DUO FUGANTE – FLURINA SAROTT UND MARIETTA BOSSHART BEGEISTERTEN


Am zweiten Baronenhauskonzert der Saison spielte das Duo Fugante Werke am letzten Wochenende aus verschiedenen Epochen. Darunter die bemerkenswerten „Alpensplitter“ des zeitgenössischen Komponisten Anatol Stefan Riemer.


Andrea Bosshart, die zusammen mit ihrem Mann Roland im Auftrag der Ortsbürgergemeinde Wil die Baronenhauskonzerte organisiert, zeigte sich an diesem frühen Sonntagabend erfreut über die grosse Publikumsschar, und das trotz des überwältigend schönen Wetters. Die Freude galt auch für die beiden jungen Musikerinnen Flurina Sarott, Violine und Marietta Bosshart, Oboe und Englischhorn: Beide hatten sich im Studium kennen gelernt und bereits viele gemeinsame Konzerte erlebt.

Musikalische Reise

„Musik ist wunderbar“ zitierte Roland Bosshart zur Begrüssung ein Gedicht von Hildegard Prackel: „Musik beginnt im Herzen, bezaubert dich und mich“. Mit diesem Worten war das Publikum so recht eingestimmt auf die Reise, zu welcher die beiden Musikerinnen ihre Zuhörerinnen und Zuhörer auf sympathische Art im Folgenden einluden. Marietta Bosshart erläuterte im Vorfeld jeweils die Werke, was zu einem aufmerksameren, verständigeren, vielleicht aber auch analytischeren Hören führte.


Blick voraus auf das nächste Baronenhauskonzert: Sonntag, 20. Januar 2019, 17.00 Uhr, Liederabend mit Leticia Kahramann, Sopran, Reto Knöpfel, Barrbariton und Andrea Wiesli, Klavier.


Homogenität

Am Beginn des Konzertes standen Duos zweier Mozart-Zeitgenossen: Des Franzosen Joseph Garnier, sowie des Italieners Giuseppe Cambini, wobei Letzterer ebenfalls in Paris wirkte, und das seinerzeit mit grossem Erfolg. Heiter und unbeschwert kamen diese beiden Duos daher, leichtfüssig, aber mit messerscharfer Präzision gespielt, was bei dem markanten Klang der beiden Instrumente unerlässlich ist. Ein überraschend melancholischer Einbruch vermochte wunderbar das Gefühl dieses Sonntags wiedergeben: So heiter und unbeschwert sich der Martinisommer angefühlt hatte, schwebte doch das Wissen um die nahende dunkle und kalte Jahreszeit über allem.
Klangliche Tiefe boten die anschliessenden fünf Inventionen von Johann Sebastian Bach, Bearbeitungen der ursprünglichen Kompositionen für Klavier. Der warme Klang des Englischhorns unterstützte diese Bearbeitung darin, zwei eigenständige Charaktere herauszubilden, die aber dennoch im Spiel der beiden Musikerinnen wunderbare Homogenität ausstrahlten.

Natureindrücke

„Im nächsten Werk sind Sie gefordert“, warnte Marietta Bosshart anschliessend. Anatol Stefan Riemer hatte in seinen „Alpensplitter“ Motive aus Richard Strauss‘ „Alpensinfonie“ verarbeitet. „Bei den Proben sind immer mehr Bilder entstanden“, erzählte Bosshart. Und in der Tat waren die „Alpensplitter“ dazu in der Lage, lebhafte Bilder einer Bergbesteigung zum Sonnenaufgang zu schaffen, sofern man in der Lage war, die Erwartung auf ein gehörfälliges Stück loszulassen. Damit führte Riemer die Intention Richard Strauss‘ weiter, mit seiner Programmmusik Natureindrücke wiederzugeben und in den Konzertsaal zu bringen. „Sie werden Töne hören, die Sie vorher noch nie gehört haben“, warnte Bosshart zu Beginn im Scherz. Und in der Tat: Mitten ins Stück mischten sich sogar Trommelwirbel eines Tambours – was freilich von draussen kam, wo auf dem Hofplatz ein Martinsumzug stattfand.
Aus der Epoche des Barock spielte das Duo Franz Wilhelm Ferlings Duo op13 in C-Dur. Das romantische Stück rundete das Konzert harmonisch ab.