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20.04.2022
20.04.2022 12:05 Uhr

"Ein Kantonales meines Schwingclubs ist speziell"

Marcel Räbsamen aus Müselbach steckt sich hohe Ziele. Bild: Beat Lanzendorfer
Anfang Jahr erlitt Schwinger Marcel Räbsamen eine Verletzung im Knie, beim Saisonstart konnte er wieder voll ins Geschehen eingreifen. Die ersten Resultate stimmen ihn positiv für das St. Galler Kantonalschwingfest in Wil und den Saisonhöhepunkt, das Eidgenössische Schwingfest Ende August in Pratteln.

Der im Januar erlittene Anriss des Innenbandes im linken Knie ist bei Schwinger Marcel Räbsamen gut verheilt. Die Baustelle an seinem Körper hat er somit abgeschlossen. Das bestätigen die Ergebnisse seiner zwei bisherigen Schwingfeste in diesem Jahr. Rang 6 beim Rheintal-Oberländer Verbandsschwingfest in Oberriet und Rang 2 beim Rapperswiler Verbandsschwingfest.

Wie ist er mit dem Saisonstart zufrieden? «Ich kann mich nicht beklagen. Es ist alles wunschgemäss verlaufen. Ich weiss jetzt, was noch fehlt. Wenn die Saison so weitergeht, dann kommt es gut.»

Eine andere Baustelle wird den 21-Jährigen hingegen noch eine Weile beschäftigen. Im Haus der Räbsamens an der Dorfkreuzung in Müselbach wird gebaut. Michael und Manuela, Eltern von vier Söhnen, darunter Marcel, bauen in den oberen Stockwerken eine zusätzliche Wohnung. Wenn sie fertig ist, kann Marcel dort einziehen.

Kein Schwergewicht in der Küche

Um seine Ziele zu verwirklichen, trainiert der Müselbacher intensiv. Zwei bis drei Einheiten verbringt er im Kraftraum, zusätzlich drei bis vier im Schwingkeller – wöchentlich. Das Muskelpaket bringt bei einer Grösse von 189 Zentimetern 110 Kilogramm auf die Waage. Kein Schwergewicht ist er hingegen in der Küche. Dampfnudeln isst er am liebsten – jene von der Mutter seien die Besten. Vollständig hilflos beim Kochen ist er aber nicht. Ein Stück Fleisch auf dem Grill sei kein Problem und Spiegeleier bringt er auch hin. «Und am Abend vor einem Schwingfest kann es durchaus sein, dass ich mir einen Teller Teigwaren selbstständig zubereite.»
Als beim Gespräch die Kaffeemaschine aber eine Fehlermeldung anzeigt, braucht es trotzdem die Hilfe von Mutter Manuela. Die weiss mit einem Schmunzeln zu berichten, dass der Weg von Marcel zum Schwinger durchaus schon bei der Geburt vorgezeichnet war: «Er war 52 Zentimeter
gross und beachtliche 4,5 Kilogramm schwer.»

Zwei Ereignisse stehen im Fokus

Dort, wo Marcel Räbsamen hingegen seine Stärken hat, möchte er in diesem Jahr bei mindestens zwei Ereignissen glänzen. Klar, zählt das Eidgenössische in Pratteln Ende August dazu. Der Name des zweiten Ziels – St.Galler Kantonales in Wil – hingegen erstaunt, gibt es doch bei den Schwingern Feste, die bedeutender sind.
«Ich bin Mitglied vom Schwingklub Wil, der das Kantonale am 29. Mai zusammen mit dem Stadtturnverein Wil organisiert. Ein Kantonales, vom eigenen Verein auf die Beine gestellt, werde ich als Aktivschwinger wohl nicht mehr erleben, deshalb ist es schon etwas Spezielles.»
Und unter den rund 5000 Zuschauerinnen und Zuschauern dürften viele Verwandte und Kollegen von ihm sein. Deshalb ist sich Marcel Räbsamen auch nicht zu schade, im Vorfeld eine Woche Ferien zu nehmen, um beim Aufbau mitzuhelfen.

Er gönnt den Kollegen den Erfolg

Bekundet Marcel Räbsamen keine Probleme damit, wenn seine fast gleichaltrigen Kollegen Damian Ott und Werner Schlegel von den Medien mehr vereinnahmt werden? «Das bringt auch Vorteile, so kann ich dem Rummel aus dem Weg gehen.» 
Damian Ott und er hätten mit ungefähr sechs Jahren zum ersten Mal miteinander im Sägemehl gestanden. «Seither schwingen wir praktisch wöchentlich miteinander, das schweisst zusammen. Da kommt kein Neid auf, jeder mag dem anderen den Erfolg gönnen und man freut sich
füreinander.»
Und abgesehen davon: Im Sommer schliesst der gelernte Dachdecker seine Zweitausbildung als Fassadenbauer ab, danach kann er sich noch mehr auf den Schwingsport konzentrieren. Deshalb ist davon auszugehen, dass noch weitere als die bisher neun gewonnenen Kränze hinzukommen. Zu den schönsten zählt er den ersten beim Zürcher Kantonalen 2019 in Fehraltorf, und den vom letzten Jahr am Schwarzsee. In Erinnerung bleibt ihm auch der Kranzgewinn am Nordostschweizer, ebenfalls vom vergangenen Jahr, als endlich wieder Publikum zugelassen war.
Als Müselbacher hat Marcel Räbsamen zudem jenen Berg im Blickfeld, an dessen Fuss das aus Ostschweizer Sicht bedeutendste Bergfest stattfindet.
Deshalb sagt er am Ende des Gesprächs: «Ein Sieg auf der Schwägalp, davon träumt jeder Schwinger.» Die Gegend seines Heimbergfestes kennt er ganz genau. Auch dort stellt er sich jeweils als Helfer beim Aufstellen und Abbrechen zur Verfügung.

Ab sofort sind Tickets erhältlich. Bild: wil24.ch

Weitere Informationen und Tickets:

wil2022.ch

Beat Lanzendorfer