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Wirtschaft
26.03.2022
28.03.2022 11:54 Uhr

Börsen: Wirtschaftskrieg infolge Sanktionen

Christopher Chandiramani: «Noch unklar sind alle Auswirkungen durch Sanktionen und gegenseitige Boykotte zwischen dem Westen und Russland.» Bild: Linth24
Im Ukraine-Krieg verletzen Russen weiter humanitäres Völkerrecht. Sanktionen zahlreicher, Energie- und Rohstoffpreise auf hohem Niveau. Märkte schwanken stark, Ansätze zu Erholung. SMI hält 12'000 Punkte.

Die Schweiz macht bei den Sanktionen der USA und der EU mit und hat bei der Durchsetzung der Sanktionen bis jetzt russische Vermögenswerte in einem Wert von CHF 5.75 Mrd. gesperrt. Diese Zahl nannte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Unterdessen sind über 14'000 Flüchtlinge aus der Ukraine in der Schweiz eingetroffen.

Mitten im Ukraine-Krieg besuchte US-Präsident Joe Biden Brüssel und Warschau, hat sich zu Gesprächen mit Spitzen der EU dem Militärbündnis Nato getroffen. Er schlägt vor, Russland aus der G20-Gruppe auszuschliessen.

Die Schweizerische Nationalbank SNB hat diese Woche bezüglich einer geldpolitischen Standortbestimmung die Medien orientiert. Die Leitzinsen bleiben vorerst unverändert, die Negativzinsen unverändert bei 0.75 Prozent. Die Teuerung ist mit 2 Prozent wesentlich tiefer als in den USA mit 7 und der EU-Zone mit 5 Prozent. Der Schweizerfranken ist immer noch überbewertet. Auf den Immobilienmarkt und die Exportindustrie wird Rücksicht genommen.

Die Corona-Massnahmen sollen anfangs April zum grössten Teil aufgehoben werden, sogar die Maskenpflicht.

Die Kantonsfinanzen sind überraschend gut ausgefallen. Einige Kantone wie St.Gallen, Thurgau und Zürich präsentierten Rekordzahlen für 2021 dank rascher Erholung nach Corona, höheren Steuereinnahmen und grösserer Ausschüttung von Gewinnen der SNB.

Unternehmensmeldungen

Der Finanzdienstleister Partners Group blickt auf ein erfolgreiches 2021 zurück.  Die Erträge erhöhten sich 2021 um 86 Prozent auf CHF 2.63 Mrd.. Der Betriebsgewinn EBIT stieg auf 1.65 Milliarden (+89%), und der Reingewinn auf CHF 1.46 Milliarden Franken (+82%). Aber die Investoren nützten den guten Abschluss für Gewinnmitnahmen.

Die Versandapotheke Zur Rose hat im zweiten Jahr der Corona-Pandemie trotz eines starken Umsatzzuwachses ihre Verluste ausgeweitet. Der Umsatz legte um knapp 17 Prozent auf CHF 1.7 Mrd. zu (mittelfristiges Ziel 4 Mrd.), indem aber der bereinigte Betriebsverlust (Ebitda) auf CHF 129 Mio. (Vorjahr: minus 31) stieg. Teuer sind vor allem Investitionen in Deutschland und die Einführung digitaler Rezepte in der EU. Sturzflug: Zur Rose-Aktien brechen nach Jahresergebnis massiv ein.

Für die Credit Suisse hat der Fall einer ungetreuen Geschäftsführung teure Folgen. Ein Gericht auf den Bermudas sprach geschädigten Kunden einen Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe zu.

Die australische CSL hält insgesamt 94 Prozent an Vifor Pharma. Die Übernahme kommt somit zum Abschluss.

Aussichten

Vor einem Monat, am 24. Februar, sind die russischen Truppen im Nachbarland Ukraine einmarschiert. Einen Krieg hätte man damals nicht für möglich gehalten.

Die Energie- und Treibstoffkosten schnellten in die Höhe. Sämtliche Rohstoff-, Herstell- und Transportkosten werden teurer, die Lieferketten noch komplexer und das reduziert auch die Margen der Unternehmungen. Noch unklar sind alle Auswirkungen durch Sanktionen und gegenseitige Boykotte zwischen dem Westen und Russland. Unsicher sind auch die zukünftigen Folgen auf die Lebensmittelpreise, denn Russland und die Ukraine sind die Kornkammern der Welt und bedeutende Exporteure.

Erfreulich sind aber zurzeit die guten Unternehmenszahlen und Dividendenerhöhungen auf breiter Front (Abschlüsse 2021). Im April sind die meisten Generalversammlungen. Auch die Arbeitslosigkeit nimmt weiter ab. Die EZB und die Schweizerische Nationalbank warten zu mit den Erhöhungen ihrer Leitzinsen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24