WILER LIEGENSCHAFT „ZUM TURM“: FRAUENFELDER „EISENWERK“ ALS BEISPIEL


Am 12. März wird im Wiler Stadtparlament über die Umnutzung des leerstehenden Liegenschaftskomplexes «zum Turm» an der Tonhallestrasse debattiert. Aus ihm soll gemäss einer Motion ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum  werden. Frauenfeld hat bereits langjährige Erfahrungen mit der Umnutzung eines historischen Gebäudekomplexes.


(Adrian Zeller)

Das 1908 – 1910 gebaute Eisenwerk in der Thurgauer Kantonshauptstadt wurde 1983 stillgelegt. Zwei initiative Frauenfelder wollten die Industrieanlage samt Umschwung von der Eigentümerin, den Von Moos Stahlwerken, zur kulturellen Umnutzung abkaufen. Nach Verhandlungen senkte die Besitzerin den anfänglichen Verkaufspreis von 3,3 Millionen auf 1,7 Millionen Franken, weil ihr am Gebäudeerhalt gelegen war.

Genossenschaftlich organisiert

Die Thurgauer Kantonalbank gewährte einen Kredit von 1,2 Millionen Franken. Verschiedene Privatpersonen, Firmen und Gönner übernahmen ihrerseits den Restbetrag in Form von zinslosen Darlehen. Damit konnte die Genossenschaft Eisenwerk den Gebäudekomplex 1984 übernehmen.

Umbau mit Fronarbeit

Bund und Kanton trugen das darauf folgende Umbauprojekt mit. Mit dieser Sicherheit sprach die Kantonalbank den Baukredit. Heimatschutz und Denkmalpflege wurden früh in die Planung einbezogen. Professionelle Handwerker sowie Freiwillige in Fronarbeit renovierten den Bau sanft. Als Gegenleistung erhielten diese zum Teil Anteilscheine der Genossenschaft. Bereits während des Umbaus wurden einzelne Räume vermietet, damit Einnahmen flossen.

Ehrenamtliche Arbeitsgruppen

«Die Geldgeber verlangten von Beginn weg eine Nutzung zu einem Drittel als Wohnungen, zu einem Drittel durch Gewerbebetriebe sowie zu einem Drittel durch Kultur», erzählt die Wilerin Claudia Rüegsegger. Die ausgebildete Kulturmanagerin ist für den eingemieteten Verein Kultur im Eisenwerk zu 55 Prozent  für die Finanzen, die Administration sowie für die Werbung und die interne und externe Kommunikation im Kulturbereich zuständig. «Wir haben pro Jahr rund 140 eigene Veranstaltungen, zusätzlich werden die öffentlichen Räume vermietet.»

Es finden etwa regelmässig Kunstausstellungen, ein Kunstflohmarkt, unterschiedliche Konzerte sowie Theateraufführungen statt. Zudem halten freie Theatergruppen einen Teil ihre Proben in den Räumen des Eisenwerks ab.

Für die verschiedenen kulturellen Themenbereiche sind sieben Programmgruppen zuständig, deren Mitglieder ehrenamtlich aktiv sind. Für die Technik und für die Gebäudebetreuung stehen ein Techniker sowie ein Hauswart auf Basis Stundenlohn im Einsatz.

Frühe Querfinanzierung

Das Eisenwerk beinhaltet 13 Wohnungen, eine Gaststätte sowie als gewerbliche Nutzung verschiedene Architekturbüros, eine IT-Firma, ein Coiffeursalon, ein Töpferatelier, einen Verlag und weitere Betriebe mehr. Die gewerblichen Nutzer müssen Genossenschaftsanteile erwerben.

Im Weiteren gehören eine Mehrzweckhalle sowie ein Theatersaal zum Liegenschaftskomplex. Sie werden unter anderem von Vereinen genutzt. Das Eisenwerk errang 1991 den Schweizer Heimatschutzpreis, einen Architekturpreis sowie ein UNESCO- Label.


https://www.eisenwerk.ch/0