KESB-LINTH STREIT NIMMT NEUE WENDE – WIR SPRACHEN MIT BRUNO HUG


Bruno Hug, in Wil (Bronschhofen) aufgewachsen, hat sich in sich in den letzten Jahren als Chefredaktor der «Obersee Nachrichten» für KESB-Klienten eingesetzt, die sich von der KESB-Linth schlecht behandelt fühlten. Er hat diesen KESB-Klienten in seinen Artikeln eine Stimme gegeben, nachdem er ihre Dokumente und ihre Geschichte geprüft hatte.

Direktor der KESB war damals Dr. Walter Grob. Dieser führte, gemeinsam mit dem Stadtrat von Rapperswil-Jona, gegen Hug und einen zweiten Journalisten einen Prozess. In erster Instanz, vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sargans, sprachen die Richter die beiden Journalisten schuldig. Nächstens wird sich das Kantonsgericht mit diesem Urteil befassen.


Ein neues Licht auf die „Geschichte“

Am Dienstag, 23. Oktober 2018, wurde Walter Grob vom Stadtrat von Rapperswil-Jona entlassen und per sofort freigestellt. wil24.ch befragte Bruno Hug zu den aktuellen Ereignissen.


Herr Hug, was war Ihre erste Reaktion, als Sie von der sofortigen Freistellung und Entlassung von Walter Grob erfahren haben?
Ich war erleichtert, denn ich dachte an die vielen KESB-Klienten, die eine gute Behandlung verdient haben.

Hat Sie der Schritt des Stadtrats von Rapperswil-Jona überrascht?
Nein. Ich wusste seit langem, dass er mit Dr. Walter Grob arg im Streit lag. Ich möchte hier nicht zitieren, welche Ausdrücke ich aus Behörden und Verwaltung hörte, wenn über die KESB-Linth gesprochen wurde.

Somit müsste Sie die Nachricht von Dr. Grobs Entlassung gefreut haben.
Nein. Ich freue mich nie, wenn es anderen Menschen nicht gut geht. Und vielleicht ist Dr. Grob ja ein guter Anwalt. Als Person habe ich ihn nie diskreditiert. Ich kritisierte nur die Art und Weise, wie er und seine KESB die Machtfülle dieser Behörde ausgelebt haben.

Der für die KESB-Klage zuständige Stadtrats-Vertreter Roland Manhart sagte gegenüber Tagesanzeiger, NZZ und Linth-Zeitung, «viele kleine Differenzen im Bereich der Administration und der Mitarbeiterführung» hätten das Vertrauen zwischen Rat und Dr. Grob irreparabel geschädigt. Was sagen Sie dazu?
Ich frage mich, wie lange es der Gesamtstadtrat noch zulässt, dass der Stadtratsvertreter in Sachen KESB, Roland Manhart, derartige Untertreibungen äussern darf, denen niemand glaubt. Wenn eine der wichtigsten Führungspersonen der Grossregion Linthgebiet wegen sogenannt vielen kleinen Differenzen per sofort freigestellt wird, gibt es nur zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder der Erzähler verdreht die Fakten oder er hält die Bürger für dumm. Wegen kleinen Differenzen stellt man keinen Spitzenbeamten per sofort frei. Manharts Aussagen sind beschämend und geradezu eine Einladung für Dr. Grob, die Stadt wegen der Freistellung einzuklagen.

Stadtrats-Vertreter Manhart sagte gegenüber den Medien auch, die Entlassung von Dr. Grob habe nichts mit dem KESB-Prozess gegen Sie und die ON zu tun.
Auch diese Aussage glaubt Manhart niemand. Denn Dr. Grob hat ja alles gewonnen. Der Stadtrat hat für ihn gegen eine Zeitung geklagt und dafür eine halbe Million Franken ausgegeben. Er gewann vor erster Instanz. Der Verleger der ON, Hanspeter Lebrument, hat alle KESB-Artikel aus dem ON-Archiv gelöscht und mich entlassen. Dass nun der KESB-Leiter in einer für ihn geradezu einmalig guten Situation mit dem Stadtrat, respektive mit seinem Arbeitgeber, noch in Streit gerät, sagt alles über die Situation aus. Und da glaubt Manhart, sagen zu müssen, fachlich sei bei der KESB alles perfekt gewesen, nur habe sich der sofort Freigestellte «kleine Differenzen» geleistet…

Wie geht es in der KESB-Klage nun weiter?
Vorerst dazu nur soviel: Ich schlug dem Rat in einem offiziellen, brieflichen Antrag vor, den Streit beizulegen. Er hat abgelehnt. Nun ist der Fall am Kantonsgericht hängig. Man stelle sich jetzt die verfahrene Situation vor, in der sich der Stadtrat von Rapperswil-Jona befindet. Er trat als Kläger gemeinsam mit Dr. Grob auf und klagte gegen die Redaktoren und die ON. Nun entliess der Stadtrat seinen Mitkläger Grob per sofort. Dieser aber könnte nun theoretisch auch allein gegen die ON und die Redaktoren weiterklagen. Dabei könnte er sogar versuchen, den Rat zur weiteren Finanzierung seiner Klage zu verpflichten. Und Dr. Grob könnte den Rat auch noch wegen der Freistellung einklagen. Ich glaube kaum, dass die Bürger an diesem Theater Freude haben.

Haben Sie eine Übersicht, was der ganze Prozess bisher gekostet hat?
Die Stadt hat laut meiner Information bis anfangs Jahr für die KESB-Klage 430’000 Franken ausgegeben. Seither hat Stadt-Anwalt Adrian Bachmann aus Zürich weitere zwei Schriften mit 61 und 132 Seiten ans Gericht geschrieben. Damit dürfte die Ausgabenschwelle auf Seiten Stadt und KESB von einer halben Million überschritten sein. Zudem hat Dr. Grob weitere Klageprozesse geführt. Wer diese bezahlt hat, ist bisher noch nicht bekannt. Auf Seiten des Verlages der Obersee Nachrichten und von mir fielen aufgrund der sich stets wiederholenden, schier endlosen Klageschriften Kosten von über 300’000 Franken an. Bald einmal kostet die Prozessiererei des Stadtrates von Rapperswil-Jona gegen die Pressefreiheit rund eine Million Franken.

Sie haben mehrmals ausgeführt, die Artikel zu den KESB-Fällen in den damals von ihnen geführten ON seien wahr gewesen. Halten Sie daran fest?
Selbstverständlich. Alle Berichte wurden von den Personen, über die wir geschrieben haben, bestätigt. Das Gericht besitzt all diese Unterlagen. In den mehreren hundert Seiten, welche der Anwalt der Stadt vollschrieb, konnte man den Redaktoren nur zwei kleine Fehler vorwerfen. Einer zum von mir publizierten Lohn von Dr. Grob, und einer zu einer Interpretation eines Artikels aus dem St. Galler Tagblatt. Beide hätten leicht mit einem Korrigendum in den ON richtig gestellt werden können.

(Interview: wil24.ch/JG/MAL)