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Wirtschaft
01.03.2022
14.03.2022 08:23 Uhr

Börse: Gegenbewegungen in einem Abwärtstrend

Auch in der dritten Kriegswoche lastete nach Christopher Chandiramani grosser Druck auf den Aktienmärkten. Bild: Linth24
Massiv höhere Energie- und Rohstoff-Preise, Währungsturbulenzen, Boykotte sowie Angst vor Ausweitung der Feindseligkeiten lösten starke Schwankungen aus. Am Mittwoch und Freitag kam es zu Gegenbewegungen.

Wirtschaftskrieg: Zurzeit wird Russland zunehmend vom internationalen Devisenfluss und Zahlungssystem isoliert, Kreditkarten werden nicht mehr akzeptiert, der Rubel entwertet sich. Pessimisten sehen sogar einen baldigen Zusammenbruch der russischen Notenbank. Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien haben bisher noch zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. Die Flüchtlingsströme aus der Ukraine nehmen zu.

Auch die Inflation beschäftigt uns, 7.9 Prozent für die USA und 5.1 Prozent für den EU-Raum werden vorausgesagt. Dank Frankenstärke bleibt bei uns die Inflation tief, nur rund 2 Prozent.

Verwerfungen an der Währungsfront: Der EUR fiel zeitweise auf Parität 1:1 zum CHF. Auch die Kryptowährungen kamen unter die Räder.

Die Corona-Fallzahlen nehmen wieder zu, sind aber kaum noch ein Thema. Am 1. April hebt der Bundesrat die restlichen Corona-Massnahmen auf.

Der IWF und andere Ökonomen reduzieren die Wachstumsprognosen der Weltwirtschaft, ursprünglich plus 4.4 Prozent für 2022 wegen des Krieges. Neue Schätzungen folgen im April.

Schock an der Tankstelle: Literpreise für Benzin und Diesel haben mancherorts CHF 2.30 überschritten.

Unternehmensnachrichten

Beim Sanitärhersteller Geberit stieg der Umsatz im Jahr 2021 um 15.9 Prozent auf CHF 3.46 Mrd. – das stärkste Wachstum seit dem Börsengang 1999. Das Betriebsergebnis nahm um 16.9 Prozent auf CHF 902 Mio. zu. Beim Reingewinn inklusive Finanzergebnis war die Zunahme 17.7 Prozent auf CHF 756 Mio. Unsicherheiten bestehen bezüglich Rohstoffen, Engpässen bei den Lieferketten und dem Ostblockgeschäft.

Bei der Zürcher Oberländer Industriegruppe Belimo stieg der Nettoumsatz um 15.7 Prozent auf CHF 765.3 Millionen. Die Firma erzielte einen Betriebsgewinn (EBIT) von CHF 145.4 Millionen. Der Reingewinn erhöhte sich um 33.3 Prozent auf CHF 115.5 Mio. Die Dividende wird auf 8.5 je Namenaktie steigen (Vorjahr 7.5).

Beim Schokoladehersteller Lindt & Sprüngli kauften die Kunden im Jahr 2021 für insgesamt CHF 4.59 Mrd. Schokolade (+13.3 Prozent), z.B. auch Lindorkugeln (neu in der Migros), Qualitätsschokolade oder Goldhasen. Der ausgewiesene Betriebsgewinn (EBIT) erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf CHF 644.9 Mio. Die Namenaktien von Lindt & Sprüngli sind mit über CHF 100'000 immer noch die teuersten an der Schweizer Börse.

Der ukrainische Produktionsstandort des Schweizer Glasherstellers Vetropack wurde durch militärische Aktionen im Rahmen des Kriegs beschädigt. Die Auswirkungen auf den Konzern sind jedoch gering.

Der Stromkonzern BKW hat im Norden Frankreichs sechs Windparks mit einer Gesamtleistung von 105,7 Megawatt (MW) gekauft, grösser als alles Bisherige zusammen. Über den Kaufpreis wurde nichts gesagt.

Der Medienkontern TX Group (Tages-Anzeiger) wächst und verzeichnet dank Internet einen grossen Gewinnzuwachs. Neben der operativen Erholung trug dazu hauptsächlich ein Buchgewinn von CHF 778.5 Mio. (Vorjahr Verlust 94.6 Mio.) mit der Einbringung der Onlineplattformen Ricardo, tutti.ch, Homegate sowie Car For You in das neue Unternehmen SMG mit Partnern. Die Dividendenzahlung wird wieder aufgenommen und den Aktionären sogar noch ein Sonderbonus ausbezahlt.

Aussichten

Nach der Corona-Krise belastet der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Auch die hohen Energiekosten werden uns noch lange beschäftigen und eine Inflationsspirale verursachen. Herstell- und Transportkosten werden teurer, das reduziert auch auf die Margen der Unternehmungen. Noch unklar wäre eine russische Staatspleite und die wirtschaftlichen Auswirkungen, insbesondere wenn westliche Unternehmungen und Filialen in Russland enteignet und verstaatlicht würden.

Erfreulich sind aber zurzeit die meisten Unternehmenszahlen und Dividendenerhöhungen auf breiter Front. Auch die Arbeitslosigkeit nimmt ab, und die Notenbanken schieben die Leitzinserhöhungen hinaus.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24