HISTORISCHE PUBLIKATION ZUM WILER STADTHEILIGEN PANKRATIUS GEFUNDEN!

Neben St. Nikolaus und St. Agatha zählt der heilige Pankratius zu den Patronen der Stadt Wil. Wie die Stiftsbibliothek St. Gallen bekannt gibt, wurde kürzlich eine eindrückliche Publikation mit dem Vermerk Cod. Sang. 1723 (K587-612) zu den Feierlichkeiten zur Ankunft der Reliquien in Wil wiederentdeckt.


(Adrian Zeller)

Wie ein Tornado fegte die Reformation zwischen 1517 bis 1648 viele Gotteshäuser in Europa leer. In der als „Bildersturm“ in die Geschichte eingegangene Phase wurden viele religiöse Stauten und Bilder zerstört; sie sollten die Gläubigen nicht weiter von der direkten Beziehung zu Gott ablenken.
Im Gegenzug beschlossen die Kirchenführer am Konzil von Trient 1545 den katholischen Glauben gegen die reformatorische Kirchenrevolution zu verteidigen. Dieser Prozess nennen die Historiker die Gegenreformation. Sie führt schliesslich zum Dreissigjährigen Krieg, der Elend und Tod über weite Teile Europas brachte.

Mutmassliche Märtyrergräber

In der Zeit der religiösen Wirren in Europa wurden in Rom unterirdische Begräbnisstätten in den Katakomben entdeckt. Viele dieser Gebeine hielt man für Reliquien von Märtyrern, auch wenn es dafür kaum unzweifelhafte Belege gab.
In den nach dem Bildersturm schmucklosen Gotteshäusern war der Bedarf an neuen Symbolen für den Glauben gross. In der Folge kamen „150 heilige Leiber“ in die Schweiz. Papst Clemens X. schenkte 30 von ihnen der Fürstabtei St. Gallen. Der damalige Fürstabt Gallus II. liess dabei die mutmasslichen Gebeine des heiligen Pankratius nach Wil verbringen, wo er seither als einer der drei Stadtheiligen gilt.

Künstlerisch wertvolle Fassung

Die mutmasslichen Gebeine des heiligen Pankratius stehen heute in einer Nische im rechten Seitenschiff der St. Nikolauskirche, gefasst in eine wertvolle Goldschmiedearbeit. Da er der Legende nach 304 in Rom als Märtyrer enthauptet wurde, wird er in der Uniform eines römischen Soldaten dargestellt.