CANTORES CORDE: FÜR SIE IN ST.GALLEN, ROMANSHORN, WIL UND WEINFELDEN


Die Cantores Corde, Chor und Orchester mit Herz, laden an den kommenden zwei Wochenenden zu insgesamt vier Konzerten „Stabat Mater“ in St.Gallen, Romanshorn, Wil und Weinfelden ein. Wir sprachen mit Präsident Silvan Isenring über die Cantores Corde und geben Ihnen die Details zu den Konzerten. Der Eintritt ist frei.


Herr Isenring, wie sind die Cantores Corde entstanden?
Silvan Isenring: Cantores Corde wurden im Jahr 1990 als Idee unseres Gründers und Dirigenten Karl Paller ins Leben gerufen. Es ging ihm darum, ein Zusammenspiel von professionellen Musikern mit engagierten Laien zu prägen, worin das Musizieren mit Herz (corde) im Vordergrund stehen soll.

Wie hat sich Cantores Corde in den letzten Jahren entwickelt? Was macht sie besonders?
Silvan Isenring: Viele Mitglieder von Chor und Orchester sind seit vielen Jahren dabei, dazu kommen immer wieder neue Gesichter, so dass wir eine gute Mischung beieinander haben. Das Besondere: In einer gemeinsamen Musikwoche in Südtirol (Chor, Orchester, Solisten) fügen wir alle Teile des jeweiligen Werkes zu einem Ganzen zusammen. Neben der Musik geniessen wir das gesellige Beisammensein, die wunderbare Natur und ein vorzügliches Essen. Dieses Gemeinschaftserlebnis wirkt sich – so glauben wir – auf die Qualität unserer anschliessenden Konzerte in der Schweiz aus.

Sind die Konzerte auch attraktiv für die jüngere Generation? Was gibt es zu entdecken?
Silvan Isenring: Natürlich braucht es von der jüngeren Generation eine gewisse Offenheit gegenüber der klassischen Musik und Freude am Singen; wer dies aber mitbringt, entdeckt vielleicht in unseren Konzerten, dass auch „alte Musik“ sehr lebendig und herzhaft sein kann. Uns geht es jedenfalls so.

Herr Isenring, herzlichen Dank und viel Erfolg!


Vier Konzert-Termine

STABAT MATER
ANTONIN DVORAK (1841 – 1904)

Stefanie Steger, Sopran
Astrid Pfarrer, Alt
Jörg Dürmüller, Tenor
Flurin Caduff, Bass

Chor und Orchester Cantores Corde
Karl Paller, Leitung

Samstag, 19. Oktober 2019, 19:30 Uhr
Kirche St. Laurenzen, St. Gallen

Sonntag, 20. Oktober 2019, 17:00 Uhr
Evang. Kirche, Romanshorn

Samstag, 26. Oktober 2019, 19:30 Uhr
Kreuzkirche, Wil SG

Sonntag, 27. Oktober 2019, 17:15 Uhr
Kath. Kirche, Weinfelden


Werkbeschreibung

von Philipp Stoffel-Dabrowski

Stabat Mater – oder doch auch: Stabat Pater?

Die Mutter Jesu steht am Kreuz ihres Sohnes und beweint ihn, den Religionsstifter und Erlöser, den Ursprung des Christentums. Ihr Schmerz wird in einem mittelalterlichen Gedicht ungesicherter Provenienz beschrieben und ist seit der Renaissance in rund 60 mehr oder weniger bekannten Versionen vertont. Die verschiedenen Werke versuchen, jedes auf seine Art, die Trauer einer Mutter – DER Mutter – über den Verlust ihres Kindes – Christus – in Töne zu setzen. Wie unglaublich mutet demgegenüber Dvořáks eigene Geschichte an: Im Dezember 1875 verlieren er und seine Gattin Anna ihr erstes Kind, Josefa, 11 Tage alt. Im August 1877 folgt die elf Monate alte Ružena (durch eine Vergiftung), und der dreijährige Sohn Otakar wird von den Windpocken dahingerafft. Wahrlich Schicksalsschläge, die nur schwer vorstellbar zu verarbeiten sind. Nicht so Dvořák: Er schafft mit seiner Deutung des Marienschmerzes eines seiner populärsten Werke, es wird 1877 vollendet, aber erst drei Jahre später in Prag uraufgeführt. Seither erobert es alle Konzertstätten dieser Welt.
Der Text des Stabat Mater besteht aus insgesamt zehn Strophen. In der ersten («Stabat Mater») beschert uns Dvořák eine gigantische Exposition des Werkthemas und das allein schon wegen der schieren Dauer von circa 20 Minuten dominanter Chromatik und mit mehreren verzweifelten Gefühlsausbrüchen. Die zweite Strophe («Quis est homo») ist geprägt von eindrücklichen Klagemotiven, sowohl im Solistenquartett als auch im Orchester. Die dritte Strophe («Eja Mater, fons amoris») lässt die Zuhörer an einem Trauerzug teilnehmen, er beginnt, wie er endet: In rhythmischer Stille. «Mein Herz möge brennen» heisst es in der vierten Strophe. Mehrere Male bittet der Basssolist darum, die Bläser unterstützen ihn in seinem Wunsche, die Musik moduliert mehrfach durch den Quintenzirkel und schliesst trotz düsterem b-Moll irgendwie getröstet. Die fünfte Strophe («Tui nati vulnerati») bringt endlich so etwas wie Trost: Ein wiegender 6/8-Takt löst den zuvor aufgestauten Schmerz mit süsser Harmonie. In der sechsten Strophe («Fac me vere tecum flere») lässt Dvořák den Tenorsolisten in gleissendem H-Dur weinen und immer wieder daran erinnert werden: Jesus ist und bleibt gekreuzigt. Die siebte Strophe («Virgo virginium praeclara») ist ein wunderbar berührender, ruhiger Chorsatz. In der achten Strophe («Fac ut portem Christi mortem») erinnert die Einleitung an den grossen Symphoniker Dvořák mit den ineinander geschachtelten Rhythmen, bevor Sopran- und Tenorsolo ihr Leid gemeinsam vortragen, umwoben von einem murmelnden Klangteppich des Orchesters. Die neunte Strophe bringt den Zuhörer mit stampfendem d-Moll in die Nähe des jüngsten Gerichts, Christi Kreuz möge in F-Dur davor behüten, bevor die Strophe in versöhnlichem D-Dur schliesst. In der zehnten und letzten Strophe schliesst Dvořák den Kreis zum Thema der ersten Strophe, leitet das Werk über eine grosse Fuge – wieder gespickt mit Chromatik – in eine mystische Auferstehungsvision: Marias Schmerz ist besiegt, und wohl auch der von Antonín Dvořák – er und seine Frau haben sechs weitere, gesunde Kinder…


Link zur Website der Cantores Corde


Plakat