ST. MARTIN: LICHTERUMZUG UND ERZÄHLUNG DER MARTINSGESCHICHTE IN JONSCHWIL


Am Abend des 5. Novembers erinnerte der traditionelle St.Martins-Lichterumzug an den grossen Heiligen der Spätantike und Namenspatron der Pfarrkirche Jonschwil. Die Wiler Schauspielerin Bigna Körner erzählte die Martinsgeschichte.


(Ernst Inauen)

St.Martins-Umzüge haben in Mitteleuropa eine lange Tradition. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Pferd sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. Vor einigen Jahren wurde der Brauch auf Initiative des damaligen Mesmers Martin Betschard in Zusammenarbeit mit Kirche und Primarschule auch in Jonschwil eingeführt. „Sankt Martin als römischer Soldat ist im Gemeindewappen dargestellt und wird auch als Patron unserer Kirche verehrt. Da machte es Sinn, dass wir in guter Zusammenarbeit von Kirche und Schule diesen Brauch bei uns pflegen“, meinte damals der Initiant.

Die katholische Dorfkirche, welche im Jahre 814 erstmals erwähnt wurde, ist dem Heiligen Martin geweiht. In der entsprechenden Urkunde heisst es: „Adalgoz in der March Algetshausen überträgt seinen Besitz an die Kirche des hl. St.Martin in Jonschwil“. Das heutige Gotteshaus wurde ab 1867 neu erbaut. 2015 erfolgte die Eingliederung der St.Martins-Pfarrei Jonschwil in die Seelsorgeeinheit Uzwil.

In neuer Form durchgeführt

Bis vor zwei Jahren wurde der Brauch in dieser Form durchgeführt. Einige Eltern und Lehrpersonen befanden aber das Sicherheitsrisiko zu gross. So wurde der Anlass durch einen Lichterumzug mit Räbenlichter und Laternen ersetzt. Warm gekleidet und mit den bunten Mützen auf dem Kopf, die ihnen von der Frauengemeinschaft gestrickt wurden, versammelten sich die Kindergärtler und die Unterstufenschüler beim Schulhaus. Leider setzte nach einem sonnigen Nachmittag gleich zu Beginn der Veranstaltung der Regen ein. Dennoch wurde der Umzug durchgeführt. Auf dem Kirchplatz  begrüsste Diakon Peter Schwager die Kinder, Lehrpersonen und Eltern. Eine Feuerschale strahlte eine willkommene Wärme aus. Nach zwei Liedern  starteten die Kinder mit ihren selber gefertigten Laternen oder den geschnitzten Räbeliechtli auf die Umzugsroute, begleitet von zahlreichen, mit Regenschirmen ausgerüsteten Zuschauern. Bei der Alterssiedlung erfreuten die Kinder die Senioren und das Volk mit zwei Liedern, begleitet von Gitarrenklängen. Bei einem weiteren Halt sangen sie nochmals Räbeliechtli-Lieder, bevor sie sich zurück zum Kirchplatz begaben.


Die Kindergärtler schnitzten mit ihren Eltern die Räbeliechtli.
Die kleinen und die grossen Kindergärtler mit ihren Wollmützen versammelten sich im Schulhaus.
Die Kinderschar kam bei der Feuerschale zusammen.

Schauspielerin erzählt die Martinsgeschichte

Die Teilnehmenden und die Begleitenden nahmen in der St.Martinskirche Platz. Die Kindergärtnerin Katrin Fürer, die für die Organisation verantwortlich war, begrüsste sie. Dann wurde das St.Martinslied gesungen, bevor anschliessend die Wiler Schauspielerin Bigna Körner die Martinsgeschichte erzählte. Sie ist momentan als Stellvertreterin im Kindergarten Jonschwil tätig. Die Künstlerin ist bekannt aus ihren Film-, Fernseh- und Theaterauftritten. Sie wurde 2017 mit dem Kulturpreis der Stadt Wil geehrt. Zur spannend erzählten Geschichte wurden auf einer Grossleinwand Lichtbilder gezeigt. Nach der Erzählung sangen die Kinder nochmals das St.Martinslied. Bei der Verabschiedung durch Katrin Fürer erhielten die freiwilligen Helferinnen und Helfer den verdienten Dank und die Kinder ein Brotherz, das sie nach dem Vorbild von Martin zu Hause teilen sollten. Alle Teilnehmenden konnten sich mit heissem Punsch aufwärmen. Bei der Organisation halfen auch einige Frauen und Männer der Elternmitwirkung und ältere Schüler mit.

Eine volle Kirche – da könnten die Seelsorger neidisch werden.
Die Kindergärtnerin Katrin Fürer und ihr Helferteam waren für die Organisation verantwortlich.
Zwei Lehrpersonen begleiteten die Lieder mit Gitarrenklängen.
Die Schauspielerin Bigna Körner erzählte die Martinsgeschichte.
Herzbrötchen für die mitwirkenden Kinder.

Sankt Martin, ein Vorbild

Als Sohn eines römischen Offiziers wurde Martin schon im Alter von fünfzehn Jahren zum Militärdienst eingezogen und leistete in Frankreich seinen Dienst. Die Legende besagt, dass Martin als Offizier auf dem Ritt durch die Stadt Amiens einem nackten, frierenden Bettler begegnete, dem niemand half. Er teilte mit seinem Schwert seinen Mantel und gab die eine Hälfte dem Bettler. Auf vorbildliche Art kam so Martin dem Matthäus-Evangelium nach: “Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet. Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“.

Im Traum begegnete Martin Jesus, der seinen halben Umhang trug und zu ihm sagte: „Martin, ich war der Bettler, dem du deine Barmherzigkeit geschenkt hast“. Dieser Traum veränderte sein Leben völlig. Er verliess die Armee, trat als Mönch in den Dienst Gottes und liess sich als Christ taufen. Für seine Geduld und Nächstenliebe wurde er sehr geschätzt. Später wurde er als Bischof von Tours geweiht. Sankt Martin ist Schutzpatron vieler Handwerkberufe, der Bettler, der Soldaten und der Haustiere.