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Wirtschaft
16.04.2022
16.04.2022 10:38 Uhr

Börsen per Saldo wenig verändert in die Ostern

Christopher Chandiramani: «Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich abbröckelnd. Am Donnerstag ging er aber mit Gewinnen ins verlängerte Osterwochenende.» Bild: Linth24
Wochenstart schwächer, dann vor dem Osterwochenende ein Endspurt am Donnerstag. Der Ukraine-Krieg, Teuerung und das Damoklesschwert der weltweit verschärften Geldpolitik drücken weiterhin auf die Stimmung.

Ein Schlüsselereignis der vergangenen Woche war der Zinsentscheid der Europäischen Notenbank (EZB), welche – im Gegensatz zu den Amerikanern – die Leitzinsen unverändert lässt. Die Inflation ist zurzeit alarmierend, seit vierzig Jahren die höchste im EU-Raum – über sieben Prozent; in den USA sogar über acht, in den baltischen Staaten 15 und in der Türkei über 30 Prozent. Kritiker der EZB nennen dies Unentschlossenheit. Aber die hohen Defizite einiger Staaten Südeuropas sprechen für ein Zuwarten.

Der Ukrainekrieg tobt weiter, die Kämpfe verlagern sich vom Raum Kiew in den Osten und Süden. Offenbar haben die Ukrainer eines der grössten Kriegsschiffe der russischen Schwarzmeerflotte versenkt. Die russische Staatsbahn kann Kredite in CHF vorläufig nicht zurückzahlen.

In China, wo die Corona-Pandemie noch präsent ist, wurden der Lockdown und andere Massnahmen in der Region Shanghai gelockert. Shanghai ist der grösste Exporthafen Chinas, eine zeitweise Lahmlegung verschärft die weltweite Verzögerung bei den Lieferketten.

Der Bundesrat hat in einer Absichtserklärung der Strombranche für den Notfall (Liquiditätsengpässe) Milliarden zugesichert.

In den USA hat Tesla-Chef Elon Musk ein Übernahmeangebot für den Nachrichtendienst Twitter im Umfang von rund USD 41 Mrd. gemacht

Ereignisse bei den Unternehmungen

Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich abbröckelnd. Teilweise waren auch Dividendenabgänge die Ursache, z.B. UBS. Am Donnerstag ging der Markt aber mit Gewinnen ins verlängerte Osterwochenende.

Die FINMA, die Schweizer Finanzmarktaufsicht, hat den Rohstoffkonzern Blackstone Resources gemassregelt. Seit der Börsennotierung 2018 hätte die Firma manipulative Aktiengeschäfte getätigt.

Die Zuger Industriegruppe Bossard (Verbindungstechnik) hält ihr hohes Wachstumstempo bei. Der Umsatz stieg im ersten Jahresviertel um 19.1 Prozent auf CHF 291.6 Mio.

Das Stromunternehmen Romande Energie hat 2021 weniger verdient wegen einer Beteiligung an Alpiq. Operativ haben die Westschweizer jedoch besser abgeschnitten als im Vorjahr. Der Umsatz stieg 2021 um 12 Prozent auf CHF 614 Mio. Aber der Reingewinn fiel jedoch um 60 Prozent auf 34.8 Mio. CHF. Ursache war der starke Gewinnrückgang bei der Alpiq. Hier wurde für 2021 einen Fehlbetrag von 271 Millionen Franken ausgewiesen. Für den Ausbau des Portfolios wird die Gruppe demnächst das Kapital erhöhen.

Aussichten – Sommergewitter?

Die Unsicherheiten bezüglich des Ukrainekriegs halten an, insbesondere wegen beidseitiger Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland. Einige Ostseestaaten wollen der NATO beitreten, was die Russen noch mehr ärgert. Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa vergrössert sich, was den Euro unter Druck setzt. Die Schweizerische Nationalbank SNB bleibt indirekt an die Entscheide der EZB gebunden. Ein noch stärkerer Franken ist unerwünscht für die Exportindustrie. Kritiker des Schweizerischen Nationalbank (SNB) fordern mehr Transparenz.

Die Unternehmenszahlen sind weiterhin gut. Die deutsche Wirtschaft schrumpft bereits wieder. Angesichts immer noch hoher Corona-Infektionszahlen, Lieferengpässe, hoher Energiepreise ging die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2021 zurück und schwächt sich 2022 weiter ab. Hoffnung auf eine Besserung gibt es wieder nach 2023. Die Ölpreise dürften gemäss Experten vorläufig ihren Zenit erreicht haben. Aktien bleiben immer noch die vielversprechendste Anlageform, auch wenn durch steigende Zinsen Anleihen allmählich wieder interessant werden könnten

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24