DV DES ZAB: FITNESSPROGRAMM FÜR DEN ENERGIEPARK BAZENHEID


Aufgrund des angeordneten Versammlungsverbots konnte die am 7. Mai angesetzte Rechnungsdelegiertenversammlung des ZAB nicht durchgeführt werden. Die Delegierten genehmigten die traktandierten Geschäfte jedoch durch schriftliche Abstimmung.


Im Zentrum standen die Berichterstattung über ein erfolgreiches Geschäftsjahr sowie die Genehmigung der Jahresrechnung 2019. Ferner erteilten die Delegierten dem Verwaltungsrat die Kompetenz, sich als ZAB an einer geplanten Aktiengesellschaft zur Rückgewinnung und Veredelung von Phosphor am Standort Bazenheid zu beteiligen.

Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sammelt und verwertet Haushalts-, Industrie- und Gewerbeabfälle sowie Schlämme aus kommunalen und industriellen Kläranlagen. So wurden im Geschäftsjahr 2019 in den thermischen Anlagen Bazenheid rund 155‘000 Tonnen Abfälle und Schlämme verarbeitet.

Gutes Geschäftsjahr 2019

Der ZAB darf auf ein erfreuliches Geschäftsjahr 2019 zurückblicken. Der Verband erwirtschaftete einen Ertragsüberschuss von rund 8,5 Millionen Franken. Das gute Ergebnis ist vor allem auf höhere Verarbeitungsmengen in den Thermischen Anlagen sowie im Sortierwerk Bazenheid zurückzuführen. Die erwirtschafteten Mittel werden für künftige Projekte rückgestellt. Namentlich das zukunftsorientierte Projekt „Optimierung des Energieparks Bazenheid“ wird diese finanziellen Mittel beanspruchen.

Optimierung Energiepark Bazenheid

Im Zentrum des Geschäftsjahres 2019 standen die Vorbereitungs- und Planungsarbeiten zur Erneuerung und Effizienzsteigerung der Thermischen Anlagen Bazenheid. Nachdem in den Jahren 2012 bis 2014 mit dem Ersatz der Feuerung und des Kessels der Ofenlinien 1 und 2 sowie der Inbetriebnahme einer 40-bar-Turbine die thermischen Anlagen in Bazenheid teilerneuert wurden, soll der Energiepark Bazenheid mit dem Projekt bis ins Jahr 2022 nochmals wesentlich und nachhaltig optimiert werden.

Im Zentrum stehen der Ersatz der Feuerung und des Kessels der Verbrennungslinie 3, der Ersatz der Entstaubungsanlagen sowie der Ersatz der nasschemischen Reinigung aller Linien mit einer Trockenreinigungsstufe. Mit dem Umbau wird die Betriebseffizienz der Anlagen wesentlich verbessert. Im Vordergrund steht die Reduktion des Eigenenergiebedarfs. Mit all den geplanten Massnahmen wird es möglich sein, den Eigenenergieverbrauch um 20 bis 30 Prozent zu senken. Damit werden am Standort Bazenheid optimale Rahmenbedingungen für die künftige Energiebewirtschaftung geschaffen. Gleichzeitig werden aber auch ideale Voraussetzungen gelegt für den weiteren Ausbau der externen Energienutzung, beispielsweise den Bau der Fernwärmenetze in der Stadt Wil oder im Dorf Kirchberg. Zudem kann die Flexibilität in der Energieproduktion mit einer vermehrten Ausrichtung auf Bedarf und Nachfrage gesteigert werden. Das Projekt steht so im Licht einer nachhaltigen Klima- und Energiepolitik.

Leuchtturm im Energietal Toggenburg

Der ZAB ist der grösste Produzent erneuerbarer Energie im Toggenburg. Aus dem Energiepark Bazenheid werden aktuell die Betriebe Micarna S.A., Schlachtbetrieb St.Gallen AG, Ernst Sutter AG und TMF Extraktionswerk AG mit Prozessdampf sowie das Fernwärmenetz Bazenheid mit Komfortwärme versorgt. Im Jahr 2019 waren dies rund 54‘000 MWh Wärme. Parallel dazu konnten im gleichen Jahr auch 51’000 MWh Strom ins Netz der Regionalwerk Toggenburg AG eingespiesen werden.

Fernwärmenetz nimmt Formen an

In den Jahren 2013/14 konnte im Rahmen einer Machbarkeitsstudie aufgezeigt werden, dass ein Fernwärmenetz vom Energiepark des ZAB ins Dorf Bazenheid und in die Stadt Wil ökologisch wertvoll und technisch sowie wirtschaftlich machbar ist. Die Studie wurden durch das spezialisierte Fachbüro Calorex AG im Auftrag der Stadt Wil, der Technischen Betriebe Wil, der Dorfkorporation Bazenheid, der Gemeinde Kirchberg und des ZAB erstellt.

Gestützt auf diese Studie sind in den Jahren 2017 bis 2019 durch rwt Regionalwerk Toggenburg AG in Zusammenarbeit mit der Dorfkorporation Bazenheid drei Bauetappen des Fernwärmenetzes Bazenheid gebaut und erfolgreich in Betrieb genommen worden. Die in der Machbarkeitsstudie getroffenen technischen und wirtschaftlichen Eckelemente konnten gesamthaft bestätigt werden. Aktuell wird geprüft, ob auch das Dorf Kirchberg mit Fernwärme erschlossen werden soll. Die entsprechenden Planungsarbeiten durch rwt, die Gemeinde Kirchberg sowie durch den ZAB laufen. Interessant sind dabei vor allem mögliche Grossbezüger, öffentliche Bauten wie Schulhäuser, Altersheim und Neubauten im Dorfzentrum.

Auch für die Stadt Wil kann eine Fernwärmeversorgung ab dem Energiepark Bazenheid einen wichtige Option für eine interessante, wirtschaftliche und ökologische Wärmeversorgung darstellen. Im kommunalen Energiekonzept 2017 der Stadt Wil ist vorgesehen, bis zum Jahr 2050 einen Wärme-Energiebedarf von rund 70`000 MWh pro Jahr durch KVA-Fernwärme zu decken. Momentan laufen zusammen mit dem ZAB die Abklärungen auf Hochtouren und im Frühjahr 2021 wird die Stimmbürgerschaft von Wil voraussichtlich über das nachhaltige und zukunftsorientierte Fernwärmeprojekt befinden können.

Der ZAB wäre mit seiner Infrastruktur künftig in der Lage, den Bedarf an Wärme für die verschiedenen Fernwärmenetze jederzeit und nach Massgabe der saisonalen Bedürfnisse zur Verfügung zu stellen. Fernwärme schafft aus klima- und energiepolitischer Sicht ökologisch Mehrwerte und generiert regionale Wertschöpfung. Dies langfristig zu stabilen und attraktiven Konditionen.