GUNZENREINER: „SCHLIESSUNG DES SPITALS WATTWIL WIRFT FRAGEN AUF“


Nach der heutigen Bekanntgabe des neuen Spitalstrategie durch die Regierung des Kantons St.Gallen wehrt sich der „Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil“ mit dem Wattwiler Gemeindepräsidenten Alois Gunzenreiner an der Spitze. Hier die Stellungnahme im Wortlaut.


Spitalstrategie blendet Unterversorgung im Toggenburg aus

Für den Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil ist die Versorgung im Toggenburg mit der Spitalstrategie, welche die Regierung heute präsentiert hat, nicht langfristig gesichert. Es droht ein Gesundheitsnotstand. Die Schliessung des Spitals Wattwil zugunsten des Standorts Wil wirft zahlreiche Fragen auf. Der Förderverein wird die Botschaft der Regierung im Rahmen der Vernehmlassung sehr kritisch prüfen. 

Mit dem Modell «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» hat die Gemeinde Wattwil bereits im März einen alternativen Beitrag für eine sichere finanzielle und qualitative Zukunft der Gesundheitsversorgung im Toggenburg geleistet. Dieses Modell lehnt die Regierung ab. Entscheidend ist für den Verein, dass die Grund- und Notfallversorgung im ganzen Toggenburg nachhaltig gesichert, die Arbeitsplätze erhalten und die Region als Standort nicht benachteiligt werden. Die Beurteilung der Strategie hängt deshalb davon ab, ob die Regierung diese Punkte in der Vorlage glaubwürdig und nachvollziehbar darlegen kann.

 

VR-Konzept plus «Globuli»

Angesichts der Ereignisse seit Mai 2018 und der schrittweisen Aushungerung des Spitals Wattwil fällt es dem Förderverein schwer, wieder Vertrauen in die St.Galler Regierung zu fassen. So, wie diese heute den Medien ihre neue Spitalstrategie vorgestellt hat, zeichnet sich ab, dass die Erwartungen des Vereins nicht erfüllt werden und die Gesundheitsversorgung im Toggenburg langfristig nicht gesichert ist. «Eine fundierte Beurteilung der äusserst umfangreichen Botschaft der Regierung ist heute noch nicht möglich. Auf den ersten Blick entspricht das Ganze faktisch dem Konzept des Verwaltungsrates vom Mai 2018, ergänzt um die Notfallstationen als ‹Globuli› zur Beruhigung der Bevölkerung», erklärt Alois Gunzenreiner, Präsident des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil. «Für das Toggenburg mit seiner speziellen geografischen und topografischen Lage stellen sich Fragen über Fragen. Wir werden die Botschaft deshalb im Rahmen der Vernehmlassung sehr kritisch prüfen.»

«Integrierte Gesundheitsversorgung» nicht geprüft

Stossend ist für den Förderverein insbesondere, dass die Regierung das Modell der «Integrierten Gesundheitsversorgung Toggenburg» der Gemeinde Wattwil mir nichts dir nichts vom Tisch gewischt hat. Weshalb der Kanton bei einer Übertragung der Spitalimmobilien in Wattwil später für allfällige Defizite einer Stiftung als neuer Eigentümerin und Betreiberin verantwortlich sein sollte, ist nicht nachvollziehbar. «Die Regierung hat das Modell der Gemeinde nicht mal geprüft, sondern lediglich als ‹Vorschlag› besprochen und verworfen. Wo bleibt da die Seriosität?», fragt sich Alois Gunzenreiner. «Die Regierung schlägt einen Verkauf des Spitals Flawil über einen Leisten mit dem Wattwiler Modell ‹Integrierte Gesundheitsversorgung›, weil beides Fallmengen aus dem System der Spitalverbunde auslagern würde. Daraus müssen wir schliessen, dass die Regierung einfach den Staatsbetrieb ‹Spitalverbunde› schützen und dafür das Spital Wil füttern will. Das hatte der Verwaltungsrat bereits im Mai 2018 vorgeschlagen und gleichzeitig aber als kritisch beurteilt. Was das für das Toggenburg bedeutet, bleibt offen.»

In Wattwil vernichten, in Wil ausbauen

Der eingeschränkte Fokus der Regierung äussert sich zudem darin, dass sie der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) 70 Mio. Franken schenken will, um ihre Struktur zu retten – zugleich aber wischt sie eine Übertragung der Spitalimmobilien in Wattwil an eine Stiftung, wie dies das Toggenburger Modell vorgesehen hätte, vom Tisch. Die Regierung will in Wattwil «45 Mio. Franken für den Restwert der Spitalinfrastruktur» abschreiben. Zugleich kündigt sie an, dass in Wil über 150 Mio. Franken investiert werden soll, um den Standort auszubauen. «Wir fragen uns, ob die Regierung bereits vergessen hat, dass in Wattwil schon über 50 Mio. Franken neu investiert wurden», fasst Alois Gunzenreiner die Zweifel des Fördervereins zusammen. «Zugleich blendet die Regierung jegliche überkantonale Betrachtung auf die Versorgungsdichte aus. Diese wurde bereits in einer Studie von PWC vom Herbst 2018 ausgewiesen. Darin ist auch für die Region Toggenburg ein Spitalstandort vorgesehen.»

Wo bleibt der Volkswille?

Angesichts der verbleibenden Unsicherheit ist für den Förderverein fraglich, ob sich die Bevölkerung des Kantons St.Gallen davon überzeugen lässt, dass ihre Beschlüsse von 2014 zur Erneuerung der Spitalstandorte Wattwil und Altstätten nun einfach mit zwei Nachträgen zurechtgebogen werden sollen. «Die Regierung nimmt in Kauf, dass eine erhebliche Unsicherheit bestehen bleibt, dass der Volkswille missachtet wird und dass in Wattwil Steuergelder vernichtet und neue in Wil eingesetzt werden sollen. Sie will das nun quasi hinterher geradebiegen. Wir sind gespannt, wie sie das erfolgreich dem Kantonsrat und der Bevölkerung erklären will», fragt sich Alois Gunzenreiner.