RAPPERSWIL: BRUNO HUG FORDERT EIN SCHLOSS FÜRS VOLK


Das Schloss Rapperswil wird endlich umgebaut. Mit viel Steuergeld und einer der Stadt nicht dienenden Schloss-Eigentümerschaft. Ein Kommentar von Bruno Hug, Linth24.


Am 5. und 10. September stimmen die Stadt- und Ortsbürger über die Projektierungskredite für den Ausbau des Schlosses ab. Kostenpunkt: Je 850‘000 Franken. Werden später auch die Baukredite bewilligt, dann hat das Schloss bis zur Eröffnung im Sommer 2023 17 Millionen Franken gekostet. Das ist viel Geld, aber in Rapperswil-Jona scheint das eine Nebensache zu sein. Geld ist offenbar in Hülle und Fülle vorhanden. Obwohl es auch anders ginge. Ich komme darauf zurück.

Das Volk darf zahlen

Die Ortsbürger – mit dem Stadtrat im Schlepptau – teilen mit, das künftige Schloss solle «als Hort der Geschichte zu neuem Leben erwachen». Das «Besuchererlebnis» nehme «die Gäste mit auf eine Zeitreise durch mehr als ein halbes Jahrtausend Schlossgeschichte». Das tönt gut. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der heutige Ortsbürgerpräsident die zentralsten Räume dieses Schloss noch vor sieben Jahren für satte 25 Jahre den Polen vermieten wollte. Für lediglich 2000 Franken im Monat.

Weiter heisst es in der Mitteilung der Stadt-Oberen, das dereinst umgebaute Schloss werde «aus einer Hand als ortsgemeindeinterner Betrieb mit eigenem Betriebsleiter bewirtschaftet». Für die «strategische Führung» gebe es einen Schlossrat mit Vertretern «von Stadtrat und Ortsverwaltungsrat sowie Fachpersonen».

Womit die den Umbau bezahlende Bevölkerung schon mal aussen vor steht. Denn, wer dereinst im Schlossrat sitzt, wird politisch ausgeklüngelt. Und Betriebsleiter wird, wer dem Schlossrat genehm ist. Und natürlich wird es viel Kultur geben. Mit denselben Leuten wie an anderen Orten.

Ortbürgerführung will Schlossherr bleiben

Am Ende der Medienmitteilung zum Schloss heisst es dann noch, fast etwas trotzig: «Die Federführung» für den Umbau liege bei der Ortsgemeinde, «welche auch in Zukunft Eigentümerin des Schlosses bleiben wird». Punkt. Message ans Volk: Wir bleiben die Herren!

Warum eigentlich hängt Ortsbürgerpräsident Matthias Mächler mit seiner halbdemokratischen Ortsbürgerschaft – welche vielerorts wegen ihrer Demokratie-Defizite abgeschafft wurde – derart daran, das Schloss zu besitzen? Obwohl er und seine Organisation bei diesem Wahrzeichen seit Jahrzehnten mit Fehlentscheiden brilliert haben und erst unter dem Druck von zwei Petitionen bereit waren, das Schloss zum Wohle von Stadt und Region zu nutzen.

Dem Stadtrat fehlt die Kraft oder noch mehr

In meinen früheren Artikeln zum Schloss habe ich immer wieder vorgeschlagen, dass das Schloss entweder in die Hand der Stadt oder in eine Stiftung überführt werden sollte. Nur so würden es die Bürger auch «antreten».

Auch in der von über 2000 Personen unterschriebenen Petition waren 90 Prozent der Unterzeichner klar der Meinung, das Schloss Rapperswil sei «ideelles Eigentum» der Bürger von Rapperswil-Jona und sollte durch eine «gemeinnützige Gesellschaft verwaltet werden».

Dem Stadtrat von Rapperswil-Jona fehlt wohl die Weitsicht oder der Mut – oder beides -, um von den Ortsbürgern bei einem Einsatz von stolzen 8.5 Millionen Franken Steuergeld auch eine Neuausrichtung bei der Schloss-Eigentümerschaft zu fordern.

Geldverschwendung durch Chancen-Auslassung

Nicht zuletzt stellt das sture Festhalten der Ortsbürger als Schloss-Herren auch eine Geldverschwendung dar. Denn das Schloss Rapperswil ist ein Kulturgut von schweizerischer Bedeutung. Würde es zum Beispiel in eine Stiftung eingebracht werden, gäbe das beim Umbau komplett neue Möglichkeiten. So könnten sich die Bürger am Schloss mit einem symbolischen Goldtaler o. ä. beteiligen und damit bei der Schlosserneuerung dabei sein und mitdenken. Zudem könnten die vielen Kulturförderer und Kulturstiftungen des Landes zur Unterstützung für den Schlossumbau eingeladen werden. Das wäre weitsichtiger und würde den Schlossausbau erst noch viel breiter abstützen, als das Geld einfach aus der Stadt- und Ortsbürgerkasse zu nehmen.

Auch wären für ein derartiges Schloss-Vorhaben mit Sicherheit politische, industrielle und gesellschaftliche Persönlichkeiten zu finden, welche in einem Schlossrat einsitzen und so dem Thema eine etwas andere Dimension geben könnten. Stattdessen will man sich mit z.B. zwei Stadt- und zwei Ortsverwaltungsräte begnügen, die ihre Pflichtsitzungen abhalten und sich als Schlossherren fühlen dürfen.

Offensichtlich ist: Wenn man das Schloss schon nicht den Polen vermieten konnte, bleibt man im Schlossrat und generell beim Schloss lieber beim Kleinen – sprich unter sich.

Es sei denn, die Bewohner dieser Stadt sagen nein zum Millionen-Kredit für ein Schloss, bei dem sie nur zu zahlen aber nichts zu sagen haben.


Chronologie: Der Chrampf mit den Schlossherren

Es brauchte Ausdauer, bis die halsstarrigen Ortsbürger begriffen, dass das Schloss nicht für Polen, sondern für Rapperswil-Jona und die Region genutzt werden sollte. Zusammen mit meinen damaligen Redaktionskolleginnen und -kollegen mussten wir in den Obersee Nachrichten von 2008 bis 2013 rund 50 Artikel publizieren, bis das Schloss auf den heutigen Kurs kam. Die Chronologie der Ereignisse.

2007: Stadt und Ortsgemeinde wollen für sechs Millionen Franken ein neues Stadtmuseum bauen (zwischenzeitlich ist dieses realisiert worden). Die ON fordern, dass zuerst das Schloss «leerzudenken» sei. Viele politischen Parteien und Persönlichkeiten unterstützten dies. Das brachte die Ortsbürger unter Zugzwang. Sie versprachen, die Schloss-Nutzung zu hinterfragen.

2008: Die Ortsgemeinde organisiert Schloss-Workshops, worin das Volk mitreden durfte. Hernach bestimmten die Ortsbürger jedoch über alle Ideen hinweg: Das Polenmuseum bleibt die zentrale Schlossnutzung.

2009: Die Ortsgemeinde präsentierte ihr neues Schlosskonzept. Wieder mit dem Polenmuseum im Zentrum. Irgendwann werde, so versprachen sie noch, ein Detailkonzept folgen.

2012: Am 15. Oktober 2012 wollte die Ortsbürgerführung hinter dem Rücken der Bevölkerung mit den Polen als Schlossmieter einen 25-Jahres-Mietvertrag abschliessen. Der Vertrag lag unterschriftsreif bereit.

Das Ansinnen wurde nur zufällig öffentlich. Sogleich führten die Obersee Nachrichten zum unverständlichen Vorhaben am 11. Oktober 2012 mit dem auch heute noch amtierenden Präsidenten der Ortsbürger, mit Matthias Mächler, ein Interview. Darin verteidigte er das Polenmuseum im Schloss und den 25-Jahres-Vertrag.

Sofort lancierten die ON gegen den Vertrag mit dem Polen eine Petition, welche innert 20 Tagen von 2061 Personen unterschrieben wurde. Unter diesem Druck war der 25-Jahres-Mietvertrag mit dem Polenmuseum nicht mehr möglich.

2013: Die Ortsbürger präsentieren ihr im Jahr 2009 versprochenes Detailkonzept fürs Schloss. Mit getürkten Bildern – wie die Obersee Nachrichten aufzeigten. Das Polenmuseum hätte weiterhin die zentralsten Räume des Schlosses belegt. Gastronomie, Empfang und Schlossrundgang waren nicht durchdacht. Ob im später umgebauten Schloss die Polen oder die Rapperswil-Joner Eintritt verlangen würden, war unklar. Die städtischen Steuerzahler hätten an diese Schluderei jährlich noch eine halbe Millionen Franken zahlen müssen, aber nichts zu sagen gehabt (wie heute wieder, nur ist es jetzt noch teurer geworden).

Zu diesem kruden Vorhaben führten die Ortsbürger dann noch eine verwirrende, komplizierte, öffentliche Vernehmlassung durch. Die ON-Redaktion bekämpfte das komplexe Ortsbürger-Verfahren mit einer einfachen Volksbefragung. Diesmal wendeten sich gegen 1200 Personen sowie alle Detailhandels- und Tourismus-Organisationen der Stadt gegen das unverständliche Schlosskonzept der Ortsbürger.

23. September 2013: Ortsbürger und Stadtrat geben auf. Sie teilen mit, es gebe beim Schloss einen Neuanfang. «Endlich» schrieb ich damals in einem Kommentar.

Und endlich engagierten die Ortsbürger mit dem Fachbüro Steiner Sarnen Schweiz Profis, um ein neuzeitliches Schlosskonzept zu entwickeln – mit dem übrigens unsere damalige ON-Redaktion schon Jahre zuvor in Kontakt war.