DRINGLICHE ANFRAGE BETREFFEND KINDERBETREUUNG IN DER STADT WIL


Brigitte Gübeli, CVP Fraktion Stadtparlament Wil, hat eine Dringliche Anfrage an den Stadtrat gerichtet.


Kinderbetreuungsinstitutionen in der Stadt Wil –
trotz Systemrelevanz im luftleeren Raum?

Seit der Bund weitreichende Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise kommuniziert hat, sind die Kinderbetreuungsinstitutionen in der Schweiz verpflichtet, ihren Betrieb trotz allem am Laufen zu halten. Dies aus gutem Grund. Eltern in systemrelevanten Berufen müssen die Möglichkeit haben, ihre Kinder weiterhin betreuen zu lassen. Gleichzeitig sind die davon ausgenommenen Eltern gebeten, ihre Kinder während der Krise selber zu betreuen und die Institutionen zu entlasten.
Dies ergibt die schwierige Situation, dass diese Eltern – obwohl ihr Kind oder ihre Kinder nicht mehr fremdbetreut werden – die Kosten dafür dennoch weitertragen müssen. Kündigungen möchte man natürlich soweit wie möglich ausschliessen, denn die Betreuungsinstitutionen hätten grösste Mühe, den Betrieb mit dem Ausfall von Elternbeiträgen aufrecht zu erhalten. Fixkosten wie Löhne oder Miete müssen weiterbezahlt werden. Wie wir alle wissen, war genau diese Branche schon vor der Krise nicht auf Rosen gebettet und das Wasser steht nun buchstäblich bis zum Hals. Dies führt zur gesellschaftlich inakzeptablen Situation, dass Eltern, die aktuell vielleicht auch stark belastet sind, die Aufrechterhaltung einer Grundversorgung finanzieren.
Jetzt hat der Bund am Freitag, 3. April 2020 entschieden, dass er neben den milliardenschweren Krediten für die Betriebe, die vom Lockdown betroffen sind, keine Mittel für die Betreuungsinstitutionen sprechen wird – sondern dies den Kantonen und Gemeinden überlässt.
Da ich seitens Kanton bis anhin keine Anzeichen in diese Richtung vernommen habe, bitte ich unsere Stadt eindringlich und rasch mit den paar wenigen Betrieben und Organisationen auf dem Platz Wil das Gespräch zu suchen und zumindest einen Unterstützungsbeitrag / Defizitgarantie für die ausfallenden Einnahmen zu übernehmen. Natürlich sind auch andere Massnahmen denkbar. Die Stadt muss jetzt Lösungen finden. Im Grundsatz geht es darum, dass diese, vom Bund ausdrücklich als systemrelevant bezeichneten, Institutionen ihren Betrieb aufgrund der fehlenden Einkommen nicht einstellen müssen. Darüber hinaus wäre es ein äusserst wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung einer diesbezüglich nicht verwöhnten Branche. Sie leistet – einmal mehr – auch jetzt in diesen besonderen Zeiten und unter diesen ganz aussergewöhnlichen Umständen eine unverzichtbare und wertvolle Arbeit. Dies soll die Stadt gerne auch gegenüber dem Kanton mit Nachdruck betonen, bis wir am Ziel einer nachhaltig und professionell geführten Betreuungsstruktur (gerade auch im Bereich der frühen Förderung) angelangt sind.
Sollten diese Institutionen nun um ihr Überleben bangen und ihre Tore schliessen müssen, wäre dies ein herber Verlust für die Bestrebungen in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für den Wiedereinstieg und die Beibehaltung von zahlreichen Fachkräften, die insbesondere nach der Krisensituation mehr als gefragt sind, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Eine «Betreuungskrise» würde unsere Volkswirtschaft auf längere Zeit belasten. Kommt jetzt keine rasche finanzielle Unterstützung oder Absicherung seitens Stadt, sind auch alle Investitionen, die man vor der Krise in diese Betreuungsinstitutionen gesteckt hat, verloren. Die Stadt muss baldmöglichst Farbe bekennen und unbürokratisch helfen. Sonst dürfte sie bald vor der Situation stehen, die ausserfamiliäre
Betreuung in Zukunft selber auf die Beine stellen zu müssen. Die Betriebe auf dem Platz Wil benötigen jetzt ein Zeichen. Wann und wie kommt dieses?

Brigitte Gübeli, CVP Fraktion