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Wirtschaft
20.11.2021
22.11.2021 11:44 Uhr

Börsen kaum beeindruckt von Corona und Inflation

Nach den Höchstkursen im August konnten sich die Aktienbörsen überraschend nochmals steigern, so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
Trotz steigender Corona-Fallzahlen, Inflation, Rohstoff-Verknappung und Zinsängsten folgte die Schweizer Börse dem Trend: Der SMI erreichte mit fast 12'600 Punkten diese Woche neue Allzeit-Höchstmarken.

Umfangreiche Konjunktur- und Infrastrukturpakete in den USA und Japan im Umfang von fast 2'000 Milliarden USD unterstützten den Optimismus. Trotz Inflation, Rohstoffverknappung, angespannten Transportkapazitäten und wieder stark steigenden Corona Fallzahlen setzte sich das Rally fort.  

Die Präsidenten der USA und von China führten virtuelle Gespräche. Inhaltlich wurde fast nichts Neues bekannt. Diese Kontakte wirkten aber entspannend im andauernden Handelskonflikt. 

Der Klimagipfel in Glasgow wurde abgeschlossen, die Länder einigten sich zögernd auf die Ablösung des Erdöls hin zu umweltschonenderen Lösungen und mehr Schutz der tropischen Regenwälder.

Bei den Währungen fiel der starke Schweizerfranken auf, vor allem gegenüber dem Euro. Ökonomen erklären dies mit Inflationsdifferenzen. Positiver Nebeneffekt ist hier der Druck auf die CHF-Zinsen, was zu leicht fallenden Sätzen für neu abgeschlossene Festhypotheken führte.

Unternehmensnachrichten

Beim Pharmakonzern Roche findet am Freitag, 26. November 2021 eine a.o. GV statt. Traktandiert sind der Rückkauf des Aktienpakets von Novartis und die Kapitalherabsetzung, welche den Besitzanteil des Familienpools erhöht. Roche bringt auch ein neues Diagnosesystem auf den Markt. Bei «Cobas 5800» handelt es sich um ein Diagnosesystem, das den Zugang zu Tests und die Patientenversorgung verbessert.

Implenia erhält in Kooperation mit dem italienischen Partner Webuild Group den Auftrag für den Bau am Brenner-Basistunnel zwischen Österreich und Italien. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 690 Mio. CHF. Implenia ist mit 50 Prozent daran beteiligt. Der erteilte Zuschlag ist bereits rechtskräftig.

Beim Hörgerätehersteller Sonova läuft es derzeit sehr gut. So verzeichnete der Konzern im ersten Halbjahr 2021/22 einen Umsatzsprung von 50 Prozent auf 1,6 Mrd. CHF). Gewinnmässig legte das Unternehmen ebenfalls deutlich zu auf 302 Mio. CHF (+48,5%).

Auch der Versicherungskonzern Zürich ist wieder auf Kurs und hat die Corona Krise überwunden. Das Ziel einer Eigenkapitalrendite soll übertroffen werden gemäss einem Investorentreffen. Beträgt die Rendite im ersten Halbjahr 2021 noch 13 Prozent, soll diese im Gesamtjahr 2022 rund 15 Prozent erreichen. Die Dividendenausschüttung wird weiterhin überdurchschnittlich hoch bleiben.

Der Versicherer Baloise erwartet verstärktes Wachstum im Geschäft mit Lebensversicherungen. Das Geschäftsvolumen legte insgesamt auf 7.66 Mrd. zu (9 Monate). Das Prämienvolumen im Lebensgeschäft stieg dabei um 4.5 Prozent auf 2.75 Mrd. und dasjenige im Nicht-Lebensgeschäft um knapp 7 Prozent auf 3.37 Mrd. Die Schäden durch die Unwetter und Hagel im Sommer 2021 kosten den Versicherer 120 Mio. CHF.

Holcim wird nachhaltiger und diversifiziert. Bei der Zementherstellung entstehen grosse Mengen an CO₂. Der Konzern setzt verstärkt auf neue  Geschäftszweige durch Akquisitionen und will bis 2050 klimaneutral werden.

Die Grossbank UBS kann Steuerstreit mit Belgien beilegen und schliesst einen Vergleich mit der belgischen Justiz ab, muss aber noch knapp 50 Mio. EUR zahlen.

Aussichten

Es hat überrascht, dass die Aktienbörsen nach den Höchstkursen im August sich nochmals steigern können. Die wirtschaftliche Erholung nach dem Corona-Jahr 2021 war grösser als erwartet. Besonders stark ist das Wachstum im Pharmabereich und den zyklischen Werten (Maschinen, Metalle, Elektronik).

Bremsklötze sind jedoch die Verknappung der Rohstoffe und Halbfabrikate, begrenzte Transportkapazitäten und Fachkräftemangel. Neu hinzu kommt nun auch wieder die Frankenstärke. Die Zinsen bleiben vorerst tief und die Aktien infolge des Anlagenotstands begehrenswert. Wie lange die Hausse weiter dauert, kann aber analytisch kaum berechnet werden.

Unbekannt sind auch die Auswirkungen der neuen Pandemiewelle. Österreich geht wieder zum Lockdown über und will Impfzwang einführen. Mit Verschärfungen wartet die Schweiz noch ab, dies aus taktischen Gründen bezüglich der Abstimmung (Covid-Gesetz) von 28. November 2021.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24