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Lifestyle
10.11.2021

Stress kann viele Ursachen haben

Die Herzgruppentherapeutin Pascal Sidler stellte die Referentin Rahel Niederberger vor. Bild: Ernst Inauen
Die Herzgruppe Fürstenland organisierte kürzlich anstelle des regulären Trainingsabends einen speziellen, lehrreichen Bildungsanlass. Die Physiotherapeutin Rahel Niederberger referierte über das Thema Stress und Ressourcen zur Stressbewältigung.

Von Ernst Inauen

Die 2006 gegründete Herzgruppe Fürstenland bietet Betroffenen von Herz- und Kreislauferkrankungen die Möglichkeit, gemeinsam mit einem regelmässigen Fitnesstraining die körperliche Leistungsfähigkeit aufzubauen. Als 100. Herzgruppe der Schweiz erfüllte die Selbsthilfeorganisation das Bedürfnis von weiblichen und männlichen Personen mit Herzproblemen nach einem professionell durchgeführten Rehabilitationsprogramm. Die Zahl der teilnehmenden Frauen und Männer stieg rasch an und lag vor der Pandemie bei rund 20 Personen. Unter der Leitung eines Teams von Physio- und Herztherapeutinnen wird jede Woche ein Bewegungs- und
Fitnesstraining durchgeführt, abwechselnd in der Turnhalle der Sekundarschule Niederuzwil und im Fitnesscenter Postma in Oberuzwil. Im Rahmenprogramm organisiert die Gruppe gesellige Anlässe und sporadisch referieren Fachpersonen über gesundheitsrelevante Themen. Leider mussten in den letzten anderthalb Jahren wegen der Coronapandemie die Treffs reduziert und teilweise ganz eingestellt werden. Die angeordneten Massnahmen hatten auch einen markanten Rückgang der Teilnehmerzahlen zur Folge.

Definition des Begriffs Stress

Zu einem speziellen Anlass trafen sich zehn Mitglieder der Turngruppe von Pascal Sidler in der Turnhalle der Sekundarschule Niederuzwil. Die St.Galler Physiotherapeutin Rahel Niederberger vermittelte ihnen im lehrreichen Bildungsabend umfassende Kenntnisse über das Thema Stress. Im ersten theoretischen Teil gab die Referentin den Teilnehmenden die Gelegenheit, über Gründe für Stress und über Ressourcen nachzudenken. Bei der anschliessenden Besprechung wurden zahlreiche Gründe für akuten oder chronischen Stress angeführt. Ebenso viele Ressourcen zur Erholung oder Abwehr von Stress kamen zur Sprache. In der Folge definierte Rahel Niederberger die Begriffe Stress und Ressourcen. „Stress ist eine erhöhte körperliche oder seelische Anspannung und Belastung, die bestimmte Reaktionen hervorruft und zu Schädigung der Gesundheit führen kann. Er kann als Herausforderung oder Überforderung eingestuft werde“, lautete ihre Definition. Eine lange Einwirkungszeit oder häufiges Auftreten führe zu chronischem Stress, während ein akuter Stress durch ein unerwartetes Lebensereignis ausgelöst werden könne.

Die Referentin erklärte das Zusammenspiel von Hormon- und Nervensystem. Bild: Ernst Inauen
Aufmerksame Zuhörer bei der theoretischen Einführung zum Thema Stress. Bild: Ernst Inauen

Individuelle Anwendungen von Ressourcen

Die Teilnehmer, die vorwiegend zu den Senioren im Rentenalter gehören, machten sich auch Gedanken über Aktivitäten (Ressourcen), welche physische oder psychische Belastungen ausgleichen oder verhindern können. Auch hier gab es viele Rückmeldungen über körperliche Betätigungen wie Wandern oder Fitnesstraining, entspannte Gesprächsrunden oder lösungsorientierte Behandlung von Problemen. Die Referentin umschrieb die Bedeutung der Ressourcen. „Als Ressourcen bezeichnet man in der Psychologie die einem Menschen zur Verfügung stehenden, von ihm genutzten oder beeinflussten, schützenden und fördernden Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten“, erklärte sie. Sie würden es ermöglichen, Situationen zu beeinflussen oder unangenehme Einflüsse zu reduzieren. Ressourcen bezeichnen somit all jene Potenziale, die Menschen in der Auseinandersetzung mit alltäglichen Problemen und Belastungen an ihrer Identität aktivieren können.

Ressourcen steigern und aktiv entspannen

In einem nächsten Schritt erklärte Rahel Niederberger, was im Körper bei Stresssituationen abläuft. „Stress gehört zum alltäglichen Leben und ist ein Zusammenspiel von Hormon- und Nervensystem. Ein Stressor löst einen Reiz, eine Aktivierung der Sinnesorgane aus“. Im Extremfall könne die Sympathikusfunktion überlebenswichtig sein, weil sie zusätzliche Kräfte mobilisiere. Wenn der Stress aber dauerhaft überfordere, könne er auch krank machen. Deshalb sei es wichtig, zu viel Stress zu vermeiden. Nach diesem ausführlichen Theorieteil zeigte die Physiotherapeutin einige Übungen, mit denen die körperliche Fitness und das Gleichgewicht verbessert werden kann. Abschliessend folgte eine längere Phase mit Entspannungsübungen. Auf den Matten liegend fanden die Teilnehmer mit autogenem Training nach sieben Übungen in die Aufwachphase und zur Ruhe zurück. Den spannenden Trainingsabend beurteilten die meisten Teilnehmer als sehr interessant und verdankten ihn mit Applaus.

Weitere Informationen in der Homepage www.herzgruppefuerstenland.com.

Für die praktischen Übungen verteilten sich die Mitmachenden bei den Matten, coronabedingt mit entsprechendem Abstand. Bild: Ernst Inauen
Übung zur Stärkung der Bein- und Rückenmuskulatur. Bild: Ernst Inauen
Individuelle Betreuung durch die Instruktorin wenn gewünscht. Bild: Ernst Inauen
Abschliessend Autogenes Training mit langer Entspannungsphase. Bild: Ernst Inauen
Ernst Inauen