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Kanton SG
27.03.2022
28.03.2022 11:55 Uhr

"Volk bewahrt Verleger und Politiker vor Peinlichkeit"

Dr. Philipp Gut: «Entweder wurde Sommaruga von den Verlegern über den Tisch gezogen. Oder sie spielte das üble Spiel mit.» Bild: Linth24
Nach der TX Group jubelt auch die NZZ über ein Top-Ergebnis. Eben noch hat das Medienhaus um Steuergeld gebettelt. Die Verleger können sich beim Stimmvolk bedanken, dass es ihre Gier durchkreuzte.
  • von Dr. Philipp Gut

833 Millionen Franken Gewinn für das vergangene Jahr meldete die TX Group, die unter anderem den «Tages-Anzeiger» herausgibt. Nun hat mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ein weiteres Verlagshaus seine Zahlen präsentiert. Auch die NZZ jubelt: Es gab mehr Gewinn trotz Coronapandemie. Was aufhorchen lässt: Insbesondere die Profitabilität im «journalistischen Kerngeschäft» konnte deutlich gesteigert werden, sowohl im Vergleich zu 2020 als auch gegenüber dem Vorpandemiejahr. Konkret: Im journalistischen Kerngeschäft wurde ein operatives Ergebnis von 10 Millionen Franken erwirtschaftet. Das entspreche einem 10-Jahres-Höchstwert und sei darauf zurückzuführen, dass es gelungen sei, das Geschäftsmodell erfolgreich zu «transformieren».

Falsches Gejammer

Schön, dass es den Schweizer Medien so blendend geht. Weniger schön ist, dass genau diese Medien, die jetzt solche Gewinne schreiben, noch bis am 13. Februar 2022 im Abstimmungskampf um das Mediengesetz dem Volk vorgejammert haben, dass sie Steuermilliarden bräuchten, um bestehen zu können und die «digitale Transformation» zu schaffen. Als sich die Redaktion der NZZ gegen das Mediengesetz aussprach, fiel ihr das Management sogar öffentlich in den Rücken und pfiff sie zurück: «Irrtum, liebe Redaktion, auch wir wollen ans Steuergeld!»

Wurde Sommaruga über den Tisch gezogen?

Das Schweizer Stimmvolk hat mit dem Nein zum Mediengesetz die Verlage vor einer grossen Peinlichkeit bewahrt. Wie blöde ständen sie da, wenn sie nun ihre Gewinne verkünden und ihre Dividenden ausschütten, während sie gleichzeitig Subventionen empfangen.
Peinlich ist das Ganze aber auch für die Berner Politik: Einerseits für das Parlament, das dieses Gesetz verabschiedete. Und anderseits für Medienministerin Simonetta Sommaruga (SP), die es einbrachte. Dabei gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wurde Sommaruga von den Verlegern über den Tisch gezogen. Oder sie spielte das üble Spiel mit. Beide Varianten sind wenig schmeichelhaft für sie.
Fazit: Der Bundesrat, das Parlament und die Verleger können sich beim Volk bedanken, dass es ihnen am 13. Februar diese schallende Ohrfeige verpasst hat.  

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 17 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Philipp Gut ist Geschäftsführer des Referendumskomitees «Staatsmedien Nein», Buchautor, Verleger der «Umwelt Zeitung» und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Seine Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten.

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Wil24