MIT MUSIKFEUERWERK PAUL HUBERS GEDACHT – KAMMERCHOR WIL UND SINGBOX


Am vergangenen Wochenende konzertierte der Kammerchor Wil zusammen mit der Singbox und weiteren Mitwirkenden in Luzern und in Wil. Der Publikumszustrom war an beiden Orten gross, zu hören gab es Aussergewöhnliches. (Titelbild vom Auftritt am 4. November, weitere Bilder von Proben).


(Adrian Zeller)
Beim Einsetzen der blauen Stunde, kurz nach 17 Uhr, setzte der Kammerchor Wil am vergangenen Sonntag zum ersten Werk Paul Hubers an. Der langjährige Wiler Musikdirektor hätte dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag feiern können. Das matter werdende Tageslicht, das durch die Fenster schimmerte wurde von den zahlreichen Lampen der Stadtkirche St. Nikolaus überstrahlt. Sie unterstrichen die feierlichen Klänge, die die Sängerinnen und Sänger auf den Stufen vor dem Altarraum intonierten.

Korrespondenz von Jugendlichen und Erwachsenen

Zum zweiten Stück «Salve Regina» setzte der Jugendchöre 1 und 2 der Singbox Wil unter der Leitung von Markus Leimgruber auf der Empore an. Im nächsten Teil des Programms war wieder der Kammerchor an der Reihe. Der Kontrast der Stimmen der Jugendlichen im Wechsel mit dem Gesang der Erwachsenen war besonders reizvoll, ebenso dass die Werke einmal vom vorderen Teil, dann wieder vom hinteren Bereich der Kirche erklangen.

Wechselbad der Stimmungen und musikalischen Zitate

Nach 17:30 Uhr war es Zeit für den zweiten Teil des Konzerts, für die Uraufführung der Auftragskomposition «Wiler Sunntig» von Wolfgang Sieber. Vom ersten Teil blieben die feierlichen Anklänge der Chöre, die sich mit verschiedenen anderen Elementen kombinierten und kontrastierten, etwa mit sakralen sowie mit volkstanzartig klingenden Passagen. Sie mischten sich mit grellen Trompetensignalen, mit urchigen Alphornweisen, den archaischen Klangstössen des Kuhhorns, mit Jauchzern und Anlehnungen an den Jazz, gewissermassen garniert mit dem lieblichem Solojodel von Arlette Wismer, die zum Teil auf der Kirchenkanzel sang.
Der tosende langanhaltende Applaus und die Stan¬ding Ova¬tions am Schluss zeigte deutlich, dass das vielschichte Klangerlebnis beim Publikum auf grosse Zustimmung gestossen waren. Einen ganz besonders kräftigen Applaus erhielten die Kinder und Jugendlichen der Singbox sowie Felicitas Gadient als Dirigentin.

Herausforderndes Zusammenwirken

Wie Natalie Strässle Baumann als Kammerchor-Präsidentin vor dem Konzert zu erzählen wusste, war die Koordination sehr unterschiedlicher Einzelmusiker und Musikgruppen im Vorfeld zum Konzert herausfordernd. «Der Kammerchor sang zum ersten Mal mit der Singbox zusammen.» Und auch das Zusammenwirken mit der Jodlerin Arlette Wismer, dem Bläser Heinz della Torre und Wolfgang Sieber an der Orgel erforderte einige Koordination.

In Neues vorgewagt

«Für uns waren zudem auch die musikalischen Ausflüge in den volkstümlichen Bereich, in Kombination mit archaischen Klängen von Kuhhorn und Büchel Neuland. Bisher haben wir vor allem eher klassische Kammerchorwerke gesungen.»

Für Natalie Strässle bot es sich geradezu an, in Wil ein Konzert dem vielseitigen Musiker Paul Huber zu widmen, der dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag hätte feiern können. Der in Kirchberg geborene mehrfach preisgekrönte Tonkünstler und seine Musik sind untrennbar mit Wil verbunden.
Ab 1943 bis 1949 sass er an der Orgel der Kirche St. Nikolaus. Nach einem Studienaufenthalt in Paris stieg er zum Musikdirektor der Äbtestadt auf. Damit wurde er musikalischer Leiter des Kirchenchors der Stadtkirche, des Männerchors Concordia sowie des Orchestervereins. In Wil dürften auch einige seiner Kompositionen ihre Uraufführung erlebt haben.

Überdenken der Zukunft

Im Weiteren leitet Bruno Gähwiler, ehemaliger Stadtpräsident von Wil, die Paul Huber-Gesellschaft. Natalie Strässle fühlt sich ihrerseits mit dem Schaffen des Komponisten verbunden: «Ich habe meine Maturaarbeit über ihn geschrieben.»
Nach der sehr erfolgreichen Aufführung in Wil und in Luzern will sich der Chor gemäss Natalie Strässle nicht auf den Lorbeeren ausruhen; im kommenden Jahr feiert er sein sechzig Jahre-Jubiläum. Dazu ist unter anderem im Herbst 2019 ein festliches Konzert mit einer Solosopranistin und Orchester geplant. «Dieses Jubiläum ist für uns auch ein Anlass, um eine kleine Denkpause einzulegen und die Ausrichtung des Kammerchors in den nächsten Jahren zu planen», erklärt die Vereinspräsidentin.