KULTURSTADT WIL: WESHALB WIL SEHR VERMÖGEND IST


Wil verfügt über sehr wertvolle historische Fresken, Bilder und Dokumente. Die tatsächlichen Wiler Werte sind jedoch unbezahlbar.

„Wiler Kulturkolumne März 2020“ von Adrian Zeller.

Machen wir zusammen eine Fantasierechnung: Nehmen wir an, ein Vereinsvorstand bestehe im Durchschnitt aus vier Personen. Sie arbeiten je 20 Stunden pro Jahr ehrenamtlich für ihre Organisation. Dies sind insgesamt 80 Stunden. Setzen wir für diesen Einsatz einen fiktiven Stundenlohn von Fr. 60.- ein; in Unterstützungsgesuchen für Vereinsanlässe wird jeweils der Anteil an Eigenleistung erfragt, der in Stunden und Franken anzugeben ist. Da diese Arbeit in der Regel ehrenamtlich geleistet wird, ist es ein fiktiver Wert. 80 Stunden à Fr. 60.- ergibt Fr. 4800.- Wil weist eine Dichte von rund 300 Vereinen auf, Fr. 4800.- mal 300 Vereine ergibt die Summe von Fr. 1 440 000.- Eine Stadt, die so viel ehrenamtliches Engagement aufbringt darf sich glücklich schätzen.

Ansehnlicher Betrag

Manche Vorstandsmitglieder von Vereinen werden bei der obigen Rechnung schmunzeln, sie wird den tatsächlichen Verhältnissen nicht annähernd gerecht. Sie arbeiten weit mehr als 20 Stunden pro Jahr für ihre Organisation. Und auch die Arbeit der zahlreichen Mitglieder ohne Vorstandsamt, die sich um die Lagerverwaltung, die Betreuung des Nachwuchses und um die Reinigung des Vereinslokals kümmern, ist nicht einberechnet.

Die Fr. 1 440 000.-  ergeben jedoch einen groben Anhaltspunkt dafür, wie viel ehrenamtliche Vorstandsarbeit jährlich in Wil geleistet wird. Weit wichtiger als diese Summe ist das viele Herzblut, das ins Vereinsleben investiert wird. Die Kulturstadt Wil verdankt ihren Ruf vor allem zahlreichen ehrenamtlich engagierten Personen, die in Sitzungszimmern, in den Probelokalen und hinter den Kulissen viel Arbeit für die Gemeinschaft leisten.

Stadt ohne Herz  

Philosophen unterscheiden zwischen einer wirtschaftlichen und einer ideellen Wertschöpfung. So gesehen sind Kulturschätze sind nicht nur historische Statuen sowie zu Rekordpreisen gehandelte Gemälde, sie sind auch gelebte Gemeinschaft beim Musizieren, beim Tanzen und beim Theater spielen.

Man stelle sich Wil ohne seine vielfältige Vereinskultur vor. Sie wäre eine Schlafgemeinde wie manche andere auch, es gäbe kein Stadtfest, keine Hofchilbi, keinen Gümpelimittwoch, keinen Gare de Lion, kein Rock am Weier, kein Classic Openair, keine Bühne 70, keine Bühne am Gleis, keine Stadttambouren, kein Förderverein Bläserkids und auch keine Kunst- und Museumsfreunde.  Diese Liste liesse sich erheblich verlängern. Kurz: Eine Stadt ohne Herz und ohne Seele.

Immaterielles Vermögen

Gelebte Kultur bringt der ganzen Bevölkerung einen grossen Nutzen. Sie  schafft sinnvolle Freizeitbeschäftigungen, sie sorgt für Kontaktmöglichkeiten, sie intergiert Neuzuzüger, sie hält Traditionen lebendig, sie bündelt die Kräfte Gleichgesinnter für ein gemeinsames Ziel und sie verleiht einer Gemeinde ein unverwechselbare Identität – alles Werte, die es für kein Geld zu kaufen gibt. Oder anders ausgedrückt: Das grosse immaterielle Vermögen von Wil.

Adventssingen in der Wiler Altstadt.