DIE WILER IG KULTUR WIRD ES AUCH IN ZUKUNFT GEBEN


Die IG Kultur Wil stand im April 2018 an der Hauptversammlung vor der Auflösung. Über den Sommer bemühte sich ein Interimsvorstand um eine Weiterführung und Neupositionierung. Um die Stimmung bei den Mitgliedern und den Interessierten zu erfahren, lud er am Samstagmorgen zu einem offenen Diskussionsforum ein.


(Adrian Zeller)
Sebastian Koller vom Interimsvorstand der IG Kultur Wil konnte um 9 Uhr rund 20 Anwesende begrüssen, unter ihnen auch den St. Galler Regierungsrat und Vereinsmitglied Stefan Kölliker sowie Walter Engelhard, Gründer und ehemaliger Präsident der IG.
Wie Sebastian Koller ausführte, habe man das El Pincho zum Wilden Mann in der Wiler Altstadt als Versammlungslokal nicht zufällig gewählt. Die drei neuen Gastgeber stünden für Aufbruch, sie wollten Tradition und Innovation verbinden, dies sei auch das Anliegen der IG.

Engagement endete in Frustration

Sebastian Koller hielt eingangs einen kurzen Rückblick auf die zweijährige Vorgeschichte der IG. Engagiert aber wenig erfolgreich hatte sich der Vorstand um eine modulare Bühne sowie um eine Einrichtung eines «Haus der Kultur» bemüht. Er fand nicht die erforderliche Unterstützung der Politik. Auch das neue Benutzungsreglement für städtische Turnhallen und Probelokale erzeugte viel Unmut. Dies habe zu einiger Frustration im Vorstand geführt, sodass er die IG auflösen wollte. Dabei spielte auch ein Defizit an neuen Vorstandmitgliedern eine Rolle.

Stimmungsbild erkunden

Im offenen Diskussionsforum wollte der Interimsvorstand erfahren, wie die Stimmung bei den Mitgliedern ist und wie die Strategie der IG für die kommende Zeit aussehen soll.
Seitens der Anwesenden kam es zu einer engagierten, aber konstruktiven Diskussion. Regierungsrat Stefan Kölliker betonte etwa, dass man sich für die Geldbeschaffung für die weitere Tätigkeit der IG nicht einfach auf die öffentliche Hand verlassen sollte, auch Stiftungen sowie private Donatoren sollten angesprochen werden, um damit eine stabile Finanzierung zu erreichen. Öffentliche Gelder könnten auch wieder gestrichen werden, auf sie könne man nicht langfristig verbindlich zählen.

Politisches Lobbying ist im Entstehen

Wie im Plenum weiter erläutert wurde, haben verschiedene Mitglieder des Stadtparlaments von sich aus ihre Bereitschaft zur Bildung einer parlamentarischen Kulturarbeitsgruppe bekannt gegeben. Diese Absicht wurde erfreut zur Kenntnis genommen. Eine parteiübergreifende Vertretung der Anliegen der Kulturschaffenden in der Politik wäre eine entscheidende Basis, um die entsprechenden Anliegen mit noch mehr Gewicht vertreten zu können.
Im Weiteren wurde die erforderliche Verbesserung der Werbung für Kulturveranstaltungen in Wil angesprochen, im Internet gäbe es heute zahlreiche Möglichkeiten, sie sollten vermehrt ausgeschöpft werden. Seitens des Interimsvorstands werden Workshops für interessierte Vereinsvorstände und Kulturschaffende zu diesem Thema im kommenden Jahr in Aussicht gestellt.
Junge Menschen sollen aktiver werden
Es wurde bemängelt, dass es in Wil wenig kulturelle Angebote für junge Erwachsene gebe. Sie müssten in die grösseren Städte ausweichen. Einerseits sollte es mehr Angebote geben, diese Altersgruppe sollte ihrerseits auch mehr Eigeninitiative für eigene Kulturprojekte entwickeln.

Kulturhaus könnte einiges auslösen

Das Thema `Haus der Kultur` in der Liegenschaft Turm kam mehrmals zur Sprache. Regierungsrat Stefan Kölliker wies darauf hin, dass die Eröffnung der Lokremise in St. Gallen einen kulturellen Entwicklungsschub in St. Gallen ausgelöst habe. In Wil könnte ein `Haus der Kultur` einen ähnlichen Effekt haben.
Gegen 11 Uhr endete das offene Forum. Der Interimsvorstand der IG Kultur Wil stellte seitens der Anwesenden ein Wohlwollen und eine Bereitschaft zur Weiterführung der IG fest, eine Auflösung, die im April 2018 erwogen wurde, scheint vom Tisch. Der Vorstand plant eine ordentliche Mitgliederversammlung anfangs 2019.