teilzeitarbeit waren Themen. Die Tierärztin erklärte auf eine Frage hin, dass kranke Tiere jeweils von Spezialisten behandelt werden, z.B. von Kardiologen. Man sei immer bedacht, ihnen die bestmögliche Betreuung zu geben.

Einmal mehr war das «Persönlich» von Beginn an sehr spannend, machte Lust auf mehr – und darauf darf man sich in den kommenden Monaten freuen.

Roland P. Poschung motivierte die Gäste zum Erzählen und freut sich auf weitere Anlässe. Bild: Vroni Krucker
Vroni Krucker