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Stadt Wil SG
31.05.2022
31.05.2022 08:34 Uhr

Küngolt von Landegg – die Wiler Stifterin

Der Minnesänger Konrad Schenk aus dem Adelsgeschlecht von Landegg, Abbildung im Codex Manesse (um 1300). Bild: Universität Heidelberg
In über 800 Jahren Stadtgeschichte lebten ganze Reihe aussergewöhnlicher Frauen und Männer in Wil. wil24.ch zeichnet diesen Sommer Biografien von zwölf Wiler Persönlichkeiten nach. Die zweite Person ist Küngolt von Landegg – die Wiler Stifterin

von Adrian Zeller, Journalist

In der Zeit der Appenzellerkriege von 1401 bis 1429 wurden zahlreiche Herrschaftssitze in der Ostschweiz niedergebrannt. In dieser Zeit verbreiteten sich zudem neue Waffen in Form von Geschützen. Sie konnten Befestigungen von Burgen brechen, die bis anhin als uneinnehmbar galten. In der Folge suchten verschiedene Adelsfamilien aus der Region Schutz in Wil, das als schwer zu stürmen galt.

Eine ganze Reihe von Adelspersonen und -familien erwarben das Wiler Bürgerrecht und damit die Garantie, sich bei Bedrängnis in den Schutz der Stadtmauern begeben zu können. Einige dieser Menschen blieben dauerhaft in Will wohnen.

Zu den in Wil eingebürgerten Adelspersonen gehörten auch Küngolt von Landegg sowie Hans Ulrich von Mumprat. Dieser galt als Draufgänger und als Herzensbrecher. Und er war ein Anführer der sogenannten Wiler Böcke. Dieser Haufen von Landsknechten verbreitete in Region als Plünderer viel Angst und Schrecken. Bei einem Beutezug kam Mumprat ums Leben. Er wurde in Wil beigesetzt.

Sohn wird Geistlicher

Zuvor hatte er Küngolt von Landegg verführt. Sie brachte einen unehelichen Sohn zu Welt. Mutter und Sohn hatten deshalb in Wil einigen Spott zu ertragen. Auf Veranlassung von Küngolt erhielt Sohn Heinrich seine Ausbildung in der St. Galler Klosterschule. Er erfüllte den Wunsch der Mutter und wurde Priester. Aus Dankbarkeit richtet sie in Wil eine Schenkung ein, dies auch um die Schmach des unehelichen Kindes abzumildern.

1466 stiftete sie für die St. Nikolauskirche einen Altar, ein Messbuch, Messgewänder, ein Wohnhaus sowie die Unterhaltszahlung für einen Geistlichen, unter der Auflage, dass der erste Nutzniesser von dieser Schenkung ihr Sohn sei.

Toter wird lebendig

Eine Sage erzählt von einem unheimliche Getöse, das ganz plötzlich während der ersten Messe des neu geweihten Priesters in der Kirche losbrach. Die Grabplatte von Hans Ulrich von Mumprat schob sich zur Seite und der Ritter entstieg seinem Grab. Er schritt zum Sitzplatz von Küngolt, reichte ihr den Arm und führte sie vor die Stufen des Altars. Dort gab sich das Paar das Ja-Wort und wurde von ihrem eigenen Sohn getraut.

Anschliessend führte Mumprat seine Ehefrau an ihren Platz zurück und legte sich wieder in seine Gruft. Das Kirchvolk stellte bald fest, dass Küngolt tot auf ihrem Stuhl sass. Sie wurde neben ihrem Ehemann beigesetzt. 

Adrian Zeller, Journalist / wil24.ch