RR WÜRTH VERZICHTET – BAHN FREI FÜR WILERIN KARIN KELLER-SUTTER?


CVP Kanton St.Gallen bestätigt Rückzug – Benedikt Würth verzichtet auf Bundesratskandidatur – Wil24 fragte nach

(CVP) Regierungsrat Benedikt Würth informierte heute Nachmittag die Parteileitung der CVP Kanton St.Gallen und die Medien, dass er auf eine Kandidatur für den Bundesrat verzichtet. Diesen Entscheid fällte er nach eingehender Klärung mit seiner Familie, seinem Umfeld und der Kantonalpartei sowie den jüngsten Entwicklungen bei den Kandidaturen.
Die CVP Kanton St.Gallen ist überzeugt, dass Regierungsrat Benedikt Würth die erforderlichen Kompetenzen für dieses Amt mitgebracht hätte. Die Kantonalpartei bedauert, respektiert aber seinen Entscheid. Sie teilt seine Auffassung vollumfänglich, dass die Ostschweiz aufgrund ihres Bevölkerungsanteils und ihrer Wirtschaftsleistung wieder in der Landesregierung vertreten sein muss.


Wil24 befragte Benedikt Würth kurz nach der Bekanntgabe seines Entscheids.

Herr Würth, wann haben Sie den Entscheid gefällt, nicht zu kandidieren?
Den Entscheid fällte ich am Wochenende. Aber bereits am Freitag zeichnete sich ab, dass die regionalen Aspekte eine grosse Rolle spielen.

Wie  meinen Sie das?
Die Strömung ist die, dass die FDP den Sitz in der Ostschweiz erhalten wird und die CVP ausserhalb der Ostschweiz. Und in dieser Konstellation ist klar, dass der Sitz von Karin Keller-Sutter geholt wird.

Welche Rolle spielte die kantonale und die Schweizer CVP?
Beim Kanton hätte man eine Kandidatur von mir begrüsst, weil man es schätzt, dass die eigenen Leute auch national Präsenz zeigen. National blieb man bis heute neutral. Das ist aber auch normal so: Jeder Kandidat hat dieselben Chancen bis das ganze Selektrionsprozess sauber abgewickelt ist.

Fiel Ihnen der Entscheid schwer?
Natürlich hätte mich die Aufgabe gereizt. Aber anderseits bin ich auch nicht vom Ehrgeiz umzingelt. Die Ausgangslage ändert sich im Vorfeld einer solchen Wahl laufend. Ich wollte auch hier ehrlich mit mir sein. Ich bin schon lange in der Politik und habe die Lage analysiert. Mein Nein zur Kandidatur ist ein Vernunftsentscheid.

Hat Ihre Nicht-Kandidatur eine Auswirkung auf Ihre Arbeit als St. Galler Regierungsrat?
Überhaupt nicht. Ich habe in der Regierung eine sehr schöne Aufgabe und auch als Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen. Ich bin in keiner Art frustriert.

(MAL/Interview vom Montag, 15. Oktober 2018, 15:30 Uhr)


Die persönliche Erklärung von Regierungsrat Benedikt Würth:

«Ich sehe von einer Kandidatur für den Bundesrat ab»

„Die vergangenen zwei Wochen habe ich genutzt, um mit meiner Familie, meinem Umfeld und meiner Kantonalpartei die Frage einer Bundesratskandidatur eingehend zu klären. Eine Bundesratswahl hängt in hohem Masse von Konstellationen ab. Nach einer sorgfältigen Lagebeurteilung sehe ich von einer Bundesratskandidatur ab.
Die Stärken der Schweiz sind ihre Institutionen, die direkte Demokratie, der Föderalismus sowie ihre wettbewerbsfähige und innovative Wirtschaft. Bei uns können nicht eine oder einzelne Personen allein den Lauf der Dinge entscheiden. Um notwendige Reformen im Gesamtinteresse voranzubringen, braucht es das Zusammenwirken unterschiedlichster Kräfte. Im Bundesrat braucht es daher Persönlichkeiten, die eine gewisse Unabhängigkeit mitbringen, der Konkordanz und der Kollegialität verpflichtet sind und die über ausgeprägten Führungs- und Gestaltungswillen sowie hohe Integrationskraft verfügen. Erforderlich sind sodann grosse Belastbarkeit, Motivation und Dossierkompetenz. Vor dem Hintergrund meines bisherigen Werdegangs und meiner Erfahrungen hätte mich diese Aufgabe gereizt. Das Herz sagt denn auch ja zu einer Kandidatur, aber

der Kopf sagt nein.

Die Ostschweiz muss aufgrund ihres Bevölkerungsanteils und ihrer Wirtschaftsleistung wieder im Bundesrat vertreten sein, so wie es die Ostschweizer Regierungskonferenz nach dem Ausscheiden von Eveline Widmer-Schlumpf an der Plenarversammlung vom März 2016 gefordert hat. Als ehemaliger Präsident der Ostschweizer Regierungskonferenz fühle ich mich dieser Forderung besonders stark verbunden.
Nun steht mit Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter eine Persönlichkeit aus der Ostschweiz zur Verfügung, die beste Wahlchancen für den Bundesrat hat und für diese anspruchsvolle Aufgabe sehr gut vorbereitet ist. Auch wenn seit der Abschaffung der Kantonsklausel die Kandidatinnen und Kandidaten nicht auf die regionale Herkunft reduziert werden sollten, spielt in der föderalen Schweiz dieser Aspekt weiterhin eine Rolle.
Eine Bundesratswahl hängt in hohem Masse von Konstellationen ab. Meine Entscheidung ist das Resultat einer sachlichen Analyse der Situation.“