MUSIZIEREN HÄLT WILER AHV-RENTNER JUNG


Regelmässiges Spielen eines Instruments fördert die Gesundheit und kann lebensverlängernd wirken, dies kommt auch der Wiler Räntner Bänd zugute.


(Adrian Zeller)  Ein Artikel in einer Regionalzeitung bildete den Auftakt zur Bildung einer Band von Hobbymusikern im Pensionsalter; ein Saxophonist suchte Mitmusiker zur Gründung einer Formation. Mittlerweile hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet, die sich regelmässig in einem Probelokal am Stadtrand von Wil zum Üben trifft.

Umgebung besser wahrnehmen

Das gemeinsame Musikmachen ist im dritten Lebensabschnitt weit mehr als ein sinnvoller Zeitvertreib, es hat eine ganze Reihe von positiven Effekten. Wie Forschende herausgefunden haben, ist bei gemeinsamen Musizierenden das Zusammengehörigkeitsgefühl ausgeprägter als in Vergleichsgruppen. Diese Wirkung wird so erklärt: Für ein harmonisch klingendes Zusammenspiel müssen die einzelnen Mitwirkenden genau aufeinander hören und den selben Rhythmus einhalten. In der Folge sind sie automatisch aufmerksamer gegenüber anderen, dies wirkt sich auch auf Lebensbereiche ausserhalb des Probelokals aus.

Beim Gefühl der Zusammengehörigkeit könnte auch das Hormon Oxytocin eine Rolle spielen, es fördert die menschlichen Bindungen sowie das gegenseitige Vertrauen; bei Chören wurde nachgewiesen, dass nach einer halben Stunde gemeinsamen Singens vermehrt Oxytocin ausgeschüttet wird.

Musizieren fördert Sozialkompetenz

Wer regelmässig in einer Band, einem Orchester oder einem Chor übt, auf die Klänge der Menschen in seiner Umgebung zu achten, wird ihnen gegenüber automatisch aufmerksamer und nimmt mehr Anteil. Die Art des Musizierens sagt einiges über die aktuelle Befindlichkeit, über Stimmungslagen, Ermüdung, Überforderung sowie über Gesundheitsstörungen aus, sie beeinflussen den Klang des Instruments. Dadurch wird die gegenseitige Wahrnehmung intensiviert.

Stärkung des Selbstvertrauens

Positiv wirkt sich auch die in der Gemeinschaft erbrachte Leistung aus. Ähnlich einer Sportmannschaft steuern alle Musizierenden einen Teil dazu bei, damit das Ergebnis harmonisch klingt. Dieses koordinierte Zusammenwirken verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Weitere positive psychologische Effekte ist gemäss Forschung die so genannte Selbstwirksamkeit: Wer durch regelmässiges Üben sein musikalisches Können kontinuierlich erhöht, steigert gleichzeitig sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Stimulierung des Gehirns

Das Spielen eines Instruments erfordert nicht nur genaues Zuhören, es fördert die Konzentrationsfähigkeit sowie die Körperkoordination.

Musik gilt in der Wissenschaft als eine Art Jungbrunnen für das Gehirn. Laut Untersuchungen wird der altersbedingte Abbau von Gehirnzellen bei Menschen, die regelmässig ein Instrument spielen oder singen verlangsamt. Eine Studie wies nach, dass Musizierende insgesamt höhere Gedächtnisleistungen haben. Zudem wird das harmonische Zusammenwirken verschiedener Zentren stimuliert.

Entspannend und schmerzlindernd

Musik machen wirkt auf den Organismus ein: Melodien verändern den Herzschlag, den Blutdruck, die Atemfrequenz und die Muskelspannung. Je nach Musikstil werden Hormone abgegeben, anregendes Adrenalin bei schneller und beschwingter Musik, Noradrenalin bei sanften und ruhigen Klängen. Letzteres kann die Ausschüttung von Stresshormonen verringern und die Konzentration von schmerzkontrollierenden Betaendorphinen im Körper erhöhen.