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Kanton SG
20.02.2022
21.02.2022 16:52 Uhr

Dr. Gut: "Flauer Freiheitstag"

Dr. Philipp Gut sieht drei Gründe, warum nach der Aufhebung der härtesten Corona-Massnahmen die Euphorie ausgeblieben ist. Bild: Linth24
Die meisten Corona-Einschränkungen sind weg. Warum trotzdem nicht das grosse Gefühl der Befreiung aufkommt und wir misstrauisch bleiben müssen.
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

Eigentlich waren es die besten Neuigkeiten seit bald zwei Jahren: Am 17. Februar hob der Bundesrat die härtesten Corona-Massnahmen auf. Die Diskriminierung weiter Teile der Bevölkerung ist vorbei, in Restaurants, Fitnessclubs, bei Kultur- und Sportveranstaltungen gibt es keine Zwei-Klassengesellschaft mehr. Die Apartheid in Helvetistan gehört der Vergangenheit an.

Von einem «Freedom Day» war im Vorfeld die Rede gewesen – doch Freudenfeste nach dem Ende des bleiernen Notstandsregimes gab es nirgends.

Einen Gnadenakt feiert man nicht

Ist uns die Freiheit also doch nicht so viel wert? Sind wir so abgestumpft geworden, dass uns der Raub der Grundrechte schon gar nicht mehr auffiel?

Nein. Natürlich ist es grossartig, dass wir endlich wieder ein fast normales Leben führen dürfen. Doch die ausgebliebene Euphorie am «Freiheitstag» lässt sich erklären. Dass wir nicht gleich in kollektiven Taumel ausgebrochen sind, ist richtig und vernünftig.

  1. Wir haben uns die wiedergewonnene Freiheit nicht erkämpft, sie ist – genauso wie die Verhängung der Massnahmen zuvor – ein Akt der autoritären Staatsmacht. Der Bundesrat hat so entschieden. Er hätte auch anders entscheiden können. So oder so ist der Souverän, also das Volk, der Befehlsempfänger. Einen Gnadenakt feiert man nicht, schon gar nicht mit dem Freiheitsbanner.
  2. Was viele vom Jubeln abhält, ist ein gesundes Misstrauen. Wer sagt denn, dass der Staat in Zukunft nicht wieder willkürlich Massnahmen verordnet? Und manches dauert ja fort oder bleibt unklar: Was geschieht mit unseren persönlichen Daten, die das «umfassende elektronische Contact Tracing» erhoben hat? Politiker wie der FDP-Ständerat Andrea Caroni in der «Arena» auf SRF zeigen bereits die Marschrichtung vor: Der Staat sollte in Zukunft wissen, wer, wie, wo infektiös ist, meinte er. Big Brother is watching you.
  3. Auch in der Schweiz wurde ein Impfzwang diskutiert. Unternehmen wie die Swiss haben ein Impfobligatorium eingeführt. Wer sich nicht impfen lässt, wird entlassen. Für die betroffenen Piloten und Flugbegleiter geht das Unrecht weiter.

Grundrechte immer wieder verteidigen

Diese Beispiele zeigen: Wir müssen wachsam und kritisch bleiben. Die alte Binsenweisheit bestätigt sich, dass Freiheit und Grundrechte nicht garantiert sind, sondern immer wieder aufs Neue verteidigt werden müssen.

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 17 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Seine Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
Philipp Gut ist Buchautor, Verleger der «Umwelt Zeitung» und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Parteien, Verbände, Unternehmen und Privatpersonen. 

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Wil24