FÖRDERVEREIN REGIONALSPITAL TOGGENBURG WATTWIL NIMMT SPITAL WIL INS VISIER


Der Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil lehnt die Vernehmlassungs-Vorlage «Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde» mit dem Modell «4plus5» als untauglich ab. Jegliche gesamtheitliche Betrachtung fehle der Volkswille werde missachtet, und die Regierung wolle „einfach so“ die Vernichtung von Millionen Franken von Steuergeldern hinnehmen. Mit gewissen Forderungen nimmt der Förderverein auch das Spital Wil ins Visier.


(Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil)
Der Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil fordert die St.Galler Regierung auf, vom Modell «4plus5» Abstand zu nehmen und den Strategieprozess nochmals zu öffnen. Für den Förderverein ist klar: Die von Volk und Kantonsrat 2014 beschlossene Vorlage zur Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil ist zu respektieren und, angepasst auf die aktuellen Bedürfnisse, umzusetzen. «Der bis heute bereits angerichtete Flurschaden bei den Patientinnen und Patienten, die verunsichert ausweichen, und beim Personal, das tausendfach verunsichert und in Existenzängste versetzt wurde, lässt sich schon gar nicht beziffern», ärgert sich Norbert Stieger, Vizepräsident des Fördervereins.


„Sollte die Idee von Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) trotz ihrer Untauglichkeit weiterverfolgt werden, wäre dies zuerst mit einem Pilotversuch in Wil zu machen, um Erfahrungen zu sammeln mit den Auswirkungen.“


Fünf Forderungen für eine versorgungsgerechte Strategie

Auch für den Förderverein ist klar: «Wenn es Überkapazitäten gibt in der St.Galler Spitallandschaft, muss logischerweise etwas gehen – aber dort, wo noch nichts entschieden und/oder namhaft investiert wurde – jedenfalls nicht so, wie es die Vernehmlassungs-Vorlage der Regierung vorsieht», erklärt Norbert Stieger. Der Verein hat deshalb fünf Forderungen formuliert:

  1. Es ist eine Strategie auszuarbeiten, die ein für das Toggenburg individuelles, versorgungsgerechtes Konzept vorsieht, dabei die spezielle topografische, geografische und verkehrstechnische Situation des Toggenburgs berücksichtigt und als neues Trägerschaftsmodell die von der Gemeinde Wattwil eingebrachte «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» vertieft und weiterverfolgt. Anstatt dass die Regierung der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg CHF 70 Mio. schenkt, soll sie einer eigenständigen Trägerschaft die Spitalimmobilie in Wattwil kostenlos überlassen.
  2. Diese Strategie ist auf einem umfassenden Daten-Fundament abzustützen, das transparente Standortrechnungen und die überkantonale Versorgungssituation umfasst.
  3. Der neue Strategievorschlag mit gesamtheitlicher Betrachtung soll das Kantonsspital langfristig stärken. Die Spitalregion 4 (SRFT) ist aufzulösen, das Spital Wil ist (bis auf Weiteres) der Spitalregion 1 (KSSG) zuzuweisen. Es darf keine weiteren Investitionen ins Spital Wil und/oder Finanzbeiträge an die SRFT sowie keine weiteren Verschiebungen von stationären Angeboten und/oder Mitarbeitenden von Wattwil nach Wil geben.
  4. Sollte die Idee von Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) trotz ihrer Untauglichkeit weiterverfolgt werden, wäre dies zuerst mit einem Pilotversuch in Wil zu machen, um Erfahrungen zu sammeln mit den Auswirkungen.
  5. Die Regierung hat dem Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil endlich noch eine inhaltliche Antwort auf seine Petition «Pro Spital Wattwil» zu geben.

„Es darf keine weiteren Investitionen ins Spital Wil und/oder Finanzbeiträge an die SRFT sowie keine weiteren Verschiebungen von stationären Angeboten und/oder Mitarbeitenden von Wattwil nach Wil geben.“


Kein Vertrauen mehr in die Regierung

Leider hat sich die Befürchtung bewahrheitet, die der Förderverein bereits im Juni 2018 äusserte: Die Regierung hat sich dem Diktat des Spitalverwaltungsrates unterworfen. Die Vernehmlassungsvorlage zeigt deutlich, dass dieser mit dem Grobkonzept nicht nur die generelle Stossrichtung vorgeben konnte, sondern geradezu «sakrosankte» Leitplanken. Die Regierung hat die demokratiepolitisch äusserst bedenkliche Haltung des Verwaltungsrates übernommen, gemäss welcher die Volksentscheide vom November 2014 zur Erneuerung und Sanierung der Spitäler Wattwil und Altstätten zur Makulatur verkommen.

Sind der Regierung die Volksrechte egal?

In Wattwil will die Regierung sogar in Kauf nehmen, dass die rund CHF 60 Mio., die in den neuen Bettentrakt investiert wurden, vernichtet werden. Dazu kommt, dass der Förderverein bis heute von der Regierung – abgesehen von einer rein formellen Eingangsbestätigung – keinerlei inhaltliche Antwort erhalten hat auf seine Petition «Pro Spital Wattwil». «Obwohl die Regierung alles getan hat, um unser Vertrauen in sie zu enttäuschen, sind wir nach wie vor der Meinung, dass Abstimmungsresultate und Volksrechte zu achten sind und dass der Kanton die Petition, unterzeichnet von 6’000 Personen, keineswegs ignorieren kann», hält Norbert Stieger fest.

Minimale Alternative

Vorsorglich hat der Förderverein für den Fall, dass seine Forderungen keine Beachtung finden, eine Minimalforderung formuliert: Bei Nichteintreten auf das Modell «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» wäre minimal die SRFT aufzulösen und das Spital Wattwil entweder in einer Spitalregion Toggenburg weiterzuführen oder allenfalls der Spitalregion 3 (Spital Linth) zuzuführen. «Wir sind überzeugt, dass die Bevölkerung des Toggenburgs und des Kantons St.Gallen eine langfristig nachhaltigere und günstigere Lösung für die Vereinfachung der St.Galler Spitallandschaft verdient hat», erklärt Norbert Stieger. «Und wir sind überzeugt, dass eine solche greifbar ist, wenn sämtliche Optionen vorurteilsfrei geprüft und die besonderen Ausgangslagen und Bedürfnisse der Regionen des Kantons, namentlich der speziellen Situation im Toggenburg, berücksichtigt werden.»