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Wirtschaft
06.11.2021

Aktienbörsen zeitweise in Rekordlaune

Christopher Chandiramani: «Gekrönt wurde der Wochenverlauf diesmal auch durch eine Entflechtung der beiden Basler Pharmariesen.» Bild: Linth24
Nur noch wenige Punkte fehlen beim SMI bis zu den August-Rekordmarken. Dazu beigetragen hat die gute Entwicklung der Indexschwergewichte. Am Freitag brachten Investoren einige Gewinne ins Trockene.

Am Mittwoch gab die US-Notenbank FED bekannt, dass sie die lockere Geldpolitik fortsetzen werde, aber im weiteren Verlauf die Anleihenskäufe abzubauen beabsichtigt. Mit höheren Leitzinsen ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2022 zu rechnen. Der gegenwärtige Inflationsschub sei kein Problem. Auch die anderen Notenbanken, EZB und die SNB schlossen sich dieser Haltung an.

An der Klimakonferenz in Glasgow wurden wiederum Massnahmen zur Verminderung von Treibgasen und der Schutz der Regenwälder vor Abholzung diskutiert, dies bleibt eine permanente Herkulesaufgabe. Die meisten Staaten zeigen Bereitschaft, zu vermehrtem Schutz der Natur Hand zu bieten.

Die Corona-Pandemie wird wieder zum Gesprächsstoff. Die Fallzahlen steigen aufgrund der kühleren Jahreszeit. Die Welt-Gesundheitsorganisation WHO mahnt zu vermehrter Vorsicht. Der negative Einfluss auf die Wirtschaft nimmt weiter ab – im Gegensatz zu Materialverknappung, Fachkräftemangel und steigenden Preisen.

Roche kauft sich frei

Bisher hielt Novartis einen Drittel der Roche-Inhaberaktien als stilles Finanzinvestment. Übernommen wurde vor 20 Jahren ein Paket durch den Financier Martin Ebner (BZ Bank) und wurde an Novartis weitergegeben.

Seit Donnerstag ist bekannt, dass Roche dieses Paket für 20 Mrd. USD wieder zurückkauft. Dies bringt für beide Konzerne Vorteile. Roche wird unabhängiger, der Familienbesitz wird von 50.1 auf einen 75 Prozent-Anteil gestärkt.

Für Novartis bedeutet der Geldzufluss, zusammen mit der späteren Platzierung der Tochtergesellschaft Sandoz, einen wesentlich grösseren Spielraum für zukünftige Forschungsprojekte und Akquisitionen.

Weitere Firmennachrichten

Bei Geberit stieg der Umsatz von Januar bis September um 18.8 Prozent auf 2.69 Mrd. CHF. Die Gesellschaft hat weitere Margenverbesserungen angekündigt, aber auch eine Abnahme der Wachstumsdynamik. Dies führte zu Kurskorrekturen an der Börse.

Credit Suisse präsentierte an einem Investorentag in London die Umbaupläne und Anpassungen im Fonds- und Investmentbankgeschäft. Die Aussichten gefielen den Anlegern nicht. Die Aktie fiel um 5 Prozent. Das hat auch mit den Skandalen der Vergangenheit und der relativ tiefen Profitabilität im Branchenvergleich zu tun.

Relief Therapeutics, eine kleine Biotechnologieunternehmung, und deren US-Partner müssen bei der Behandlung von Corona-Patienten Rückschläge hinnehmen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat die Zulassung von neu entwickelten Medikamenten vorerst nicht bewilligt.

Die in der Sicherheitstechnik tätige Dormakaba-Gruppe verstärkt ihre Aktivitäten durch Akquisition der französischen Fermatic.

Lonza kam am Freitag unter Druck, als bekannt wurde, dass Pfizer mit neuen Pillen gegen Corona Erfolge habe.

Abschliessende Bemerkungen

Bei der Gewichtung des SMI-Aktienindexes fällt auf, dass von den 20 grössten Firmen Roche, Novartis und Nestlé, also drei über 50 Prozent ausmachen, die restlichen 17 Gesellschaften haben ein Gewicht von jeweils 1-5 Prozent. Das ist mit der Zeit so geworden, und gelegentlich sollte der Index neu ausbalanciert werden.

Die anhaltende Tiefzinsphase war in den vergangenen Tagen ein Haupttreiber für weitere Kursavancen. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken wird wegen anhaltenden Inflationsängsten zunehmend hinterfragt. Es ist allerdings richtig, dass auf das bedeutende Verschuldungsproblem Rücksicht genommen wird. Zu schnelle und zu heftige Zinserhöhungen könnten wiederum eine Wirtschaftskrise auslösen.

In der Schweiz diskutiert man zurzeit intensiv über eine bevorstehende Stromlücke. Die Förderung von E-Mobilität und Wärmepumpen sowie der geplante Ausstieg aus der Kernenergie und die Blockade beim Stromabkommen mit der EU sind tatsächlich ein Warnsignal. Wir stehen vor einem Bedarf an grossen Investitionen. Die Politik muss handeln. Planungen dauern erfahrungsgemäss sehr lange.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24