„DIE IG KULTUR WIL IST AUF ERFOLGSKURS“


In diesem Jahr wird die IG Kultur Wil als Dachorganisation der Kulturintressierten fünf Jahre alt. Präsident Sebastian Koller und Vizepräsident Erwin Böhi nehmen eine Standortbestimmung vor.


(Interview: Adrian Zeller)

Sebastian Koller, Erwin Böhi, am 12. März diesen Jahres stimmte das Wiler Stadtparlament mit 25 Ja zu 9 Nein der Motion zur Umnutzung der Liegenschaft «zum Turm» in ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum zu. Wie geht es nun weiter?

E. Böhi: Wir haben in der Motion gefordert, dass die Ausarbeitung des Umbau- und Betriebskonzepts breit abgestützt sein soll. Dementsprechend hat der Stadtrat mittlerweile drei Termine festgelegt, um mit Vertretern von Interessengruppen und Parteien sowie mit Planungsfachpersonen in Workshops die Nutzungsszenarien zu diskutieren. Es geht also vorwärts.

S. Koller: Seitens der IG Kultur Wil und der parlamentarischen Arbeitsgruppe Kulturpolitik werden wir die Entwicklung des Projekts aufmerksam verfolgen, unsere Ideen einbringen und darauf achten, dass es nicht zu Verzögerungen kommt.

Von welchem Zeithorizont bis zur Eröffnung dieses Zentrums gehen Sie aus?

E. Böhi: Die drei Workshops finden im August, im September und im November statt. Somit gehe ich davon aus, dass im Frühling 2021 ein Konzept bereit sein wird, das anschliessend dem Stadtparlament zur Beratung unterbreitet wird. Entscheidend ist, dass die Planungsarbeiten am Laufen sind; alles andere folgt dann gewissermassen automatisch, wobei ich hoffe, dass 2022 mit den notwendigen baulichen Arbeiten begonnen werden kann.

Die Umnutzung der Liegenschaft «zum Turm» war erklärtermassen seit Beginn ein Kernanliegen der IG Kultur Wil. Wie geht es Ihnen mit der Tatsache, dass das Ziel nun in greifbarer Nähe liegt?

E. Böhi: Ich bin natürlich sehr froh, dass Bewegung in die lange festgefahrene Sache gekommen ist, dank dem Zustandekommen einer 2/3-Mehrheit für unsere Motion im Stadtparlament. Dieses klare Signal an den Stadtrat hat Wirkung gezeigt, denn die Planungsarbeiten wurden zügig an die Hand genommen.

Strebt die IG Kultur Wil nun weitere Projekte an?

S. Koller: Neben dem Umbau- und Betriebskonzept für den «Turm» werden in nächster Zeit noch zwei weitere kulturpolitisch bedeutsame Infrastrukturprojekte im Parlament beraten, nämlich die 3. Bauetappe Hof zu Wil und die Sanierung des Gare de Lion. Auch mit diesen Geschäften werden wir uns aktiv auseinandersetzen. Weitere Infrastrukturprojekte sind für uns im Moment kein Thema, denn wir wollen das Fuder nicht überladen. Aber natürlich gibt es noch andere kulturpolitische Themen, die auf unserer Agenda stehen. Insbesondere möchten wir den Austausch mit Partnerorganisationen intensivieren.

Wie geht es der IG fünf Jahre nach der Gründung insgesamt?

S. Koller: Die IG konnte nach der Gründung rasch einen ansehnlichen Mitgliederbestand aufbauen und war sehr aktiv, doch erzielte sie in Bezug auf ihr Kernanliegen «Turm» keinerlei Fortschritte. Eine veränderte Strategie drängte sich auf. Eine neue Vereinsleitung machte sich an Werk. Heute ist die IG wieder fit und politisch auf Erfolgskurs. Nun gilt es, den Schwung zu behalten. Die Corona-Pandemie hat uns leider einen Dämpfer versetzt, weil verschiedene Aktivitäten nicht stattfinden konnten und die allgemeine Stimmung im Kultursektor getrübt ist. Nichtsdestotrotz setzen wir den eingeschlagenen Weg Schritt für Schritt fort.

Im kommenden Herbst sind in Wil Erneuerungswahlen. Wird die IG als Lobbyorganisation für die Kultur in der Stadt Einfluss nehmen, etwa durch Wahlempfehlungen oder durch Forderungen?

S. Koller: Mit der parlamentarischen Arbeitsgruppe Kulturpolitik verfügen wir bereits über ein ideales Gefäss für unsere Lobbyarbeit. Eine Einmischung in den Wahlkampf wäre unnötige Effekthascherei. Unser Ziel ist es, durch parteiübergreifende Kooperation und Überzeugungsarbeit im Hintergrund tragfähige Allianzen für kulturelle Anliegen zu schmieden.

E. Böhi: In der Arbeitsgruppe Kulturpolitik sind alle Fraktionen vertreten und ich gehe davon aus, dass sie auch im neu gewählten Parlament weiterbestehen wird, allenfalls in einer anderen Zusammensetzung. Die Arbeitsgruppe wurde für sachpolitische Themen und nicht zu parteipolitischen Zwecken gegründet und ich sehe sie nicht als Wahlkampfinstrument.

Erwin Böhi, vor zwei Jahren waren Sie Mitinitiant eines Podiumsgesprächs zur Lage der Kultur in Wil. Von den Gesprächsgästen wurde zum Teil harsche Kritik geübt. Es hiess etwa, im kulturellen Bereich herrsche in Wil ein Schrebergartendenken. Im Weiteren wurden ausreichende Angebote für ein junges Publikum bemängelt, und die zu wenig engagierte Unterstützung der Stadt für Kulturschaffenden und -veranstalter wurde kritisiert; Kultur werde in Wil vor allem bürokratisch verwaltet, hiess es. Hat sich aus Ihrer Sicht seither etwas zum Positiven verändert oder würde heute der Tenor an einem weiteren Podiumsgespräch ähnlich klingen?

E. Böhi: Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich, und dazu gehört auch die Kulturpolitik, brauchen ihre Zeit. So gesehen sind zwei Jahre wohl nicht genug, um eine objektive Beurteilung abzugeben, abgesehen davon, dass sie von den damaligen Kritikern kommen müsste. Mit der Neuaktivierung der IG Kultur und dank ihrem dynamischen Präsident Sebastian Koller, der auch die Gründung der Arbeitsgruppe im Parlament angeregt hat, weht aber ein neuer kulturpolitischer Wind. Zudem zeigt die Tatsache, dass endlich die Nutzung der Liegenschaft Turm an die Hand genommen wurde, wie sich die Kulturpolitik in Wil zum Positiven entwickelt.


http://www.ig-kultur-wil.ch/